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VfL-Coach Thorsten Thielemann: „Bin von einigen enttäuscht“

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Von: Ingo Barrenscheen

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Thorsten Thielemann steht an der Seitenlinie und blickt auf das Spielfeld.
Geknickt: Thorsten Thielemann kann einige Aussagen, die zu seinem Aus beim Landesligisten VfL Wahrenholz führten, nicht nachvollziehen. © Ingo Barrenscheen

Nach der unvermittelten Trennung zwischen dem Fußball-Landesligist VfL Wahrenholz und Traier Thorsten Thielemann, schildert der Ex-Coach seine Sichtweise.

Wahrenholz – Wenngleich Thorsten Thielemann, anders als die viereinhalb Jahre zuvor, seinen Sonntagnachmittag nicht am Taterbusch verbrachte, so war sein Geist beim Fußball-Landesligisten VfL Wahrenholz noch allgegenwärtig. Kurz vor Anpfiff des Schlüsselspiels gegen die TSG Bad Harzburg (4:2, das IK berichtete) brandete, im Anklang an eine Dankesrede des Stadionsprechers, unter den Zuschauern Standing Ovations für den Aufstiegs-Trainer auf, der vier Tage zuvor völlig unvermittelt seinen Job losgeworden war.

Was die innige Beziehung zwischen Umfeld und Ex-Coach verdeutlicht. Bis zu der wichtigen Partie hatte sich Thielemann bewusst mit seiner Sicht der Dinge zurückgehalten, um die Vorbereitung nicht zu stören. Am gestrigen Montag gewährte er dann doch Einblicke in sein Seelenleben und das Aus bei den Schwarz-Gelben, das niemand vorhergesehen hatte. „Ich hatte viele Nachrichten und Anrufe. 90 bis 95 Prozent fragten, ob es ein Aprilscherz war.“ War es nicht.

Wohlgemerkt rückte Thielemann sein Scheiden in ein etwas anderes Licht. Es kam keinem Rauswurf gleich. Eher „beiderseitigem Einvernehmen“. Denn als der Übungsleiter am vergangenen Mittwoch zum Gespräch mit dem Mannschaftsrat zitiert wurde, sei es in seinen Augen zu „einigen Aussagen gekommen, die ich nicht nachvollziehen konnte. Wir sind auf keinen Nenner gekommen.“ Deshalb hätte er von sich aus gesagt, dass eine Trennung wohl unumgänglich sei, hätte seine Schlüssel auf den Tisch gelegt – und das war’s. „Es wäre doch sowieso darauf hinausgelaufen.“ Weil Jan Schöbel als Spartenleiter in der vertrackten Situation keine andere Wahl mehr gehabt hätte, als vereinsseits zu handeln.

In der Diskussion vorab wies Thielemann auch darauf hin, dass es für ihn – genauso wie für das Team – das erste Landesliga-Jahr sei. „Sicherlich habe ich den ein oder anderen Fehler gemacht. Aber ich bin selbstkritisch, kann damit umgehen. Das fehlt mir bei einigen Spielern. Das habe ich angesprochen. Wir sind aufgestiegen, stehen über dem Strich, dabei hatten einige Leute Urlaub oder sind verletzt“, entgegnete Thielemann der Kritik.

Selbstredend würde die abrupte Trennung unheimlich wehtun. „Ich bin persönlich und menschlich von zwei, drei Leuten enttäuscht – nicht von Jan Schöbel.“ Wenngleich er sich von seinem bisherigen Co-Trainer, der die in diesem Fall knifflige Doppel-Rolle als Spartenleiter ausfüllt, gewünscht hätte, dass er Fehl-Entwicklungen beizeiten angesprochen hätte, um gegenzusteuern. „Aber Jan war selbst überrascht von der ein oder anderen Aussage. Er macht in beiden Funktionen einen guten Job.“ Ebenfalls empfand er es als „schade, dass andere gar nichts dazu gesagt haben in der Runde.“

Thielemann liegt es allerdings fern nachzukarten. Dafür hat er seine überaus erfolgreiche Zeit bei den Schwarz-Gelben zu sehr genossen. „Ich möchte mich bei den Wahrenholzern bedanken, wie sie mich und meine Familie aufgenommen haben. Da sind ganz tolle Leute am Werk.“ Er wolle hinter das Geschehen nun einfach einen Haken setzen. „Wenn eine Tür zugeht, geht eine andere auf.“

Sprich: Trotz der unerfreulichen Demission braucht der Coach aus Leidenschaft keinen Abstand vom Amateurfußball. „Dafür bin ich zu gerne Trainer mit Leib und Seele. Ich werde mir alles anhören.“ Eine gute Bewerbung hat er mit seinem Wirken in Wahrenholz in jedem Fall abgegeben.

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