Handball – Oberliga Herren: VfL Wittingen führt beim MTV Soltau 18:12 und erleidet dann Kollektiv-Blackout zum 26:31

„Unbegreiflich!“ Filmriss nach 42 Minuten

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Verzweifelte Gesichtsausdrücke gab es beim Handball-Oberligisten VfL Wittingen (Kai Eschert) in Soltau zur Genüge. 42 Minuten lang strebten die Brauereistädter einem Sieg entgegen und verfielen dann in einen kollektiven Blackout.

Soltau. Plötzlich war alles weg. Die Oberliga-Handballer des VfL Wittingen kamen sich am Sonnabend im Auswärtsspiel beim MTV Soltau vor wie nach einer durchzechten Nacht. Totaler Filmriss. Ab der 42. Minute wussten die Brauereistädter nicht mehr wie ihnen geschah.

Aus einer komfortablen 18:12-Führung wurde im Handumdrehen eine 26:31-Schlappe. Soltau hatte sich in einen „wahren Rausch“ (Trainer Axel Bühlow) gespielt.

Bei den Gästen indes herrschte Kater-Stimmung. „Das ist unbegreiflich“, suchte Bühlow auch am Tag nach dem kollektiven „Blackout“ nach Erklärungen. „Wir waren nach dem Spiel alle total baff, wie wir das noch aus der Hand geben konnten.“ Der VfL, in der Fremde fast regelmäßig am Taumeln, hatte sich angeschickt, zu einem frühen Zeitpunkt der Saison bei der Heimmacht Soltau ein Aus(wärts)rufezeichen zu setzen. Die Zuschauer in der Heide-Park-Metropole hatten die Punkte gedanklich schon abgeschrieben.

Doch mit einer Zwei-Minuten-Strafe setzte plötzlich der/das K.o.(ma) beim VfL ein. Soltau erzielte drei Tore in Folge zum 15:18. Und verkürzte munter weiter, weil die Wittinger ihrerseits sträflich gute Chancen ausließen. „Machen wir da ein, zwei Dinger rein, gibt’s bei Soltau vielleicht auch wieder eine Stockphase“, mutmaßte Bühlow. Der MTV hatte bereits gegen Ende der ersten – von beiden Seiten weitestgehend schwachen – ersten Halbzeit die Deckung auf eine 5:1-Formation umgestellt. Ein Taktik-Kniff, der den VfL mit Verzögerung benebelte. Die vorgezogene Spitze, Manndeckung für Kai Lemke, ließ sich immer geschickt zurückfallen und störte so den Wittinger Spielaufbau. „Wir haben ihm fünf Mal in Folge den Ball übergeben“, raufte sich Bühlow die Haare.

Nach dem 19:21 verschwand auch das letzte Erinnerungsvermögen an die eigenen Fähigkeiten beim VfL. „Wir waren total verunsichert“, registrierte der Coach. Soltau hingegen traf mit einem Mal aus allen Lagen. „Da hat einfach alles geklappt.“ Keeper Kevin Preisner, in den ersten 30 Minuten wieder einmal starker Rückhalt, erlebte die Kehrseite der Medaille. Auch, weil seine Deckung ihn im Stich ließ. „Wir konnten nicht mehr gegenhalten“, monierte Bühlow und trauerte der verpassten Gelegenheit nach: „So ein Ding muss man auswärts nach Hause bringen. Wir hätten uns eine schöne Position erarbeiten können. Nun sind wir auf dem Boden der Tatsachen.“

Von Ingo Barrenscheen

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