Handball – Oberliga: VfL verdaddelt einen Punkt und hadert mit den Schiris

So überflüssig wie ein Kropf

Verhinderte Schlimmeres: VfL-Keeper Bastian Albrot.

Wittingen. Tatort Wittingen.

So lange wie der Krimi-Klassiker im Fernsehen hält sich die Super-Serie der Heimmacht VfL (nun schon seit drei Jahren, einem Monat und zehn Tagen zuhause ungeschlagen) zwar noch nicht, erzeugte am Sonnabend in der Handball-Oberliga beim 25:25 (15:9) gegen Eintracht Hildesheim II aber ebenfalls enorme Einschaltquoten.

Spieler, Trainer, Zuschauer: Alle schalteten sie sich ein und schimpften wie die Rohrspatzen auf das Schiedsrichter-Gespann. Die (Buh-)Männer in Gelb hatten die gefühlte Niederlage ohne Frage mit herbeigeführt aus Wittinger Sicht. Aber letztlich mussten sich die Brauereistädter das Ergebnis selbst ankreiden. „Wenn man 20:13 führt, darf man so ein Spiel nicht mehr aus der Hand geben – unabhängig davon, ob die Schiris gegen uns gepfiffen haben oder nicht“, brachte es Hauptkommissar Axel Bühlow auf den (verlorenen) Punkt. Dieser wurmte ihn persönlich: „Es war mein erster Punktverlust daheim mit den Herren.“

Dass das Drehbuch in der Gelben Halle/Hölle noch so eine dramatische Wende nehmen würde, hatte sich beileibe nicht abgezeichnet. 41 Minuten lang deutete jedes Indiz darauf hin, dass die Wittinger diesen Fall bravourös lösen sollten. Als Beweismittel diente einmal mehr das Heim-Bollwerk: Das Jungstar-Ensemble aus Hildesheim – vier Akteure haben in dieser Saison bereits 2. Liga gespielt – biss sich an der VfL-Deckung zunächst jede Menge Zähne aus. Und wirkte alsbald konsterniert ob des unverhofften Widerstands. Ratlose Gesichter bei der Eintracht, so weit man blickte. Auch aus dem kleinen Zwischenloch in Halbzeit eins nach dem 9:3 zogen sich die Brauereistädter wieder heraus. Als die Hürde zehntes Tor erst einmal genommen war, flutschte es wieder. Mit der Pausensirene versenkte Torben Banse die Kugel zum 15:9 in den Maschen. Mega-Frust bei den Gästen.

In diesem Muster ging es weiter. Bis zum besagten 20:13. Warum der VfL dann plötzlich völlig von der (Haupt-)Rolle war, bleibt wohl ein Mysterium. Von einer auf die nächste Minute bröckelte der Beton. Hildesheim wurde aber nicht etwa stärker, sondern profitierte von Wittinger Schnitzern.

Die Abwehr-Probleme schleppten die Blau-Gelben geistig mit nach vorne. Bühlow machte überhastete Abschlüsse aus. „Jeder wollte das entscheidende Tor werfen.“ Statt sich in aussichtslosen Situationen festmachen zu lassen, versuchten es die Hausherren mit „Hilfswürfen und Hilfsabspielen. So etwas wird in der Oberliga nicht mehr gepfiffen“, betonte der Trainer. Aus Übermut entwickelte sich blanke Nervosität. Der Ball wirkte mit einem Mal wie eine heiße Kartoffel... „Der eine oder andere ist fickerig geworden.“ Beim 23:23 war der Vorsprung schließlich aufgebracht.

„Wir können noch von Glück sagen, dass Basti Albrot einige Bälle pariert hat. Sonst geht das Ding in die Hose“, bedankte sich Bühlow bei seiner Spürnase im Tor. Die Gastgeber hatten dennoch das Happy End vor Augen, als Kai Lemke 22 Sekunden vor Ultimo das 25:24 erzielte und Hildesheim obendrein eine Zeitstrafe kassierte. Doch dann brachten die uneinigen Referees die Tribüne endgültig auf 180 und entschieden nach kurzer Debatte auf Siebenmeter wegen angeblicher Abwehr durch den Kreis: Diesen vermochte Albrot nicht mehr abzuwehren. Was im Getöse fast unterging. Bei Bühlow blieb „ein fader Beigeschmack“. Zumal die Bösewichter aus Hildesheim mit unrühmlichen Gesten und Aktionen ebenfalls den Wittinger Unmut auf sich zogen.

Von Ingo Barrenscheen

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