Verein gründet Skateboard-Sparte und stößt damit in eine niedersachsenweite Nische vor

Trendsetter: MTV Stöcken macht einen Ollie

Bei den Olympischen Spielen in Tokio (hier der US-Amerikaner Cory Juneau) gehörte der Skateboard-Sport erstmals zu den Disziplinen.
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Bei den Olympischen Spielen in Tokio (hier der US-Amerikaner Cory Juneau) gehörte der Skateboard-Sport erstmals zu den Disziplinen.

Als sich im Jahr 1921 einige Landwirte aus Stöcken und Suderwittingen überlegten, gemeinsam Fußball zu spielen (was 1925 auf dem Hof Niebuhr zur Gründung des MTV Stöcken führte), hätte von diesen Ur-Ahnen wohl niemand gedacht, dass der Verein ein Jahrhundert später andere Pionierarbeit leisten würde.

Stöcken – Und als Vorreiter im gesamten Isenhagener Land, nein sogar im gesamten Landkreis und darüber hinaus eine Skateboard-Sparte gründen würde. .

Richtig gehört! Sport mit Skateboard. Dieses Brett auf vier Rollen, mit dem sich allerlei Tricks und Stunts auf den Asphalt zaubern lassen und der schon Generationen von jungen (und jung gebliebenen) Menschen in seinen Bann gezogen hat. Und doch ein Exot auf der organisierten Sport-Landkarte ist.

Schon damals hatte Stöcken ein Faible für gute Bewegungsangebote und punktete in vielen Genres: von Faustball über Speerwerfen bis hin zu Turnen und Handball. Es wurden Siege errungen, gefeiert und geehrt. Mit großen Turnieren und Events stach der Ort als kleiner Fleck am Rande des Landkreises mit seinem MTV heraus. Jedoch schwand, auch durch den digitalen Wandel, grundsätzlich das Interesse an einer Vereinskultur – nicht nur in Stöcken setzen sich immer weniger Menschen ehrenamtlich für ihren Verein ein.

Auch der hiesige MTV Stöcken springt auf diesen Trend auf und hat eine Skateboard-Sparte ins Leben gerufen. Damit ist der kleine Dorfverein in Niedersachsen eine der wenigen Anlaufstellen für diese Zunft der Rollen-Sportler. Allerdings muss das Umfeld erst noch wachsen.

Also beschloss der aktuelle MTV-Vorstand mitten in der lähmenden Corona-Krise, neue Wege zu gehen. Und, um in der Skateboard-Sprache zu bleiben, einen Ollie zu machen. Sprich einen Sprung in eine neue Angebots-Ära. Digitalisierung, Trendsportarten und Bogenschießen seien nur ein Teil der Veränderung, unterstreicht der zweite Vorsitzende Johny Zamora. „Allerdings bleibt trotz der Veränderung das Herz am rechten Fleck und die Werte dieselben bei uns im Verein.“ Der MTV passt mit seinem Vorstoß in den modernen Zeitgeist. Immerhin änderte auch das Olympische Komitee seinen Kurs und bot bei den Sommer-Spielen in Tokio erstmalig Skateboarding als olympische Disziplin an.

„Die Sportart ist kaum mit anderen vergleichbar, da sie erstens einen gewissen Life-style mit sich bringt und zweitens sehr zeitintensiv ist“, unterstreicht Zamora. Um Tricks zu erlernen, ist eine Menge Know-how vonnöten. Der Sous-Chef zieht einen interessanten Vergleich: „Ähnlich wie beim Ballett muss der Körper lange darauf vorbereitet werden. Jeder einzelne Muskel wird beansprucht und der Gleichgewichtssinn ist stark gefordert bei hoher kognitiver Belastung.“

Markant am Skateboarding sei, dass der Sport überall, wo eine asphaltierte Fläche vorhanden ist, ausgeführt werden kann. Logisch: Der Winter ist dabei nicht die präferierte Jahreszeit für die Rollensportler. Deshalb werden bislang in der Stöckener Halle immer freitags beim offenen Training die Basics trainiert: aufgebaute Balance-Parcours, Sportspiele und Falltechniken. Zudem sind Ausflüge zur Skatehalle nach Braunschweig sowie ein Snowboard Day im Bispingen geplant.

Eine eigene Außenanlage zum Trainieren sei „bisher nur eine Utopie“, so Zamora. Doch diese könnte eventuell mit Unterstützung der Stadt Wittingen sowie privatem Engagement und Spenden auf einer alten Handballfläche neben der Halle errichtet werden, so der Wunschgedanke.

Übrigens: Interessierte und Unterstützer können sich unter (0173) 2495337 oder per E-Mail an info@mtv-stöcken.de melden.

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