Fußball – IK-Nachspielzeit: Konträres Kuriosum beim VfL Vorhop und SV Groß Oesingen / Gamsen verlängert mit Ende

Vom Sturm ins Tor, vom Tor in den Sturm...

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Handschlag beim MTV Gamsen! Spartenleiter René Dethlefs (v. l.), der Vorsitzende Detlev Hermann, Trainer Ralf Ende, Betreuer Wolfgang Staats und der stellvertretende Spartenleiter Uwe Schultz.

Ein Stürmer als Torwart, ein Torwart als Stürmer und ein Torwart als Rückkehrer: Die Schlussmänner stehen ohne Frage im Mittelpunkt der heutigen IK-Nachspielzeit.

Von ganz vorne nach ganz hinten. Weil die Torhüter-Position aktuell beim VfL Vorhop die größte Baustelle darstellt, opferte sich Sebastian Sommer im ohnehin recht aussichtslosen Auswärtsspiel beim Tabellenzweiten SV Westerbeck auf und stand zum zweiten Mal überhaupt zwischen den Pfosten (das erste Mal liegt gut sieben Jahre zurück). Der Spielertrainer hätte „Eier gezeigt für die Mannschaft“, unterstrich der VfL-Vorsitzende Nicky Urbanitsch. Notgedrungen, weil Stammkeeper Christian Graf noch nicht wieder einsatzbereit ist, weil der bisherige Ersatz Dennis Szillat zwingend vormittags in der Altherren der SG Hankensbüttel/Emmen/Oerrel (hatte schon zwei Nichtantritte in der Rückserie) ran musste und meinte, zwei Spiele seien zuviel und weil Christian Kasten erst zu-, dann aber wieder abgesagt hätte. „Er war mit seiner Aussaat noch nicht fertig“, erklärte Urbanitsch. Sommer fackelte nicht lange und wechselte vom Sturm ins Tor. Nicht das einzige Merkmal für die Vorhoper Personalnot. So musste der früherer Co-Trainer Mirko Rehders nach einem halben Jahr Pause von Beginn an ran, nach nur fünf Minuten musste der VfL erstmals wechseln. Und obendrein gab der Youngster Alex Michel sein Debüt. „Er war in seinem ersten Herrenspiel ein bisschen aufgeregt“, meinte Sommer. Letzten Endes sei es bei der 0:7-Schlappe zu viel Flickwerk gewesen.

Bei Vorhops Kreisliga-Konkurrenten SV Groß Oesingen lief es im Heimspiel gegen den Wesendorfer SC genau andersherum. Dort wurde der etatmäßige Keeper Tjark Müller in den letzten 20 Minuten in die Offensive beordert. Sein Coach Torben König klärte auf: „Tjark hatte am Freitag im Training einen auf die Finger bekommen. Also haben wir Sascha Bock fürs Tor ausgegraben.“ Weil er aber nicht der Reserve das Personal abgraben wollte, warf König seinen lädierten Goalie in der Schlussphase aushilfsweise als linken Flügelstürmer ins Rennen. „Er hatte sogar eine ganz gute Torchance.“ Doch Müllers Zukunft sieht Oesingens Übungsleiter dennoch im eigenen Strafraum. Weiteres Kuriosum übrigens beim 4:3-Krimisieg: Obwohl Arne Heers schon vorbelastet und durchaus Gelb-Rot-gefährdet war, ließ ihn König auf dem Feld. „Er wäre durch seine zehnte gelbe Karte sowieso gesperrt gewesen. No risk, no fun“, schmunzelte der SV-Coach. Heers holte sich tatsächlich noch die Ampelkarte ab. Unerheblich.

Ohne Training kein Torriecher!? Die Offensiv-Flaute entwickelt sich zunehmend zum Kardinalproblem des FC Brome. Dabei mischte am Sonntag bei der Nullnummer gegen den VfL Knesebeck sogar die erste Sturm-Garde in Person von Michael März und Marvin Keller mit. Was so eigentlich gar nicht geplant war, verriet Trainer Mark-Oliver Schmidt. „Christoph Nieswandt sollte spielen, hat sich aber in der Zweiten gezehrt. Damit war das Thema durch.“ Keller bekam kurzfristig doch noch grünes Licht bei der Arbeit, scorte aber trotz einiger verheißungsvollen Szenen nicht. „Man merkt bei ihm, dass das Training fehlt. Sonst macht er die Dinger“, so Schmidt. Doch er betonte gleichermaßen: „Wir können froh sein, dass wir so viele Chancen kreieren.“ Irgendwann sollte der Knoten wieder platzen.

Nach nur einer Minute hätte er am liebsten wieder Schicht im Schacht gemacht... Denn schöner konnte es nicht werden. Christoph Schacht erlebte einen Bilderbuch-Sonntag beim VfL Ummern. Zunächst gewann er mit der Zweitvertretung 7:1 gegen den VfL Wettmershagen und steuerte bei seinem Fulltime-Job gleich vier Treffer bei. Quasi ein Empfehlungsschreiben für den Erste-Herren-Coach Michael Alms, der noch Ergänzungskräfte für die Kreisliga-Begegnung gegen den VfL Wittingen/S. benötigte. In der 87. Minute gewährte er Schacht dann auch noch einen Kurz-Einsatz – keine Zeigerumdrehung später erzielte der Joker mit dem ersten Ballkontakt auf Vorlage von Vitalij Sterz direkt das 3:0. „Da war natürlich Stimmung“, grinst Alms. „Er hat mir angezeigt, dass er gleich wieder raus will...“

Marius Müller-Westernhagen sang einst: „Ich bin wieder hier. In meinem Revier. War nie wirklich weg.“ Einige Zuschauer rieben sich verwundert die Augen, als Maximilian Dominik Starck beim Duell seines TuS Ehra-Lessien gegen den SV Hankensbüttel plötzlich wieder zwischen den Pfosten stand. Eigentlich war der Torsteher im Winter zu Arminia Vechelde gewechselt. Aus beruflichen Gründen. „Doch er hat sich dort überhaupt nicht wohlgefühlt“, verriet TuS-Trainer Jürgen Schenk. Da Starck nur in einem Testspiel zum Einsatz kam, war der Wechsel auch innerhalb der Saison möglich. Sehr zur Freude der Lessiener. Starck spielte ja bekanntlich auch gleich zu-Null.

Auf der Torhüterposition sind sie gut bestückt beim FC Ohretal. Nachdem Matthias Bock zuletzt selbst mehrfach zwischen den Pfosten brillierte, ließ der FCO-Coach beim SV Tappenbeck Fabio Valcanover den Vortritt. Und dieser zeigte eine bärenstarke Partie. Dass es nicht schon zur Pause 3:0 oder 4:0 für Tappenbeck stand, verdankten die Ohrentaler allein ihrem Keeper, der seiner Mannschaft somit die Chance auf den Sieg ermöglichte. Dass der FCO diese dann auch ergriff, lag mit an Mohsen Elias Hamad, der nach seiner Einwechslung zum 1:1 traf. Zuvor hatte der Wirbelwind schon für die Zweite 90 Minuten gespielt und ebenfalls getroffen. „Auch bei uns ist er am Ende noch die Linie auf und ab gesprintet“, zeigte sich Bock zufrieden mit seinem Schützling, der extra aus Ehra-Lessien nach Tappenbeck nachgereist war, um dann noch mal richtig abzuliefern...

Vom Abstiegskandidaten in der Oberliga zum Regionalliga-Anwärter. Timon Hallmann, Doppeltorschütze beim jüngsten Derbysieg über den SSV Vorsfelde, wird den MTV Gifhorn am Saisonende verlassen und sich dem USI Lupo Martini Wolfsburg anschließen. Für den Stürmer ist dies der nächste logische Schritt in der Karriere. Mit 13 geschossenen Toren steht der Radenbecker mit zwei anderen Akteuren an der zweiten Stelle der Oberliga-Torschützenliste und hat damit maßgeblichen Anteil daran, dass der MTV noch knapp über dem Strich steht. Im Umkehrschluss wird Petrus Amin den italienischen Club aus der VW-Stadt wohl verlassen und sich wieder seinem ehemaligen Verein MTV Isenbüttel aus der Bezirksliga anschließen.

Weitere Triebfeder für die spürbare Aufbruchstimmung im gesamten Verein: Im Zuge einer sportlich herausragenden Saison für alle drei Herrenteams geht es auch hinter den Kulissen beim MTV Gamsen zur Sache. Am vergangenen Wochenende machten der erste Vorsitzende Detlev Hermann und Spartenleiter René Dethlefs die Vertragsverlängerung mit dem erfolgreichen Trainerteam um Ralf Ende (früher VfL Wahrenholz) und Wolfgang Staats perfekt. Dethlefs ist froh, diese enorm wichtige Personalie geklärt zu haben und freut sich auf eine weitere Saison unter der Leitung von Ende. „Ralf bringt unsere Herrenmannschaften enorm nach vorne und war maßgeblich an der Neustrukturierung in der Sparte beteiligt. Es ist spürbar, dass sich bei uns richtig etwas bewegt.“ Die Bezirksliga-Riege steht nach 19 Spieltagen auf einem hervorragenden zweiten Tabellenplatz, die zweite und dritte Herren in ihren Staffeln der 3. Kreisklasse jeweils kurz vor dem Aufstieg. Dethlefs gab zudem bekannt, dass der MTV in der neuen Saison eine Altherren melden wird, die Rang und Namen haben wird.

Kein Torjubel aus Respekt vor dem Ex-Verein: Rühens Kevin Fries (l.) hielt sich nach seinem 1:0 in Eischott zurück. 

Die Gestik erinnerte doch stark ans Profi-Geschäft: Als Kevin Fries am Sonntag die 1:0-Führung für den SV BW Rühen gegen seinen Ex-Club SV Eischott erzielte, verzichtete er demonstrativ auf einen Torjubel. „Wie schon im Hinspiel. Vielleicht hat er sich das in der Bundesliga abgeschaut“, flachste sein Coach Sören Henke. Die Zurückhaltung sei der besonderen Situation angemessen gewesen, meinte er. Immerhin sei sein Schützling im vergangenen Sommer nicht im Bösen aus Eischott geschieden, sondern um sich sportlich zu verbessern. „Es war auch ein kleines Familienduell“, erklärte Henke. Denn beim SVE kickt Fries’ Schwager in spe André Spierling mit. Dieser hatte ihn einst überhaupt erst nach Eischott gelotst.

Von Ingo Barrenscheen

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