Handball – Verbandsliga: Wittingen fügt Meister Stadtoldendorf in einem packenden Hit die erste Saisonpleite zu

Spitzenzweiter! VfL auf Gipfel der Gefühle

Jaaaaaaaaaa!!! Malte Sültmann schreit die Freude nach dem Triumph im Gipfeltreffen gegen Stadtoldendorf nur so raus. Foto: Barrenscheen

Wittingen. Wenn sich selbst ein sonst eher besonnener Mike Mühlenbruch vor die Fankurve setzt und im wilden Humba-Humba-Tätera-Reigen mitmacht, dann muss etwas Bahnbrechendes passiert sein.

Ist es auch! Die gut 400 Zuschauer im Hexenkessel von Wittingen wurden am Samstagabend Augenzeugen einer Uraufführung. Pech, wer nicht dabei war.

Die Expedition Erstbesteigung: Sie ist geglückt! Handball-Verbandsligist VfL Wittingen erklomm den Gipfel der Gefühle nach dem sensationellen 27:24 (19:12) gegen das Meister-Massiv vom TV Stadtoldendorf! Die Unbesiegbaren: Sie waren einmal. Ob in weiser Voraussicht oder in unendlichem Optimismus: Wittingens Ultras hatten die ersten Verlustpunkte der Saison für den Spitzenreiter prophezeit und ein Plakat mit der Aufschrift „Stadtoldendorf – 36:2-Punkte“ aufgehängt. So sei es...

Offenbar hatte sich auch die VfL-Mannschaft die Anzeigetafel im Fanblock genauestens eingeprägt. Denn die Wittinger spielten in der ersten Halbzeit wie das berühmte Duracell-Häschen auf Ecstasy. Wie aufgedreht stellten die Hausherren – mit einer bombensicheren Abwehr – dem bisher unbescholtenen Topteam aus Stadtoldendorf einige Denkaufgaben. Nach dem 7:6 zogen die Brauereistädter unter tosendem Lärm auf 10:6 weg und bauten die Führung bis zur Pause auf 19:12 aus. Stadtoldendorf geschockt! Die sieben-Tore-Differenz sollte sich noch als sehr nützlich erweisen....

Offenbar hatten die Wittinger eine zu hohe Schlagzahl an den Tag gelegt. „Wir waren ein bisschen platt – auch im Kopf“, registrierte VfL-Coach Mike Mühlenbruch im Laufe der zweiten Hälfte. Stadtoldendorf indes hätte „kräftemäßig gezeigt, was sie drauf haben“. Nach dem 23:17 brach beim Herausforderer die totale Ladehemmung aus. Bis auf einen läppischen 7-Meter wollte gut eine Viertelstunde lang überhaupt kein Tor mehr glücken. Die Angst vor der eigenen Courage war plötzlich greifbar in der Halle. Das Szenario erinnerte doch stark an das vermasselte Aufstiegs-Finale gut ein Jahr zuvor gegen Himmelsthür. Auch Mühlenbruch, obwohl damals gar nicht dabei: „Ich will nichts reininterpretieren, aber: Jeder hat gebetet, man wie spät ist es. Es ist doch erst ein Jahr her. Das hat eine Eigendynamik entwickelt.“

Eine Nervenschlacht. Beim 24:23 war Stadtoldendorf dann auf Tuchfühlung. Doch dann das erlösende Erfolgserlebnis: Torben Hildebrandt erzielte das 25. Tor. Ein Meilenstein. Wittingen plötzlich wieder da! Letztendlich auch das Glück des Tüchtigen.

Nach den atemberaubenden Hit fühlte sich Mühlenbruch „etwas leer, aber auch befreit“. Der VfL hat einen ersten Schritt in Richtung Aufstieg gemacht. Das spürten auch die Fans, die den Begriff „Spitzenzweiter“ prägten. „Für den Moment ein schönes Gefühl“, strahlte der Trainer. Aber eben nur für den Moment. Zwar hat Wittingen den Gipfel erklommen. Doch nun muss er sich in den Endspielen in Barsinghausen und Plesse dort auch halten.

Von Ingo Barrenscheen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare