Fußball: Neue Regeln bescheren schon in der Vorbereitung kleinere Probleme

Die Sorgen auf den zweiten Blick

Nicht erwünscht: Der Handschlag vor dem Spiel, so wie hier im Jahr 2019 in der Partie SV Hankensbüttel kontra FC Ohretal (1. Kreisklasse 1), fällt erst einmal weg.
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Nicht erwünscht: Der Handschlag vor dem Spiel, so wie hier im Jahr 2019 in der Partie SV Hankensbüttel kontra FC Ohretal (1. Kreisklasse 1), fällt erst einmal weg.

Isenhagener Land – Fußballspielen in der Corona-Zeit? Ja, das ist seit Montag offiziell wieder möglich – auch in Wettkampfform! Kollektive Erleichterung natürlich auf den ersten Blick auch bei den hiesigen Vereinen im Nordkreis.

Doch wie sieht es auf den zweiten Blick aus?

Schließlich gibt es mehrere bedeutende, vom Niedersächsischen Fußballverband (NFV) sowie der Landesregierung vorgegebene Hygienevorschriften zu beachten, die teilweise von den Funktionären nicht gänzlich nachzuvollziehen sind und womöglich kleinere Probleme nach sich ziehen. Das IK hat sich umgehört.

Was schon länger klar war: Es gilt das 30-Personen-Gebot. Da auch der Schiedsrichter in diese Anzahl – dafür aber eben nicht dessen Assistenten sowie Trainer und Funktionäre der Teams – mit reinfällt, heißt das auch mit Blick auf die Testspiele erst einmal, dass eine Mannschaft, inklusive Ersatzspielern, nur aus maximal 15 Akteuren bestehen darf. Gerade in der Vorbereitungszeit, in der üblicherweise viel einstudiert werden soll und jeder Akteur sich beweisen möchte, nicht gerade einfach. Auch die Kontaktaufnahmen der Spieler sowie der Zuschauer gehören zu den Geboten.

Bei Kadern von 20 oder gar mehr Spielern dürfte so manchen Trainern das Herz bluten, wenn sie in den Vorbereitungspartien nur deren 15 einsetzen dürfen und den Rest im übertragenen Sinne wieder nach Hause schicken müssen. Diesbezüglich nicht ganz so hart trifft es Bezirksliga-Aufsteiger VfL Germania Ummern, dessen Aufgebot generell eher beschaulich ist. „Für mich ist das kein großes Problem“, macht VfL-Trainer Jörg Drangmeister deutlich. Gedanken macht er sich eher über den Sinn der 30er-Grenze. „Warum man so sehr darauf pocht, ist mir ein Rätsel“, so Drangmeister. Seiner Ansicht nach sei es vor allem wichtig, die Grundmaßnahmen wie Abstand oder Vermeidung des Handschlags im Alltag einzuhalten. Teams mit größeren Kadern haben Drangmeisters Mitgefühl: „Wenn ich 25 Leute habe, verlieren die, die nicht spielen dürfen, natürlich die Lust.“ Beim Thema Kontaktdaten der Spieler weiß sich Ummerns Coach über diverse Apps zu behelfen. „Das ist unproblematisch“, so Drangmeister. Problematischer könnte es hingegen beim Erfassen der Personalien der Zuschauer werden. „Das liegt aber eher in der Verantwortung des Vorstandes“, so der Germanen-Dirigent.

Ähnlich schätzt Torben König, der beim Kreisligisten SV Groß Oesingen das Sagen hat, die Lage ein. „Ich finde es einfach nur wunderbar, dass es wieder losgeht“, verrät König. Und dafür zahlt er auch gern so ziemlich jeden Preis. Was die Spieleranzahl in den Testpartien angeht, hat König keine großen Bedenken: „Es kommt bei uns ohnehin nicht oft vor, dass wir mehr als vier Leute auf der Bank haben.“ Auch beim SVGO wird man sich „den Regeln fügen“ – ob sie nun auch immer Sinn ergeben oder nicht. Die Kontaktdaten seiner Akteure wird Groß Oesingens Coach vermutlich auf einem Papier erfassen und ausdrucken, mit Blick auf die Zuschauer stellt er fest: „Aus meiner Sicht ist das widersprüchlich. 22 Spieler dürfen auf das Feld und kommen sich dabei äußerst nahe, aber die Zuschauer dürfen auf dem weitläufigen Sportplatz nur in einer begrenzten Anzahl erscheinen.“ Doch für König ist vor allem wichtig, dass die Spielzeit nicht erneut abgebrochen werden muss, die Sicherheit der Spieler gewährleistet ist.

Leichtes Kopfschütteln gibt es mit Blick auf die neuen Regeln auch bei Axel Krüger. Der Trainer des FC Ohretal (1. Kreisklasse 1) macht sich allerdings eher darüber Gedanken, wie er seine Akteure stets bei Laune halten kann. „Ich weiß ehrlich gesagt selbst nicht, wie ich damit umgehe, dass ich nur maximal 15 Akteure in den Testspielen einsetzen darf“, betont Krüger. Zumal er sich der Tatsache bewusst ist, dass – selbst wenn bis zu 18 oder 19 Spieler anwesend sind – alle zum Einsatz kommen und sich zeigen wollen. Die, die nicht randürfen, sind dann womöglich (verständlicherweise) in ihrer Ehre gekränkt. „Deshalb ergibt diese Regelung für mich keinen wirklichen Sinn“, so der Ohretal-Dirigent, der aber bereits einen simplen Plan hat. In Sachsen-Anhalt, wo auch Krüger selbst wohnhaft ist, herrschen andere Vorschriften. „Ich hoffe, dass sich das hier bis August vielleicht alles noch etwas lockert. Und zur Not testen wir dann eben nur in Sachsen-Anhalt“, verrät der Beetzendorfer, der aber generell froh ist, dass wieder in normaler Form trainiert werden darf. „Für mich schon mal ein riesiger Fortschritt“, so Krüger. In Bezug auf die Aufnahme der Spieler- und Zuschauer-Kontaktdaten gab es bereits vereinsinterne Gespräche. Beim FCO denkt man darüber nach, Sitzbänke zu beschaffen. Dadurch wären statt 50 dann auch mehr Fans erlaubt.

Groß ist die Freude, dass es endlich wieder in die Vollen geht, auch in der 2. Kreisklasse 1. Dort aktiv ist Spielertrainer Waldemar Bier mit seinem SV Sprakensehl. „Die Jungs freuen sich einfach, dass es wieder losgeht. Ich habe schon zahlreiche Anrufe von anderen Teams erhalten, die heiß auf Vorbereitungsspiele sind“, erklärt Bier. Und auch die personellen Einschränkungen nimmt der spielende Coach gern in Kauf: „Mein Kader gibt es ohnehin nicht her, dass ich stets mehr als 15 Spieler einsetzen kann. Für uns ist es einfach wichtig, dass wir überhaupt wieder spielen können.“ Die Kontaktdaten der Akteure seien laut Bier leicht zu erfassen, in Bezug auf die Zuschauer erklärt er: „Da müssen wir gemeinsam mit dem Vorstand schauen, wie wir das auf mehrere Schultern verteilen können.“

Die Meinungen im Isenhagener Land variieren zwar stark, doch eine Ansicht ist überall identisch: Alle Spieler, Trainer, Funktionäre und auch Fans sind froh, dass das Leder auf den Plätzen ab September wieder in normaler Form rollt. VON FLORIAN SCHULZ

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