„Sie sind ganz traurig“

Als einer der wenigen Teams waren die Frauen vom SV Groß Oesingen (vorn Kim Janine Gefeller) und von der SG VfL Wittingen/Stöcken II (Wiebia Berlin) in der Liga schon im Einsatz.
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Als einer der wenigen Teams waren die Frauen vom SV Groß Oesingen (vorn Kim Janine Gefeller) und von der SG VfL Wittingen/Stöcken II (Wiebia Berlin) in der Liga schon im Einsatz.

Isenhagener Land – Frust und Enttäuschung bei den Handballern. Während in den meisten Sportarten wenigstens einige Spieltage oder Wettkämpfe stattfanden, wurden die meisten nach einer teils monatelangen Vorbereitung kurz vor dem 1. Spieltag durch den Lockdown ausgebremst.

Die Fußballer konnten immerhin mehrere Spieltage absolvieren, auch die Reiter oder Tischtennisspieler waren bereits wieder im Einsatz und konnten erste Eindrücke gewinnen, was die Vorbereitung gebracht hatte.

Die Leichtathleten absolvierten den ganzen Sommer über ihre Wettkämpfe. Und der Handball? Er guckt in die Röhre, nachdem in vielen Klassen die Saisonpremiere kurz vor Anpfiff abgeblasen wurde. Und das nach einer schweißtreibenden Vorbereitung, die teils schon im Mai (!) begann.

Das IK hat sich umgehört, wie die Stimmung innerhalb der Vereine ist und welche Folgen die erneute Zwangspause gerade für die leidgeprüften Handballer haben könnte.

SG VfL Wittingen/Stöcken

Verständnisvoll zeigen sich die Wittingen/Stöckener Handballer – ob groß oder klein. „Es sind alle einsichtig“, erklärt SG VfL-Jugendwart Sebastian Schulze. Er selbst spielt bei der 2. Herren des Klubs – eines der wenigen Teams, die bereits in die Liga gestartet sind. „Die Tendenz geht dahin, dass wir die Saison in einer Einfach-Spielrunde fortsetzen“, erzählt er. Wann das geschieht, ist offen. Schulze bezweifelt nämlich, dass schon im Dezember wieder trainiert wird.

Die SG VfL hatte eine lange Anlaufzeit bis zum Saisonstart 2020/21 hinter sich. Als klar war, dass wieder (outdoor) trainiert werden durfte, gingen die Brauereistädter im Mai raus ins Freie. Zuerst die Älteren, die Jüngeren zogen später nach. Schritt für Schritt kamen die Materialien dazu, irgendwann ging es zurück in die Halle. „Dann kam die Tendenz, dass es September, Oktober weitergeht. Wir haben auf Tag X hingearbeitet“, resümiert Schulze. Nachdem einzelne Jugendteams eine Relegation absolviert, die Herren Testspiele ausgetragen und die 1. und 2. Damen sowie die Herrenreserve erste Pflichtspiele absolviert hatte, kam der erneute Cut. Schulze: „Es sind alle einer Meinung: Wir verstehen das!“ In der Woche nach der Saison-Unterbrechung dann Funkstille bei der SG VfL. Ein mögliches Online-Training, wie noch vor einem halben Jahr? Nada! Immerhin Jan Schmidt, Trainer der Herren-Reserve, habe schon durchklingen lassen, dass er seinen Mannen einen Trainingsplan mitgibt, so Schulze. „Nach und nach“ werde die eine oder andere Mannschaft aber – den Umständen entsprechend – aktiv, ist sich Schulze sicher. „Vielleicht durch Challenges.“

„Von allen Seiten ein Super-Feedback“ gab es für das Hygiene-Konzept der SG VfL, das für alle Maßnahmen, seien sie noch so strikt, wirkt. „Wir haben mit den härtesten Maßnahmen gerechnet“, erzählt Schulze. Ein Team könne sich etwa in gleich vier Kabinen aufteilen zum Umziehen. Die Gelbe Halle gibt das her.

JSG Isenhagen/Oes.

Drei Jugendteams beschäftigt Volker Schneemelcher bei der JSG Isenhagen/Oesingen mit Trainer-Kollegin Katharina Franke. Nach dem erneuten Lockdown herrschte Tristesse im JSG-Lager. „Die Enttäuschung war ihnen ins Gesicht geschrieben“, erzählt Schneemelcher. Schon nach dem ersten Cut sei es „eine schwierige Aufgabe“ gewesen, die Kinder wieder zu motivieren. Nun kam der nächste Dämpfer für die JSG, die eine weibliche C-, D-, und E-Jugend hat. Der Fokus bei einer Wiederaufnahme des Trainings an Tag X wird speziell an der konditionellen Arbeit liegen, bestätigt Schneemelcher. Von einem Onlinetraining hält er nicht viel: „Einige machen das, einen kleinen Teil werde ich dafür nicht motivieren können.“ Zumal er sich ohnehin sicher sei, dass die Spielzeit gelaufen ist. „Der Fokus liegt auf der Saison 2021/22“, betont der Jugendcoach.

Dass sich eine seiner Spielerinnen vom Handballsport abwendet, bezweifelt Schneemelcher unterdessen. „Für die JSG sage ich da ganz klar nein. Als erfahrener Jugendtrainer mache ich fest, wie du mit den Eltern und Spielern kommunizierst. Wenn du sie ins Boot holst, bleiben sie auch dabei.“ Zumal Isenhagen/Oesingen ohnehin „intakte Teams“ hätte. Vielmehr blickt Schneemelcher in Richtung potentieller Neulinge. Die JSG wollte kürzlich ein Schnuppertraining anbieten, das fiel aber flach.

ZSV Brome

Fünf von sieben Teams des ZSV Brome sollten in dieser Saison an Pflichtspielen teilnehmen, alles sind Jugendmannschaften auf Regionsebene. Doch die Youngster wurden vorerst gestoppt. „Sie sind ganz traurig“, erzählt Doreen Fiedler, stellvertretende Vorsitzende des ZSV. Nach der Sommerpause sind die Mannschaften wieder ins Training eingestiegen, zwischendurch kamen die Herbstferien – und danach gab bis zum zweiten Corona-Cut nur noch eine Einheit pro Team. Fiedler: „Da habe ich schon mit Ausblick gesagt: Hoffentlich geht das noch ein, zwei Wochen...“ Von wegen! So bleiben die Youngster bis Ende des Jahres ohne Spiel. Nicht ganz abwegig, dass der eine oder andere Jungspund die Reißleine zieht und aufhört. „Ich hoffe nicht“, sagt Fiedler. Der ZSV habe aber auch im Frühjahr keine Verluste vermeldet, „es sind alle wiedergekommen. Daher hoffe ich, dass es nach dem Winter auch so bleibt.“ Zumal es – anders als während des ersten Lockdowns – nun ein Online-Trainingsprogramm bei Brome geben soll. Fiedler hatte es zuerst mit ihrer D-Jugend getestet, will es später bei den anderen Teams durchbringen. „Das soll das Gemeinschaftsgefühl stärken.“  

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