Verbands-Vorstoß sorgt für großes Kopfschütteln

SG VfL Wittingen/Stöcken: Arge Bedenken wegen des frühen HVN-Re-Start-Plans

Einen Mega-Frühstart am 9. Januar 2022 müsste nach dem Plan des Handball-Verbands Niedersachsen die männliche B-Jugend der SG VfL Wittingen/Stöcken (M. Luca Runge) hinlegen. Doch das sieht Trainer Frank Darges ganz und gar nicht...
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Einen Mega-Frühstart am 9. Januar 2022 müsste nach dem Plan des HVN die männliche B-Jugend der SG VfL Wittingen/Stöcken (M. Luca Runge) hinlegen. Doch das sieht Trainer Frank Darges ganz und gar nicht...
  • Ingo Barrenscheen
    VonIngo Barrenscheen
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Gelinde gesagt lässt es sich als Erstaunen deklarieren. Im Grunde ist es eher Empörung bis Entsetzen. Der unverhoffte Vorstoß des Handball-Verbands Niedersachsen (HVN), am 15./16. Januar 2022 (teils sogar noch früher) auf Teufel komm’ raus die Saison fortsetzen zu wollen trotz ständig neuer Corona-Rekorde und dem Damoklesschwert der Omikron-Variante, stößt an der Basis vielfach auf Kopfschütteln. Es türmen sich Fragen über Fragen auf. Auch bei der SG VfL Wittingen/Stöcken, die immerhin sieben Teams auf Landesebene am Start hat.

Fragen über Fragen

So weit geht die Liebe zum eigenen Sport dann doch nicht. Klar wollen sie alle nur spielen – aber nicht um jeden Preis. Die HVN-Nachricht hat den Verantwortlichen der SG VfL eine zweifelhafte vorweihnachtliche Bescherung eingebrockt. Was für Rahmenbedingungen werden Mitte Januar gelten – 2G oder weiterhin das aufwendige 2Gplus? Werden die Sporthallen der Stadt Wittingen, aktuell bis zum 3. Januar gesperrt, überhaupt wieder geöffnet? Oder ergibt sich so direkt ein K.o.-Kriterium? Finden sich überhaupt genügend bereitwillige Schiedsrichter und Offizielle? Streiken womöglich die Trainer oder Spieler angesichts des Infektions-Risikos? Und und und... Der Rattenschwanz ist riesig!

Thema am Dienstag beim SG VfL-Vorstand auf Tisch

Wittingen/Stöckens Führungsriege wird sich am Dienstag in kleiner Runde beratschlagen über das Hauruck-Verfahren des HVN, erklärte der Abteilungsleiter Kai Schüttenberg. Das Ergebnis dieser Erst-Reaktion wird dann am Mittwoch an die betroffenen Trainer weitergeschickt – um sich auch von dort ein Meinungsbild abzuholen. Das Feedback werde der Klub vermutlich „zwischen Weihnachten und Neujahr eingesammelt haben – dann werden wir das weitere Vorgehen abstimmen“, so Schüttenberg.

Überall liest man nur Corona. Aber wichtig ist, dass wir spielen... Tut mir leid, da habe ich nicht so das Verständnis für.“

Andreas Witzke, Coach der Handball-Damen von der SG VfL Wittingen/Stöcken

Zeitplan „utopisch“

Logisch: In der Whatsapp-Gruppe der SG VfL-Übungsleiter rumort es seit dem Wochenende bereits ordentlich. Das verriet Andreas Witzke, Coach der Landesliga-Damen. „Da freut sich keiner drüber, dass das so vom HVN in den Raum geschmissen wurde.“ Er hält es nicht für ausgeschlossen, den Re-Start durch einvernehmliche Spielverlegungen mit dem jeweiligen Gegner hinauszuzögern. „Wir sitzen letztlich am längeren Hebel, uns kann keiner zwingen zu spielen. Die Gesundheit geht vor.“ Witzke kann die HVN-Pläne in Anbetracht der pausenlosen Diskussionen rund um das Pandemie-Geschehen in Deutschland nullkommanull nachvollziehen. „Überall liest man nur Corona. Aber wichtig ist, dass wir spielen... Tut mir leid, da habe ich nicht so das Verständnis für.“

Hat arge Zweifel am überstürzten Re-Start-Plan des Handball-Verbandes Niedersachsen: Andreas Witzke, Coach der Landesliga-Damen von der SG VfL Wittingen/Stöcken.

Zumal die Wiederaufnahme einem Kaltstart gleichkäme. Die hiesigen Damen haben deshalb vor den Feiertagen auch nicht ad hoc das Programm wieder hochgefahren. „Ich sehe keinen Sinn darin, großartig in Aktionismus zu verfallen“, erwidert Witzke. „Aktuell „stochert man im Nichts. Ich kann nicht greifen, dass in vier Wochen der Spielbetrieb wieder losgeht. Ziemlich utopisch“.

MB-Coach Darges findet es „unverantwortlich“

Was soll da erst Frank Darges sagen!? Seine männliche B-Jugend müsste sogar schon am 9. Januar 2022 auswärts beim TSV Daverden antreten. Praktisch ohne Training. Der Jugendcoach ist fassungslos. Der Zeitplan sei „total unverantwortlich“. Eines nahm Darges vorweg: Er selbst werde „diese Verantwortung nicht übernehmen. Wir stehen auf gut deutsch gesagt vor dem nächsten Lockdown. Ich glaube, der HVN hat nicht darüber nachgedacht, wie es bald werden kann.“ Der Dirigent der MB geht, Stand jetzt, auch nicht davon aus, dass seine Riege am 9. Januar antreten wird. Vielmehr würde er die Punkte eher abschenken, statt sich womöglich anzustecken. Was im Grunde schon alles aussagt...

HRSON hält am alten Fahrplan fest – und zeigt sich „verwundert über den HVN“...

Ende November war die Handball-Region Süd-Ost Niedersachsen (HRSON) vorgeprescht und hatte den Spielbetrieb ausgesetzt – was dem Dach-Verband HVN nicht unbedingt gefiel. Dieses Mal verhält es sich genau verkehrt herum. Der proklamierte Re-Start Anfang/Mitte Januar 2022 wiederum ist ein Alleingang auf Niedersachsen-Ebene.

„Es ist schade, dass keine Meinungsabfrage an der Basis stattgefunden hat“, moniert Oliver Ede, stellvertretender Vorsitzender Spieltechnik bei der HRSON. Und er nimmt auch kein Blatt vor den Mund, indem er zu der Entscheidung sagt: „Ich bin über den HVN sehr verwundert.“

Die hiesige Region werde deshalb aber nicht etwa umkippen und erhält ihr bisheriges Vorgehen aufrecht, verdeutlicht Ede. „Wir sind ein verlässlicher Partner und halten an unserem Fahrplan fest.“ Dieser sieht vor, dass die Saison auf Regionsebene bis zum 31. Januar komplett ruht. Mitte kommenden Monats soll die Corona-Lage neu beurteilt werden, je nach Pandemie-Entwicklung könnte dann eine Verlängerung der Zwangspause beschlossen werden. Dabei soll es auch wieder einen Austausch mit den Vereinen geben. „Einige sind verängstigt, einige sauer. Wir müssen gucken, was die breite Masse sagt.“

Na klar sei es für den Handball-Sport nicht gut, „wenn alles still steht“, weiß auch Ede. Schon jetzt würde bei den Kindern eine große Lücken klaffen, die die Verantwortlichen „die nächsten zehn Jahre beschäftigen wird“. Doch die HRSON könne jetzt nicht plötzlich eine Rolle rückwärts machen. Zumal einige Vereine die Sporthallen extra anmieten müssten – und ihre Hallenzeiten dementsprechend bis Ende Januar erst einmal gestrichen haben.

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