CSI Allersehl: Erstmals gewinnt eine Frau den Großen Preis von Niedersachsen / Ex-Europameisterin setzt aufs richtige Pferd

„Sekt oder Selters“: Bitter wählt süße Variante

Was für ein Husarenritt! Eva Bitter ging am gestrigen Sonntag, getragen von ihrem pfeilschnellen Pferd Perigueux, in die Allersehler Geschichtsbücher ein...

Allersehl. Das war bitter für die Herren der Schöpfung: Der Große Preis von Niedersachsen avancierte am gestrigen Sonntagnachmittag zur Premiere in der Premiere beim Pferdesportfestival Niedersachsen 2014.

Das erstmals als CSI konzipierte Sport-Spektakel erlebte auch die erste weibliche Siegerin in der Königsdisziplin. Eva Bitter setzte im Stechen zu einem wahren Husarenritt an und verwandelte so eine Pferdestärke in ein Vielfaches an Antriebskraft. Die sechsfache Deutsche Meisterin fahrt ab sofort VW Polo.

Den Hauptpreis in der Hauptprüfung hatte Bitter auch ihrer (weiblichen) Intuition zu verdanken. „Es war vorher nicht klar, mit welchem Pferd ich an den Start gehen werde“, erklärte die 40-Jährige. Sie wählte Perigueux. „Die richtige Entscheidung“, strahlte die Gewinnerin. Denn der Hengst aus niedersächsischer Züchtung sei schlichtweg das schnellste Pferd im 50er-Starterfeld des Großen Preises von Niedersachsen gewesen, meinte Bitter und schmunzelte „Ich hätte nicht gedacht, dass ich nochmal schneller reite als Toni Haßmann...“

Tat sie aber. Exakt 96 Hundertstel, um genau zu sein. Nur fünf Teilnehmer, sprich zehn Prozent, hatten den Parcours ohne Fehlerpunkt gemeistert. Die Zeit im ersten Umlauf (77 Sekunden) war doch arg limitiert. So verpassten einige Topleute nur aufgrund der gnadenlosen Uhr haarscharf das Stechen. Oder weil sie ausgerechnet am letzten Sprung rissen wie Charlotte von Rönne oder Championats-Sieger Henry Vaske.

Full House also im Alles-oder-nichts-Finale. Die erste Richtmarke setzte Janne Friederike Meyer. Die Welt- und Europameisterin mit der Mannschaft düste in 39,04 Sekunden durch die Allersehl-Arena. Noch einen Zacken schneller unterwegs war Toni Haßmann. Der zweifache Derby-Sieger benötigte nur 37,11 Sekunden. Nicht zu toppen? Oh doch! Bitter fasste sich ein Herz, wollte keine halben Sachen machen. Mit dem Motto „Sekt oder Selters“ sei sie an den Showdown herangegangen. Die passionierte Segelfliegerin wählte die süße Variante. Was für eine wilde Jagd. An einem Hindernis fast ein Fehler. „Da war ich nah am Ständer. Aber man muss so viel Risiko gehen.“ Die Uhr stoppt bei 36,15 Sekunden. Der blanke Wahnsinn!

Logisch: Bitter strahlte. Aber nicht nur aufgrund ihres eigenen Erfolgsmoments. „Ich freue mich auch wirklich für den Veranstalter, dass es dieses Mal so wunderbar mit dem Wetter geklappt hat.“ Die Allersehl-erprobte Amazone hatte die Kapriolen in den Vorjahren selbst miterlebt. Dieses Mal gab es nur hier und da einen Schauer. So soll es sein, meinte Bitter. „Die Bedingungen bei diesem Turnier sind super. Man merkt, dass die Mannschaft mit Herzblut dabei ist.“ Dass sie übrigens als erste Frau den Großen Preis absahnte, quittierte sie ebenfalls mit einem Lächeln: „Dann gehe ich sozusagen in die Geschichtsbücher ein...“ Als Premieren-Primus dank des pfeilschnellen Perigueux.

Von Ingo Barrenscheen

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