Judo – Grand Slam in Paris: Lessienerin trotz Aus in Runde zwei zufrieden

Oh là là! Scoccimarro piesackt Nr. 1 der Welt vor Top-Kulisse

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Keine Scheu vor großen Namen: Giovanna Scoccimarro (r.) zwang die Weltranglisten-Erste Chizuru Arai aus Japan in ihrem zweiten Kampf über die volle Kampfzeit und war mit ihrer Paris-Premiere zufrieden.

Paris/Lessien. Was für eine Cool-isse! Was für eine Atmosphäre! Giovanna Scoccimarro geriet am Sonntag förmlich ins Schwärmen. „Das Drumherum ist bombastisch! Wenn ein Franzose kämpft, geht die ganze Halle ab – echt krass.“

Von dieser Warte her lohnte sich die Paris-Premiere für das Judo-Juwel aus Lessien allemal. Und auch mit ihrem sportlichen Abschneiden beim Grand Slam konnte die Olympia-Hoffnung für 2020 durchaus d‘accord sein, um in der Landessprache des Gastgebers zu bleiben. Zwar war in Runde zwei der 70-Kilo-Klasse Schluss – „aber nicht gegen irgendwen“, betonte die 20-Jährige. Sie musste sich niemand Geringerem als der aktuellen Nummer eins der Welt beugen.

Durchaus beeindruckt von der Mega-Halle musste Scoccimarro zu Beginn nicht nur gegen die Kanadierin Alix Renaud-Roy, sondern gegen auch ihr Lampenfieber kämpfen. „Ich bin im ersten Kampf immer ein bisschen nervös.“ Musste sie nicht sein. Gut eine Minute vor Kampfende setzte das Top-Talent vom MTV Vorsfelde zu einem O-soto-gari an und bekam dafür den Ippon.

Die Auslosung im Pool A wollte es so: Im Anschluss wartete mit der Japanerin Chizuru Arai die Nummer eins der Weltrangliste und amtierende Weltmeisterin auf Scoccimarro. Die Herkulesaufgabe schlechthin also! Doch die Lessienerin agierte auf der Matte keineswegs eingeschüchtert, sondern hielt das Duell weitestgehend offen und zwang Arai über die volle Distanz. 40 Sekunden vor Ablauf der Uhr landete die große Favoritin dann doch einen Wazari. Scoccimarro ärgerte sich fast ein wenig über das Aus: „Ich fand, sie hat gar nicht so viel angegriffen.“ Die ausschlaggebende Aktion antizipierte sie dennoch Millisekunden im Voraus: „Ich wusste: Nein, jetzt fliegst du...“

Traurig war die Nr. 25 der Weltrangliste dennoch nicht über den frühzeitigen Feierabend. Sie hätte der Japanerin, die später das Finale gegen die Olympia-Dritte von Rio – Sally Conway aus Großbritannien – verlor, gut die Stirn geboten. „Ich hatte nichts zu verlieren. Und allzu viel fehlte gar nicht.“ Vielleicht mit die wichtigste Erkenntnis für die Newcomerin: Die Weltspitze ist nicht allzu weit entfernt.

Bis zum Donnerstag kann Scoccimarro beim deutschen Trainingslager in Paris noch weiter an ihrer Form feilen und sich weitere Kniffe für den nächsten Grand Slam Ende Februar in Düsseldorf aneignen. Dann werden die deutschen Judoka vom Publikum nach vorne gepeitscht.

Von Ingo Barrenscheen

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