Reiten – Pferdesportfestival Niedersachsen: Verfassungsprüfung nimmt Starter unter die Lupe

Schritt, Trab, Pass: Der Pferde-TÜV

Alles in Ordnung? Bei der Verfassungsprüfung wurden alle Starter der internationalen Prüfungen in Augenschein genommen. Foto: mj

mj Allersehl. Keine Nummer? Wie sind denn die Namen von Pferd und Reiter? Ein kurzer Blick in die Unterlagen und schon steht fest, dass es sich um Pferd Nummer 1944 handelt. Der wichtige Teil beginnt allerdings erst nach der Registrierung.

Während die Reitanlage von Tanja und Holger Bock in Allersehl gerade erst erwacht, herrscht weit abseits von den Springplätzen bei den Stallzelten schon Hochbetrieb.

Alle Pferde, die während des Pferdesportfestivals Niedersachsen in den internationalen Prüfungen starten sollen, müssen sich der Verfassungsprüfung unterziehen. Seit 9 Uhr reihen sich die Vierbeiner hintereinander ein, wie die Autos im Sommer an der Waschanlage. Rund 350 Pferde müssten überprüft werden, meint Monika Bockholt-Homann aus Hamburg. Seit über 20 Jahren arbeitet die Frau mit den leuchtend roten Haaren für die FEI (Fédération Équestre Internationale) – den internationalen Dachverband für Pferdesport.

Das Verfahren an diesem Donnerstagmorgen ist immer gleich. Das Pferd stellt sich geführt von Reiter oder Helfer neben den Prüfertisch, die Nummer wird genannt oder ermittelt und dann muss das Pferd gut 20 Meter zwischen zwei Pilonen hin- und zurücklaufen. Erst Schritt, dann Trab. „Wir kontrollieren, dass das Pferd nicht lahm geht“, erläutert Bockholt-Homann die sich immer wiederholende Prozedur.

Genauso wichtig, wie das Abschreiten der Strecke, ist aber der FEI-Pass des Pferdes. „So etwas wie der Reisepass beim Menschen“, erläutert die deutsche Veterinärin. Neben dem Namen des Pferdes sind dort auch die Abstammung, Farbe, Nationalität und die Abzeichen des tierischen Teilnehmers notiert. Zudem dient der FEI-Pass als Nachweis für die Impfungen. Die Kontrolleure schauen vor allem nach dem Influenza-Schutz. Weil sich die Grippe unter den Pferde doch schnell übertragen würde und zu chronischen Belastungen der Atemwege führen könne, erklärt Bockholt-Homann, die mit ihren Kollegen die meisten Pferde anstandslos durchwinkt.

Doch dann passiert es. Mit einem Pferd sind die Kontrolleure nicht zufrieden. „Können Sie noch einmal laufen“, fordert Bockholt-Homann die Helferin auf. Ein zweites, ein drittes Mal läuft das Pferd die Strecke, dann ist klar, irgendetwas stimmt nicht. Das Aus für das Pferdesportfestival? „Nein“, meint sie. Alle auffälligen Pferde würden anschließend in die Holding-Box geführt. „Manchmal sind die Tiere nach dem Transport – wie Menschen nach einer längeren Autofahrt – noch etwas steif. Wir untersuchen die Tiere nach einer Stunde noch einmal. Erst dann fällt die Entscheidung“, sagt Bockholt-Homann.

Diese Probleme hat Lars Nieberg nicht. Der gebürtige Knesebecker stellt seine Tiere selbst vor. „Alles in Ordnung bei euch beiden“, scherzen die Kontrolleure. „Echt. Auch bei mir. Das gab es ja lange nicht mehr“, grinst der Welt-, Europameister und Olympiasieger. Eine Hürde zu weiteren Erfolgen in Allersehl hat Nieberg wie viele andere Reiter nun genommen.

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