Fußball – Bezirksliga: Nach frühem Karriereende nun Wahrenholzer Co-Trainer

Jan Schöbel: Der Aus-Weg

Die Diagnose – ein Schock. Herzblut-Fußballer Jan Schöbel muss mit nur 26 Jahren seine Passion aufgeben...
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Die Diagnose – ein Schock. Herzblut-Fußballer Jan Schöbel muss mit nur 26 Jahren seine Passion aufgeben...

Wahrenholz – Es war der Tag vor dem Testspiel in Eschede, als für Jan Schöbel eine kleine Welt zusammenbrach. An jenem 18. Juli saß der Mittelfeldspieler des Fußball-Bezirksligisten VfL Wahrenholz bei Spezialisten am Olympia-Stützpunkt Hannover.

...wird aber von seiner Mannschaft aufgefangen und ist ab sofort Wahrenholzer Co-Trainer.

Und da war sie plötzlich, die schockierende, die ultimative Diagnose. Die griechische Sage von der berühmten Achillesferse wurde für ihn bittere Realität. Die Ärzte hätten ihm „extrem davon abgeraten“, noch weiter gegen das runde Leder zu treten. Das Karriereende mit gerade einmal 26 Jahren, in der Blüte des Fußball-Lebens. Ohne Frage eine niederschmetternde Nachricht für jeden (Amateur-)Kicker. Jan Schöbel allerdings wurde in diesem Moment das Herz herausgerissen. Ausgerechnet er, der diesen Volkssport so sehr liebt und lebt wie kaum ein Zweiter. „Es ist schwer, mich mit anderen zu vergleichen, weil man nur in sich selbst reinhören kann. Aber ich nehme das ein bisschen wichtiger, investierte noch mehr Zeit als 90 Prozent der Mitspieler, die ich kennengelernt habe. Für mich ist Fußball eine Riesen-Herzensangelegenheit“, verdeutlicht Schöbel. Nicht umsonst sprach sein Trainer Thorsten Thielemann von einem „Keulenschlag“. Ihn informierte die bisherige Nummer 22 der Schwarz-Gelben als erstes. Und einziges.

Völlig verständlich: Vollblut-Fußballer Schöbel verkroch sich fürs Erste in sein Schneckenhaus. Niemanden sehen, niemanden hören. „Ich wollte erst einmal in Ruhe gelassen werden.“ Als Thielemann in Eschede die Bombe platzen ließ, sei „Totenstille in der Kabine“ gewesen. „Sie alle wissen, wie ich das gelebt habe, konnten das einschätzen“, meint Schöbel. Und fügt grinsend hinzu: „Ich habe am Taterbusch den Ruf als total Bekloppter und Über-Ehrgeiziger...“ Die Riesen-Affinität zur schönsten Nebensache der Welt: Sie ist ihm praktisch in die Wiege gelegt worden. „Ich würde uns zu den Fußball-beklopptesten Familien zählen. Das liegt in den Genen.“

Genauso wie die Verletzungs-Anfälligkeit offenbar. Denn Schöbels Krankenakte ist lang, das Aus kam nicht ganz unvorbereitet. Eigentlich wäre er in seine vierte Saison mit Wahrenholz gegangen, verspürte „Bock, richtig anzugreifen“. Hatte JS22 doch eine knapp anderthalbjährige Leidenszeit hinter sich. Ende 2017 war seine linke Achillessehne komplett gerissen. Verbunden mit Folge-Komplikationen und mehreren Operationen. In der vergangenen Rückrunde tastete sich Schöbel langsam wieder heran, bestritt eine handvoll Bezirksliga-Spiele. Ehe er sich gegen Isenbüttel die rechte Achillessehne anriss... Dort sei die Sehnenstruktur derart vernarbt und zudem das Syndesmoseband beschädigt, dass bei den Ärzten die Alarmglocken klingelten. „Selbst bei Profis, die damit Geld verdienen, hätten sie dazu geraten aufzuhören. Es wäre nur eine Frage der Zeit, bis wieder etwas passiert.“

Mittlerweile ist Schöbel über den toten Punkt hinweg. „Es ist jetzt halt so, wie es ist. Es muss weitergehen.“ Mit dem Stop-Schild hat er sich im Grunde abgefunden. Und hat auch schon wieder die Nase aus dem Schneckenhaus gehalten bei Partien seines VfL. Dieser liegt nach drei Spieltagen an der Spitze. Das macht das Zuschauen noch schwerer, gibt der Radenbecker zu. „Das packt einen emotional. Ich freue mich extrem, dass es so gut läuft. Aber es juckt auch extrem im Fuß... Ich bin schon ein bisschen traurig, dass ich nicht mitwirken kann.“

Kann er doch. Eben nur anders. Denn Wahrenholz hat seinen fußballvernarrten Pechvogel direkt aufgefangen. Seit dem Gastspiel bei Lupo Martini Wolfsburg II fungiert Schöbel offiziell als Co-Trainer. Sein neuer Weg nach dem Aus. „Thorsten (Thielemann, Anm. der Redaktion) hat mir gesagt, dass er mich langsam ranführen und vor allem einen Gesprächspartner haben will, der seiner Meinung nach Fußball-Sachverstand mitbringt.“ Ein Vorschlag, der übrigens auch von der Mannschaft kam. Wertschätzung, die Schöbel zurückzahlen möchte. „Ich hoffe, das ist eine Win-Win-Situation.“ Wenn sich der 26-Jährige so reinkniet wie auf dem Platz, dann ganz bestimmt.

VON INGO BARRENSCHEEN

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