Laufen – Andreas Ritter und Marco Boncini aus Wittingen meistern Braveheartbattle

Schmerz vergeht, Stolz bleibt

Vorher: Andreas Ritter (l.) und Marco Boncini sind zuversichtlich vor ihrer ersten Teilnahme an der Braveheartbattle.

Münnerstadt/Wittingen. Bad Kissingen – berühmter Kurort in Bayern. Ein Flecken der Ruhe und Erholung.

Von wegen! Marco Boncini und Andreas Ritter aus Wittingen besuchten die 20 000-Einwohner-Stadt am Wochenende nicht, um auf Wellnessliegen die Akkus wieder aufzuladen, sondern um sich im Gelände richtig auszupowern. Eine Schlammpackung der ganz besonderen Art!.

Klitschnass, matschverschmiert, frierend und sehr, sehr glücklich erreichten die beiden Läufer aus dem Nordkreis am Sonnabend nach 24 Kilometern das Ziel der Braveheartbattle im bayrischen Münnerstadt – rund zehn Kilometer von Bad Kissingen entfernt.

„Das war schon echt anstrengend. Aber bis auf einen heftigen Muskelkater, der uns einige Tage plagte, haben wir alles gut überstanden“, sagte Boncini, der bei diesem Extrem-Geländelauf nach 3 Stunden, 16 Minuten und einer Sekunde als 354. das Ziel erreichte. Etwas schneller brachte Ritter die Strecke hinter sich, wurde 294. (3:09:19 Stunden) von über 2 300 Teilnehmern.

Zunächst sei man einfach nur froh, das Ziel erreicht zu haben, sagt Boncini. Das sei wahrlich nicht selbstverständlich. „Man musste schon an seine Grenzen gehen. Einige Mitläufer sind auch auf der Strecke geblieben. Wir haben mehrfach die Sirene des Rettungswagens gehört“, erzählt Boncini, der kurz nach dem Finish von einem Mitläufer aufgemuntert wurde. „Der Schmerz vergeht, aber der Stolz bleibt“, lautet ein Sinnspruch dieser Lauf-Tortur.

Wirkliche Pein erlebten auf der Strecke oder unmittelbar nach dem Lauf weder Ritter noch Boncini. „Ich habe ungefähr nach der Hälfte der Distanz meine Beine nicht mehr gespürt“, verrät Boncini, der sich zusammen mit Ritter aber willensstark über die verbleibenden zwölf Kilometer kämpfte.

Denn bereits bei den ersten Stationen hatte der Veranstalter jedem Läufer klar gemacht: Das wird kein Zuckerschlecken. „Wir waren schon sehr früh nass und dreckig“, so Boncini.

Nach einigen harmlosen Hindernissen führte ein 45 Grad steiler Abhang die Läufer zum ersten Wasser-Hindernis. „Wir standen ungefähr bis Mitte des Körpers im vielleicht drei Grad kalten Wasser“, so Boncini, der die zahlreichen Wassergräben aber nicht als schlimmste Hindernisse empfand.

Neben einigen Passagen, die die Teilnehmer nur kriechend („mit dem Gesicht fast im Matsch“) bewältigen konnten, trieben rund zwei Meter tiefe Löcher die Kämpfer zum Äußersten. „Wir mussten in diese Löcher, die sehr nass und glitschig waren, hineinspringen und dann wieder herausklettern. Und das bei vier Löchern in Serie“, berichtet Boncini. „Es wäre auch alleine gegangen. Aber wir haben uns in Dreiergruppen geholfen. Einer hat oben am Loch gezogen und einer unten Steighilfe gegeben.“

Nur kurzzeitig beschwerlich erwies sich ein frischgepflügter Acker. „Danach waren die Schuhe doppelt so breit. Der Boden, der sich unter den Schuhen sammelte, war schon ein Zusatzgewicht. Zum Glück konnten wir den Matsch im nächsten Wasserhindernis abwaschen“, so Boncini, der sich wie die anderen Teilnehmer über eine heiße Dusche im Zielbereich freute.

Ein Lob gab es nicht nur deswegen für die Organisatoren. „Wir müssen uns beim Veranstalter für seinen Mega-Aufwand bedanken. Der Parcours war mit den vielen Hindernissen sehr komplex und weit verstreut. Trotzdem: Eine sehr gute Streckenführung. Alle Wege wurden mit schwarz-gelbem Band markiert. Da konnte sich niemand verlaufen“, sagt Boncini, der zusammen mit Ritter auch im nächsten Jahr teilnehmen wird.

„Wir haben uns wieder angemeldet. Nach diesem Erlebnis ist so etwas wie eine Sucht entstanden“, berichtet Boncini, der nun wie Ritter ein paar Tage Trainingspause macht. Die Erholungsphase ist aber nur kurz. Schließlich wollen die beiden Extremläufer am Harzgebirgslauf teilnehmen. Mitte Oktober gilt es auf der Strecke in Werningerode, auch einige hundert Höhenmeter zu bewältigen.

Von Matthias Jansen

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