Handball – Landesliga LG Herren: Fahrige Wittingen/Stöckener kassieren Pleite

Der Schlussakt als Spitze des Eisbergs

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Er verschloss lieber die Augen vor dem Dilemma: Janosch Kochale und seine Mitspieler erwischten gegen Hollenstedt einen gebrauchten Abend.

Wittingen – Na logo stürzten sich alle in der Halle auf die vermaledeiten letzten Augenblicke, die die SG VfL Wittingen/Stöcken Kopf und Kragen kosteten. Doch letztlich bildeten die kniffligen wie vielfach diskutierten Schlusssekunden am Sonnabend nur die Spitze des Eisbergs.

Denn um alle Fehler beim absolut überflüssigen 27:28 (14:16) gegen den TuS Jahn Hollenstedt in der Handball-Landesliga Lüneburg aufzulisten, müsste man diese Zeitungs-Seite wohl ausklappen.

Während also die Fans aufgeregt über die besagten finalen Szenen diskutierten, bei denen Christian Breustedt sieben Sekunden vor Ultimo die Freiwurf-Ausführung für den Gegner verhinderte und die Schiedsrichter dafür – gemäß neuem Regelwerk – die Rote Karte und einen Sieben-Meter für Hollenstedt verhängten (den Lukas Versemann dann auch zum Siegtreffer verwandelte), wollte SG VfL-Trainer Christian Gades die Pleite nicht auf diesen kleinsten Nenner reduziert wissen. „Sich daran aufzuhängen, würde nicht das Bild des Spiels wiedergeben. Dass wir in den 59 Minuten davor Torchancen ohne Ende haben liegen lassen, darüber regt sich dann keiner mehr auf. Das war unser viel größeres Manko, das müssen wir uns vorwerfen.“

Wobei Gades den Schlussakkord bei seinem Fazit aber auch nicht komplett außer Acht ließ. Bei diesem sei nicht nur von Wittingen/Stöckener Seite etwas schief gelaufen, monierte er. „A: hätten wir unseren letzten Angriff besser und B: auch besser ausspielen können. Aber Torben Banse hat mir gesagt, dass der Abwehrspieler klar im Raum verteidigt hätte – das wäre dann ein Sieben-Meter für uns gewesen. Eine klare Fehlentscheidung.“ Stattdessen entschied das Gespann auf Stürmerfoul und das Dilemma nahm seinen kurzweiligen Lauf. Übrigens wehrte sich Gades auch gegen die Kritik, dass er mit dem siebten Feldspieler zu viel Risiko gegangen sei in diesem Spitz-auf-Knopf-Moment. Die Statistik spreche dafür. Und eigentlich wüsste sein Team auch, wie es sich zu verhalten hätte. „Ich wollte unbedingt gewinnen und mich nicht mit dem Unentschieden zufrieden geben.“

Eine große Gemengelage respektive eine „Summe von vielen kleinen Fehlern“, die unterm Strich zum Scheitern führte ergo. Über eines ließ sich nicht diskutieren: Wittingen/Stöcken hatte jeweils nur die ersten zehn Minuten beider Halbzeiten ordentlich bestritten, sich dann aber schlichtweg zu viele Blackouts geleistet. Offensiv sowieso, zwischenzeitlich im ersten Durchgang aber auch defensiv, weil die Abstimmung im Mittelblock gegen die körperlich überlegenen Hollenstedter nicht funktionierte. Gades: „Der Rückstand zur Pause hätte überhaupt nicht sein müssen.“ Die Hausherren schienen sich zu berappeln (22:20/39.), verfielen dann aber wieder in teils unerklärliche Flüchtigskeitsfehler und Abschlussprobleme. Wäre A-Jugend-Keeper Simon Kamke nicht zur Höchstform aufgelaufen – die SG VfL hätte die Niederlage schon früher quittieren müssen. Doch seine Glanzparaden waren für die Katz, weil seine Vorderleute reihenweise von der Rolle waren. Ein durch und durch verkorkster Abend in Wittingen...

VON INGO BARRENSCHEEN

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