Fußball – Europa League: Wölfe hadern nach Gent-Remis mit sich selbst / Vorentscheidung verpasst

Schiedsrichter, Schlendrian, Schneckenrennen...

Enttäuschung bei Lukas Nmecha und Co.
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Enttäuschung bei Lukas Nmecha und Co.

Gent – Natürlich hätten sie es sich einfach machen können bei der Suche nach einem Schuldigen. Der russische Schiedsrichter Sergej Ivano. v hatte einen Platzverweis nicht gegeben, sehr wohl aber das umstrittene Tor zum 2:2 in der Nachspielzeit.

Doch die Fußballer des VfL Wolfsburg wussten nach dem unter dem Strich enttäuschenden Remis am Donnerstagabend bei KAA Gent auch, dass sie sich an die eigene Nase fassen mussten.

Kritisch bewertete Wout Weghorst das Wolfsburger Gastspiel in Belgien. Selbst die vermeintlich starke erste Halbzeit hatte der Holland-Knipser anders wahrgenommen: „Ich fand die erste Hälfte auch nicht gut, wenn ich ehrlich bin. Das waren zwei super Tore, aber wir waren viel zu unsauber am Ball.“ Trainer Oliver Glasner beschränkte seine Kritik auf die Phase ab Minute 35. „Dann hat sich so ein bisschen ein Schlendrian eingeschlichen. Mit dem Anschlusstreffer vor der Pause hat Gent den Glauben zurückgewonnen.“ Sein Fazit daher: „Wir nehmen den Punkt mit, aber trauern dem Sieg nach.“ So sah es ein Stück weit auch VfL-Kapitän Josuha Guilavogui: „Man hat ein schlechtes Gefühl, wenn man auswärts 2:0 führt – dann musst du die drei Punkte holen.“

Dabei wollte er sich nicht allzu sehr mit der fragwürdigen Szene beim 2:2, dem hohen Bein von Gents Roman Yaremchuk, aufhalten. „Vielleicht war es gefährliches Spiel, am Ende sind wir aber selbst schuld. Wir müssen das 3:0 machen, dann gewinnen wir hier. Es ist ein Lernprozess.“ Auch Glasner, der das vermeintliche Foulspiel nicht gesehen hatte, bekräftigte: „Wir suchen die Schuld nicht beim Schiedsrichter. Wir haben Gent die zweite Möglichkeit zur Flanke gegeben.“

Deshalb herrscht nun in der Europa League-Gruppe I ein Schneckenrennen um die relevanten zwei ersten Plätze. „Wir haben eine unveränderte Tabellenkonstellation, alle Teams haben einen Punkt mehr“, meinte Glasner auch mit Blick auf das parallele 1:1 von Saint-Etienne und Oleksandrija und ergänzte: „Wir waren knapp dran, das Spiel zu gewinnen. Das wäre sicherlich eine Vorentscheidung gewesen.“ Auch Weghorst erklärte: „Wenn du das Spiel gewinnst, bist du auf einem sehr guten Weg. Jetzt ist alles offen.“

Dabei waren die Wölfe so nah an der Beendigung des Genter Heimnimbus (elf Siege in Serie zuhause). Doch der Ausgleich hätte sich in den letzten 15, 20 Minuten schon abgezeichnet, gab Glasner unumwunden zu.

So bleibt nur die Freude über die mitgereisten Fans. „Das war überragend, das Beste von heute Abend“, so Weghorst. Guilavogui bedauerte: „Leider konnten wir sie nicht mit drei Punkten beschenken...“

VON INGO BARRENSCHEEN

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