Fußball – VGH-Fairness-Cup, Endstand Saison 2017/18: Oesingen im Nordkreis top, Wittingen ein Flop

Von Saubermännern und bösen Buben

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Die bösen Buben in der härtesten Liga Niedersachsens: Der FC Schunter (l., hier gegen Wahrenholz) wurde Letzter.

Gifhorn. Unser Immer-Noch-Bundestrainer Joachim Löw prägte das geflügelte Wort „Högschde Disziplin“. Und ausgerechnet der ranghögschde Verein im NFV-Kreis Gifhorn – der Fußball-Oberligist MTV Gifhorn – hielt sich in der abgelaufenen Saison 2017/18 an Jogis Leitlinie.

Die Schwarz-Gelben avancierten in der Endabrechnung des traditionellen VGH-Fairness-Cups zu Modell-Athleten auf dem grünen Rasen. Eher untypisch für so einen hochspielenden Club.

Mit Platz 74 von 982 in die Wertung eingeflossenen niedersächsischen Mannschaften von der 1. Bundesliga bis runter zur Kreisliga nimmt der MTV eine mehr als respektable Position ein. Und das, obwohl die Mannen von Ex-Coach Uwe Erkenbrecher von Anfang bis Ende im Abstiegskampf feststeckten. Ein Parade-Beispiel also, dass man sich nicht nur mit unlauteren Mitteln aus solch brenzligen Situationen befreien kann.

Noch einmal kurz zum Prozedere: Im VGH-Fairness-Cup werden Gelbe Karten mit je einem, Gelb-Rote Karten mit je drei und Rote Karten mit je fünf Strafpunkten geahndet, zusätzlich schlagen Sportgerichtsurteile oder auch das Nichtantreten von Mannschaften mit zehn Zählern zu Buche. Die Summe der Strafpunkte geteilt durch die Anzahl der Saisonspiele ergibt schließlich den Fairness-Quotienten. Den Sieg im Kicker-Knigge trug der Diepholzer Kreisliga-Absteiger SC Uchte II mit einem Quotienten von nur 0,73 davon. Als Belohnung für dieses Saubermann-Image können sich die Uchter neben einer festlichen Ehrung im Sporthotel Fuchsbachtal in Barsinghausen über ein Wochenendtrainingslager an gleicher Stelle freuen. Der Zweitplatzierte TV Stuhr (Bezirksliga Hannover) erhält als Preis den Besuch eines Heimspiels von Hannover 96 mit anschließender Mannschaftsfeier. Und die drittplatzierte Riege vom TuS Leese (Kreisliga Nienburg) kann mit einem Sportartikel-Gutschein im Wert von 1500 Euro auf Shopping-Tour gehen.

Die Nordkreis-Krone darf sich in dieser Sommerpause der SV Groß Oesingen aufs Haupt setzen. „Haben wir Brome endlich mal geknackt“, frohlockte SV-Coach Torben König. Die Bromer und Groß Oesinger lieferten sich in der jüngeren Vergangenheit oft ein Duell um den Titel des Fairness-Fixsterns im Isenhagener Land. Während der FCB in dieser Serie aus dem Raster fiel, hält sich Oesingen hartnäckig im Spitzenfeld als dieses Mal drittbestes Gifhorner Team und die Nummer 255 in Niedersachsen. „Da kann man stolz drauf sein – auch wenn ich da als Trainer nicht viel Einfluss drauf habe und auch keinen gesonderten Wert darauf lege. Aber meine Jungs sind von Natur aus so“, meinte König. Zumal die einzige Gelb-Rote Karte gegen Arne Heers im Derby gegen den Wesendorfer SC in seinen Augen sogar „nicht einmal berechtigt“ gewesen sei.

Noch weniger Vergehen als die König-Kicker in der Kreisliga leistete sich nur der VfR Wilsche-Neubokel. „Die sind ja auch gar nicht gezwungen zu foulen“, unkte König in Anlehnung auf die extreme Vormachtstellung des künftigen Bezirksligisten. Das bekräftigte in gewisser Weise auch Meistermacher Bernd Huneke: „Wenn man guten Fußball spielt, hat man es halt nicht nötig, nachzuhaken oder taktische Fouls zu begehen. Das ist ähnlich wie bei den Bayern.“ Wilsche würde durchaus „das Fairplay pflegen“ und will dies auch „in der Bezirksliga weiter leben“.

Absolut verbesserungswürdig (und durch den Abstieg vorerst auch das letzte Mal im Rüpel-Ranking gelistet) stellt sich indes die Bilanz des VfL Wittingen/Suderwittingen dar. Nur 38 Teams im ganzen Land, kreisweit nur noch von der SV Meinersen getoppt, traten die Fairness noch mehr mit Füßen als die Brauereistädter.

Von Ingo Barrenscheen

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