Gewinner und Verlierer teils zwiegespalten

So denken Gifhorns Nordkreis-Vereine über die Saison-Annullierung

Der FC Parsau (l. Niklas Werthmann) ist ein Verlierer der Saison-Annullierung, der TV Emmen ein Profiteur.
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Vom Gewinner zum Verlierer, vom Verlierer zum Gewinner... Während Parsau (l. Niklas Werthmann) in der 1. Kreisklasse B durch die Annullierung gekniffen ist, bleibt Punktlos-Schlusslicht Emmen vom Abstieg verschont.
  • Florian Schulz
    vonFlorian Schulz
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Es hatte sich angebahnt, seit Mittwochabend ist es Gewissheit: Der Niedersächsische Fußball-Verband (NFV) hat in einer Videokonferenz die Annullierung der Saison 2020/21 beschlossen. Dieser Schritt bringt, wenn man davon überhaupt sprechen darf, sportliche Gewinner und Verlierer hervor. Ein paar Fallbeispiele.

  • Ganz logisch: Die gelöschte Fußball-Saison 2020/21 löst bei den Klubs aus Gifhorns Nordkreis unterschiedliche Reaktionen hervor.
  • Ganz ehrlich: SV BW Rühen klagt nicht über den verpassten Aufstieg, der Wesendorfer SC freut sich nicht über die Rettung am Grünen Tisch.
  • Ganz gefrustet: Der FC Parsau versteht die Fußball-Welt nicht mehr.

Wittingen/Isenhagener Land – Üblicherweise geht das Ende einer Saison immer mit Jubel pur einerseits und Trauer andererseits einher. Doch wie schon im vergangenen Sommer herrscht nach der gelöschten Saison 2020/21 allenthalben Tristesse. Auf- und Absteiger gibt es nicht, das heißt: Mit Blick auf die künftigen Staffeleinteilungen bleibt alles wie gehabt.

Klar, dass die Reaktionen in den hiesigen Vereinen viel unterschiedlicher nicht hätten sein können. Wenngleich ein Großteil schon vor dem finalen Urteil mit diesem Szenario gerechnet hatte. Das IK hat sich auf Stimmenfang in der Region begeben.

Die „Gewinner“

Der VfL Germania Ummern hatte als Aufsteiger die Bezirksliga A von vornherein als Abenteuer gesehen. Dass es den Klassenerhalt nun am Grünen Tisch gab, macht Trainer Jörg Drangmeister aber nur bedingt froh: „Ich denke, dass es für alle Mannschaften insgesamt ein verlorenes Jahr war. Einerseits fehlt die Bewegung, andererseits die sozialen Bindungen. Für einen Fußballer ist das natürlich alles andere als schön.“ Der scheidende Drangmeister hatte gehofft, sich anders zu verabschieden. „Vielleicht haben wir ja die Möglichkeit, im Mai noch einmal zu trainieren. Dass ich nun kein Spiel mehr miterleben werde, ist schon komisch. Aber wir können und werden damit leben.“

Für die Fußballsparte des Wesendorfer SC hätte es eine rabenschwarze Spielzeit werden können. Zum Zeitpunkt des Cuts belegten sowohl die Erstvertretung (Kreisliga A) als auch die Reserve (2. Kreisklasse A) den letzten Tabellenplatz. Corona zog gewissermaßen die Reißleine. „Klar wäre ich als alteingesessener Wesendorfer traurig, wenn eine oder gar beide Mannschaften abgestiegen wären. Aber gefreut habe ich mich ehrlich gesagt nicht, dass wir es so geschafft haben. Lieber wäre es mir gewesen, wenn es über den sportlichen Wettkampf geklappt hätte“, sagt WSC-Urgestein Hans Götz. Immerhin: Nun bleibt genügend Zeit, um vier A-Jugendspieler in die beiden Herrenteams zu integrieren. „Wenn es uns gelingt, so einen neuen Kurs einzuschlagen, bin ich davon überzeugt, dass wir die Klasse auch in der kommenden Saison halten“, so Götz.

Aber auch weitere Teams dürfen sich als Profiteure betiteln. Beispielsweise der SV Eischott, der der 1. Kreisklasse A trotz nur drei errungener Zähler erhalten bleibt. Oder auch der TV Emmen, der in der 1. Kreisklasse B noch punktlos dastand.

Die „Verlierer“

Auf der anderen Seite gab es aber auch mehrere Mannschaften, denen die Chance auf den Aufstieg genommen wurde. Eine davon ist Bezirksligist VfL Wahrenholz. „Natürlich ist es schade, wenn du Erster und gut drauf bist, am Ende aber nicht die Chance hast hochzugehen“, verdeutlicht Spartenleiter Jan Schöbel. Allerdings hält sich die Enttäuschung am Taterbusch in Grenzen: „Wir hatten ja geahnt, dass es so kommt. Eine Tabelle nach der Quotientenregelung zu erstellen, wäre nach der geringen Spieleanzahl sicherlich auch nicht fair gewesen“, so Schöbel. „So, wie es gekommen ist, ist es schon in Ordnung. Enttäuscht sind wir nicht.“

Wir müssen die Pandemie in den Griff bekommen. Da ist es für mich nicht interessant, ob eine Mannschaft aus der Kreisliga in die Bezirksliga aufsteigt.

Rühens Trainer Matthias Weiß

Recht gelassen reagiert auch Matthias Weiß vom SV BW Rühen auf den Cut. Der scheidende Trainer des Tabellenführers der Kreisliga A weiß, dass andere Dinge im Leben aktuell wichtiger sind. „Wir müssen die Pandemie in den Griff bekommen. Da ist es für mich nicht interessant, ob eine Mannschaft aus der Kreisliga in die Bezirksliga aufsteigt. Das ist alles nur ein Hobby – mehr nicht“, winkt Weiß ab. Dabei schließt er sich gern der Ansicht seines Kapitäns Fynn Jennerich an: „Ich habe mich kürzlich mit Fynn unterhalten und er sagte: Wenn man uns den Aufstieg schenkt, haben wir auch keinen Bock darauf.“ Weiß geht sogar noch einen Schritt weiter: „Ich persönlich glaube sogar, dass es für den Verein besser ist, weiterhin in der Kreisliga zu spielen. Die Bezirksliga würde Rühen meiner Ansicht nach nicht guttun.“

Riesiger Frust indes beim FC Parsau. Die Erstvertretung der Germanen hatte bis zum Lockdown alle Begegnungen in der 1. Kreisklasse B gewonnen. Die Hoffnung vom Kreisliga-Aufstieg ist – trotz eines offenen Briefes im Vorfeld an den NFV (das IK berichtete) – geplatzt. „Ich persönlich verstehe Annullierungen überhaupt nicht, aus meiner Sicht gab es dafür auch keinen sinnvollen Grund“, urteilt FC-Spartenleiter Marcel Krause. Seine Idee: Die Spielzeit erst einmal auszusetzen und womöglich im Herbst, wenn sich die Lage erheblich verbessern sollte, fortzuführen. „So fangen wir im Sommer vermutlich wieder neu an und stehen im Herbst schon wieder dumm da“, so Krause, der anfügt: „Wir hatten nun im zweiten Jahr in Folge Pech.“

Auch der SV Teutonia Tiddische wurde als Spitzenreiter der 2. Kreisklasse A um den möglichen Aufstieg gebracht. „Die Entscheidung ist für uns natürlich ärgerlich, denn wir wären mit großer Wahrscheinlichkeit aufgestiegen, aber wir wissen auch, dass es wichtigere Dinge gibt“, erklärt Teutonia-Coach Robert Stroka.

Getrennt in den Farben, vereint in diesem Zwiespalt sind die Teutonen mit dem FC Oerrel, seines Zeichens Primus in der 2. Kreisklasse B. „Wir hätten es gerne mitgenommen, waren einer von den drei Stimmen bei der Kreis-Videokonferenz, die wie Parsau für eine spätere Fortsetzung waren. Aber da gucken wir natürlich aus Gifhorner Sicht. Schade, dass nicht alle so weitsichtig waren im NFV und nun alle Spiele für die Katz sind. Aber wir können auch die anderen Seiten verstehen. Davon geht die Welt nicht unter“, erklärte FCO-Spartenleiter Armin Schulze.

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