Urteil ergeht wegen unsportlichen Verhaltens / Wedekind: „Thema jetzt abgehakt“

Nur eine Geldstrafe nach Rassismus-Vorfall: Mark-Oliver Schmidt bleibt Trainer des FC Brome

Er stellt sich stets hinter die Mannschaft, und die Mannschaft steht zu 100 Prozent hinter ihm: Mark-Oliver Schmidt bleibt nach dem Rassismus-Vorfall im Spiel gegen Barnstorf weiterhin Cheftrainer des Fußball-Bezirksligisten FC Brome.
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Er stellt sich stets hinter die Mannschaft, und die Mannschaft steht zu 100 Prozent hinter ihm: Mark-Oliver Schmidt bleibt nach dem Rassismus-Vorfall im Spiel gegen Barnstorf weiterhin Cheftrainer des Fußball-Bezirksligisten FC Brome.
  • Ingo Barrenscheen
    VonIngo Barrenscheen
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Das langersehnte Urteil ist gefällt. Und es stellt sich nach dem großen Wirbel um den Rassismus-Vorfall beim Fußball-Bezirksligisten FC Brome vergleichsweise milde dar: Das Sportgericht des Bezirks Braunschweig hat Trainer Mark-Oliver Schmidt eine Geldstrafe von 100 Euro auferlegt. Der Verein indes lässt Gnade vor Recht ergehen und hält an seinem Chefcoach auch in Zukunft fest!

Unsportliches Verhalten statt Beleidigung

49 Tage respektive sieben Wochen nach dem Eklat im Heimspiel gegen den SV Barnstorf (das IK berichtete) wissen alle Beteiligten nun endgültig Bescheid. Der zwischenzeitlich freigestellte Bromer Übungsleiter wurde vom Sportgericht verurteilt. Wohlgemerkt aber nicht wegen einer Beleidigung, sondern wegen unsportlichen Verhaltens. So steht es in der Urteils-Verkündung, die FCB-Spartenleiter René Wedekind am Sonntag erhielt. Als Begründung sei dort angegeben: Schmidts verbale Entgleisung („Was willst du, Schwarzauge“) hätte sich „nicht explizit gegen eine Person“ gerichtet, verlas Wedekind aus dem Schuldspruch in seinen Händen. Daher, so entschied das Sportgericht, erfülle der Satz des Anstoßes nicht den Tatbestand einer (rassistischen) Beleidigung. Genau diese hatte die Barnstorfer Bank damals unmittelbar während und nach dem Spiel angeprangert.

Schmidt – der die 100 Euro Geldstrafe plus die 57 Euro Verfahrenskosten selbst tragen wird – hatte sein Fehlverhalten damals gegenüber dem eingeschalteten Schiedsrichter eingeräumt und dieses bereut. Auch die Bromer Vereinsführung hatte unmittelbar mit der Aufarbeitung der Geschehnisse begonnen und sich noch am Spieltag selbst bei allen Barnstorfern entschuldigt. „Wir haben den Vorfall nicht unter den Tisch gekehrt“, bekräftigte Wedekind. Bis zum Sportgerichts-Termin hatte der Klub seinen Coach aber zunächst einmal aus der Schusslinie genommen – und wollte den Beschluss abwarten.

„Kein rassistisches Gedankengut“

Dieser ist jetzt erfolgt. Die FCB-Sparte zieht keine personellen Konsequenzen aus den Vorkommnissen. Schmidt bleibt im Amt, wird die Mannschaft nun auf die zweite Saisonhälfte in der Bezirksliga vorbereiten. „Wir werden weiter mit ihm zusammenarbeiten“, erklärte Wedekind. Der Fußballchef ergänzte aber auch direkt: „Das war ein Fehl- und vereinsschädigendes Verhalten vom Trainer, das wir nicht gutheißen wollen. Mark-Oliver hat sich im Ton vergriffen. Das gehört sich nicht und darf nicht wieder vorkommen. Aber wir wollen widersprechen, dass da bei Mark-Oliver irgendein rassistisches Gedankengut dahintersteckt.“

Rückhalt vom Team

Schmidt war, das betonte Wedekind, in der Vergangenheit „maßgeblich daran beteiligt, dass wir vom NFV-Kreisvorsitzenden Ralf Thomas für unsere überproportionale Flüchtlingsarbeit ausgezeichnet worden sind.“ In diesem Zuge hätte der Bromer Trainer viele Spieler integriert. Von Schützlingen wie Ahmed oder Mahmut Chabaan ganz zu schweigen – für diese war der Fußball-Lehrer praktisch wie ein zweiter Vater. Nicht die einzigen Kicker in Reihen des FCB mit Migrationshintergrund. Nicht nur der Verein, „auch die Spieler stehen zu 100 Prozent hinter Mark-Oliver. Wir wissen, dass er emotional ist. Aber wir wissen auch, dass es hoffentlich ein einmaliger Ausrutscher war.“

Schmidt akzeptiert Strafe – keine Sperre

Mit dem Urteil sei das unrühmliche Kapitel „jetzt auch abgehakt“, ist Wedekind erleichtert. Der Verein hätte sich über Jahre hinweg einen guten Ruf aufgebaut – und dann diese Schlagzeilen in den vergangenen Wochen. „Das war ein Fehler, und Fehler passieren, aber wir haben das aufgearbeitet und hatten viel damit zu tun.“ Schmidt habe die Strafe auch akzeptiert. „Wir sind froh, dass es keine Spielsperre nach sich gezogen hat und wir uns wieder auf das Sportliche konzentrieren können. Mark-Oliver sieht ein, dass er sich in Zukunft disziplinierter verhalten, seine Emotionen im Griff haben muss. Ich denke, er ist froh, dass er wieder an der Seitenlinie stehen kann.“

„Werden in Rückrunde im Blickfeld sein“

Gleichwohl stehen Coach wie Verein nunmehr unter besonderer Beobachtung. Dessen ist sich auch Wedekind bewusst: „Wir werden in der Rückrunde im Blickfeld sein. Das ist auch normal nach so einer Aktion. Aber wir haben jetzt jedes Wochenende die Chance, Werbung für den Verein zu machen, indem wir uns auf und neben dem Platz diszipliniert verhalten.“ Es soll wieder Ruhe einkehren an der Steimker Straße nach dem Sturm der Entrüstung.

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