Handball – Oberliga Damen: Wittingen leidenschaftslos bei Derby-Pleite

Phlegma statt Feuer

Ernüchterte Gesichter auf Wittingens Bank: Der VfL (l. Trainer Axel Bühlow) spielte in Gifhorn leidenschaftslos. Fotos: Barrenscheen

Gifhorn. Derbys sind in der Regel emotionsgeladen. Die Oberliga-Damen des VfL Wittingen gaben sich am Sonnabend alle (oder besser gesagt gar keine) Mühe, aus diesem Raster zu fallen. Motivation sahen die gut 150 Zuschauer nur auf Seiten des MTV Gifhorn.

Ergo gewann dieser locker-flockig mit 28:20 (18:9).

Das VfL-Phlegma: unerklärlich. Trainer Axel Bühlow zuckte verständnislos mit den Schultern. „Ich verstehe das nicht. Vor dem Spiel waren noch alle heiß. Das Feuer ist erloschen, als der erste Pfiff ertönte. Der Anpfiff...“ Trägheit statt Elan.

Gifhorn dagegen ging aggressiv zu werke, nutzte das weidlich aus in der ersten Halbzeit. Der Aufsteiger traf ja praktisch auch auf keinen Widerstand. „Deckung war gleich null“, zürnte Bühlow. Ob aus der zweiten Reihe oder im Duell Frau gegen Frau: Die Gastgeberinnen genossen alle Freiheiten. Beim Stand von 12:4 (16.) ging VfL-Torfrau Rebekka Refardt entnervt aus dem Kasten. Die Ex-Isenhagenerinnen Nici Ramm und Katrin Cohrs (sie hatte tags zuvor noch mit Grippe flach gelegen) sowie Torjäger-Eigengewächs Ann-Katrin Lenau zerlegten den VfL im Alleingang. Das MTV-Trio brachte es auf insgesamt 20 Treffer – so viele wie alle Wittingerinnen zusammen... Bezeichnend: Das 17:8 (25.) war das erste Gifhorner Tor, das nicht von Ramm, Cohrs oder Lenau geworfen wurde.

Der VfL hingegen agierte auch im Angriff ohne Mumm und Präzision und drohte zur Pause buchstäblich in der Flutmulde unterzugehen.

Die Gäste konnten heilfroh sein, dass MTV-Coach Frank Ratz nach Wiederbeginn angesichts des deutlichen Vorsprungs mehr und mehr die zweite Garde aufs Feld schickte. So trudelte der zweite Abschnitt doch recht zerfahren aus. Wittingen betrieb zwar Schadensbegrenzung, ließ aber auch noch unbeschreiblich viele klare Chancen aus und warfen Gifhorns Keeperin zur Heldin. Teils haarsträubend die 7-Meter, von denen der VfL fünf vergab. Ein Kardinalproblem. Bühlow sagte es in aller Deutlichkeit: „Die machen sich schon in die Hosen.“ So ging auch das Derby kräftig in die Hose. Null Leidenschaft, null Punkte, VfL...

Von Ingo Barrenscheen

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