Fußball: Der Betzhorner Bundesliga-Profi vom Hamburger SV im IK-Interview

Phantom-Profi Bjarne Thoelke? „Damit habe ich kein Problem“

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Der Betzhorner Fußball-Profi Bjarne Thoelke hatte in seiner bisherigen Karriere schon einige Päckchen zu tragen. Im IK-Interview stand er unserem Mitarbeiter Manfred Gades Rede und Antwort.

Hamburg/Betzhorn. Er ging durch die harte Schule von Felix Magath. Und durch die harte Schule des (Fußballer-)Lebens. Doch Bjarne Thoelke ist schon als kleiner Junge auf dem elterlichen Bauernhof in Betzhorn gestählt worden.

Ganz nach Friedrich Nietzsche: Was mich nicht umbringt, macht mich nur stärker... 

Und so hat sich das berühmteste Taterbusch-Talent nie unterkriegen lassen. Nicht vom hartnäckigen Verletzungspech. Nicht von der zwischenzeitlichen Karriere-Stagnation als Fußball-Profi.

Mittlerweile schuftet der 25-Jährige beim Hamburger SV an seinem Comeback nach einem Anriss des Syndesmosebandes. Seit gut zwei Wochen befindet sich der beim VfL Wahrenholz groß gewordene Innenverteidiger wieder im Mannschaftstraining unter dem neuen HSV-Coach Bernd Hollerbach, der ihn einst als Magaths Co-Trainer beim VfL Wolfsburg zum Bundesliga-Spieler reifen sah. Sechs Einsätze im deutschen Oberhaus absolvierte Thoelke, das letzte am 10. Dezember 2011 beim 1:4 in Bremen. Dann geriet er bei den Wölfen aufs Abstellgleis. Wurde zu Dynamo Dresden verliehen. Dann zu den VfL-Amateuren degradiert. Und schließlich zum Karlsruher SC transferiert, mit dem er im Sommer 2017 aus der 2. Liga abstieg. Doch HSV-Sportchef Jens Todt, einst Nachwuchs-Boss in Wolfsburg, verpflichtete seinen Ex-Schützling als Backup. Für Betzhorn-Bube Bjarne eine Mega-Chance, die er nun nach dem neuerlichen Rückschlag beim Schopfe packen will.

Das IK sprach mit Thoelke über sein aktuelles Standing beim abstiegsbedrohten Bundesliga-Dino. Ob ihn der Name Phantom-Profi grämt. Ob er noch Kontakt zu Magath hat. Ob er einen luxuriösen Lifestyle à la Pierre-Emerick Aubameyang führt. Und ob er im Sommer beim Wahrenholzer Schützenfest aufschlägt?

IK-Interview

IK: Deine Krankenakte ist für einen jungen Spieler doch schon prall gefüllt. Kannst du dich eigentlich noch erinnern, was du schon alles an deinen Knochen und Gelenken hattest?

Thoelke: Also aufzählen wird schwer. Es sind leider schon einige Verletzungen gewesen, allein jetzt schon wieder im letzten halben Jahr zwei etwas schwerere. Wie gesagt, aufzählen wird schwer gerade (schmunzelt)...

IK: Und wie geht’s dir jetzt?

Thoelke: Mir geht’s gut! Ich bin seit zweieinhalb Wochen im Training. Das Sprunggelenk fühlt sich von Mal zu Mal besser an, ich kann mittrainieren, habe bisher auch jede Einheit durchgezogen. Natürlich muss man sich nach so langer Zeit erst wieder ans Trainings-Niveau gewöhnen. Man kann es halt nicht mit normalem Reha-Training vergleichen, das ich davor hatte.

IK: Gibt es denn so einen Kick, einen Moment, an dem man sagt: Jetzt ziehe ich wieder jede Grätsche durch?

Thoelke: Das mache ich sowieso. Aber es dauert halt ein bisschen, bis sich der Körper daran wieder gewöhnt.

IK: Aber blockiert der Körper; sagt der Kopf dem Körper: Moment, da grätscht du jetzt lieber nicht...

Thoelke: Nein, nicht in den Aktionen. Es ist eher eine allgemeine Geschichte. Von Training zu Training merkt man einfach: Okay, heute sind die Beine schwerer als bei den anderen Spielern. In Zweikämpfen oder Laufduellen habe ich noch einen kleinen Rückstand aufzuholen. Normalerweise weiß man: Den kriege ich. Aber das braucht halt Zeit. Da muss man geduldig sein. Das kommt aber wieder.

IK: Natürlich willst du spielen, das will jeder Fußballer. Hast du ein Ziel oder ein Gefühl, wann du der Mannschaft wieder voll und ganz helfen kannst?

Thoelke: Das ist schwer zu sagen. Man muss von Woche zu Woche gucken. Ich bin ständig in Verbindung mit dem Trainerteam, mit den Physios, mit den Ärzten, wie es gerade bei mir aussieht. Da kann man keinen genauen Zeitpunkt nennen.

IK: Aber wäre es in den nächsten Wochen noch zu früh, oder können wir mit dir bald wieder rechnen?

Thoelke: Das sollte schon – wenn es so weitergeht – klappen, dass der Trainer wieder mit mir planen kann. Ob er mich dann mitnimmt oder nicht, entscheidet der Coach.

IK: Zuletzt beim 1:1 gegen Hannover 96 saß mit Mergim Mavraj nur ein gelernter Innenverteidiger auf der Bank. Kyriakos Papadopoulos sitzt am heutigen Samstag im Auswärtsspiel bei Borussia Dortmund eine Gelb-Rot-Sperre ab. Wäre das jetzt eine Chance für dich, an die Bank zu denken?

Thoelke: Ja, natürlich. Aber letztendlich entscheidet der Trainer. Wenn ich noch nicht so weit bin, dass ich der Mannschaft in meinem Zustand helfen kann, dann macht es keinen Sinn, wenn ich mitfahren würde.

IK: Der HSV ist jetzt, positiv ausgedrückt, zweimal ungeschlagen... Ist die Stimmung aktuell wieder besser? Vielleicht hat ja auch der Trainerwechsel einen Wandel bewirkt.

Thoelke: Durch einen Trainerwechsel kommt halt meist frischer Wind rein. Es sind neue Menschen dabei.. Das Training läuft anders: Man will sich direkt neu beweisen. Die Stimmung in der Mannschaft ist gut. Natürlich waren es nur zwei Unentschieden, aber wir haben eben auch nicht verloren. Wir müssen zusehen, unsere Punkte jetzt zu holen.

IK: Was machen eigentlich die nicht nominierten Akteure an den Spieltagen? Fahren sie mit zu den Auswärtsspielen oder bleiben sie zuhause auf dem heimischen Sofa?

Thoelke: Je nachdem, wo das Auswärtsspiel stattfindet. Die meisten sind schon ein Stück weit entfernt, da sind wir nicht im Stadion. Wenn sie in der Nähe sind, ist es uns überlassen, ob wir selber hinfahren oder zuhause bleiben. Die Nicht-Nominierten haben am Spieltag aber immer noch separat Training mit dem Athletik-Trainer. Da wird vorgegeben, was gemacht werden muss, damit man auch am Wochenende die gewohnte Belastung hat. Bei Heimspielen sind wir natürlich immer dabei.

IK: Ohne nachkaten zu wollen: Welche Erinnerungen, ob positiv oder negativ, hast du aus deiner Zweitliga-Zeit bei Dynamo Dresden und dem Karlsruher SC mitgenommen?

Die dritte von vier Profi-Stationen bislang: Bjarne Thoelke (l., hier gegen Kaiserslautern) im Dress des Karlsruher SC.

Thoelke: Sicherlich ist nicht alles glücklich gelaufen. Ich hatte auch da einige Verletzungen und habe in Dresden zuletzt leider nicht mehr so viel gespielt. In Karlsruhe hingegen wurde es dann immer besser, bis ich auch regelmäßig gespielt habe. Ich glaube, negative Erfahrungen sind auch wichtig fürs Leben. Aus denen kann man auch einiges mitnehmen und weiß für die Zukunft besser mit entsprechenden Situationen umzugehen.

IK: Es gab doch aber sicherlich auch schöne Seiten in der Zeit?

Thoelke: Na klar. Positiv waren natürlich die Spiele, die ich gemacht habe. Die Menschen, die ich kennengelernt habe. Die Mitspieler. Freunde, die man gefunden hat. Man hat auch viel gesehen – die Städte etwa. Einfach den Horizont erweitert.

IK: In Hamburger Medien hat man Schlagzeilen wie der „Phantom-Profi“ über dich gelesen. Ärgert dich solch eine Titulierung?

Thoelke: Das war ganz am Anfang, als ich zum HSV kam. Es ist einfach so: Die 1. Bundesliga interessiert mehr Menschen als die 2. Liga. Dann kommt man als Zweitliga-Absteiger zu einem Bundesliga-Verein und natürlich fragen sich dann einige, die sich nur mit der ersten Liga beschäftigen: Wer ist das? Deswegen hatte ich damit kein Problem.

IK: Hast du noch Kontakt zu Spielern vom VfL Wolfsburg?

Strahlemann: Bjarne Thoelke nach seinem ersten Bundesliga-Spiel für den VfL (mit dem heutigen Bayern-Sportdirektor Hasan Salihamidzic).

Thoelke: Zu den Profis eher weniger. Da kenne ich ehrlich gesagt auch nicht mehr so viele. Nur noch zwei: Maximilian Arnold und Robin Knoche. Aber bei den Amateuren habe ich hin und wieder noch Kontakt zu Julian Klamt. Die anderen Mitspieler von früher haben sich ja mittlerweile alle verteilt.

IK: Und wie sieht es mit Felix Magath aus? Hast du mit ihm noch einmal gesprochen, seit du aus Wolfsburg weg bist?

Thoelke: Nein. Er hat ja einmal ein kurzes Statement in einem Interview abgegeben, als ich zum HSV gekommen bin. Aber persönlich habe ich keinen Kontakt mehr mit ihm gehabt.

IK: Ihr wart also nicht ziemlich beste Freunde? Immerhin hat er dich beim VfL zum Bundesliga-Spieler gemacht...

Thoelke: Er war ein Trainer, der eher distanziert zu den Spielern war. Das war seine Art – was Vor- und Nachteile hat. Das war halt seine Philosophie.

IK: Jetzt mal weg vom Fußball. Wie lebt so ein Betzhorner Bube eigentlich in der Weltmetropole Hamburg? Man kennt ja Spieler wie Pierre-Emerick Aubameyang: Ferrari und schickes Penthouse...

Thoelke: Ach, nee! So sieht das nicht aus. Ich lebe ganz einfach, habe eine Wohnung in der Nähe vom Stadion mit einem kleinen Garten. Ich habe ja auch einen Hund zuhause. Und fahre einen Dienstwagen vom HSV.

IK: Welche Marke?

Thoelke: Einen Mercedes. Man muss sich das jetzt nicht so vorstellen wie bei Aubameyang. Na klar gibt es auch solche Fußballer. Aber die haben auch schon ein bisschen mehr erreicht und mehr verdient. Die können es sich dann auch leisten. Ich bin da ganz einfach gestrickt.

IK: Hast du in Hamburg Freunde, mit denen du auch mal um die Häuser ziehst?

Thoelke: Mein bester Kumpel wohnt hier mit seiner Freundin. Die haben eine kleine Hamburger Clique aufgebaut in den letzten drei, vier Jahren, die ich auch schon kennengelernt habe und mit denen ich auch schon gut befreundet bin. Mit denen unternehme ich viel. Ab und zu trifft man sich auch mit Teamkollegen privat, geht etwas essen.

IK: Und wie sieht es mit den alten Seilschaften in der Heimat aus? Den Jungs, mit denen du früher noch in der Jugend des VfL Wahrenholz gekickt hast. Besteht da noch eine Verbindung?

Thoelke: Sehr viel sogar. Zu den Spielern aus Wahrenholz besteht noch immer ein sehr, sehr enger Kontakt. Wir sehen uns regelmäßig.

IK: Gibt es deinen Fanclub in Wahrenholz eigentlich noch?

Thoelke: Ich glaube, der besteht nicht mehr. Zumindest habe ich davon nichts mehr gehört, seit ich aus Wolfsburg weg bin.

IK: Aber das Wahrenholzer Schützenfest existiert noch. Sieht man dich da im Sommer wieder?

Thoelke: (lacht) Da war ich in den letzten Jahren eher selten... Klar schaut man mal vorbei, geht vielleicht mit den Schwestern, mit der Family, etwas essen. Aber alles, was sonst noch dazugehört – der Umzug oder die Abendveranstaltungen – da bin ich gar nicht mehr dabei. Das ist auch einfach nicht mehr so meins.

Von Manfred Gades und Ingo Barrenscheen

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