Fußball – IK-Nachspielzeit: Die unbeugsamen Gallier schlagen wieder zu / Hitzige Phase in Knesebeck / Götz sagt sorry

Das Phänomen Vorhop und die Ohretal-Kopie

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Keine Platzverweise, aber hitzig-emotionale Szenen mit Rudelbildung: Der VfL Knesebeck (r. André Haven) und SV Groß Oesingen (Arne Heers) lieferten sich einige Wortgefechte auf dem Rasen.

Ein reumütiger Coach beim Wesendorfer SC, die nächste Episode der unbeugsamen Gallier vom VfL Vorhop, Zunder im Duell zwischen dem VfL Knesebeck und SV Groß Oesingen und Ohretaler Wiederholungstäter: Die IK-Nachspielzeit hat es wieder in sich.

Ungewohnte Schaltzentrale: Da Marcell Meyer vor dem Heimspiel gegen die FSV Adenbüttel Rethen signalisiert hatte, dass er noch nicht zu 100 Prozent fit sei für die Startelf, rutschte Jan Reitmeier beim Bezirksligisten VfL Wahrenholz auf die Zehner-Position. „Das war eine Variante. Es bringt uns nichts, Matze kaputtzumachen. Jan kann auch gut den Ball halten und Fußball spielen“, meinte VfL-Spartenleiter Stefan Frommelt. Für einen Kurz-Einsatz reichte es beim eigentlichen Spielgestalter Meyer dann aber doch noch. Zum Glück. Denn mit seinem sehenswerten Tor durchbrach er in der 89. Minute die Ladehemmung. Wenngleich es letztlich nur zu einem Punkt für Wahrenholz reichte.

Er sorgte für lachende Gesichter beim Wesendorfer SC II: Kevin Ruschitzka (r.) gab nach fünf Jahren sein Comeback.

Schande auf mein Haupt... In Abwesenheit von Cheftrainer Matthias Hopp war sein Assistent Hans Götz am Sonntag beim Wesendorfer SC verantwortlich für die Aufstellung im Auswärtsspiel beim TuS Müden-Dieckhorst. Und verkalkulierte sich seiner Ansicht nach. „Ich gebe mir eine große Mitschuld am Debakel (0:5, Anm. der Redaktion)“, übte Götz Selbstkritik. Nachdem Roman Kremer verletzt vom Platz musste und Müden kurz vor der Pause per Elfmeter in Führung ging, entschied sich der Wesendorfer Co-Trainer dazu, noch mehr Druck zu entfachen, anstatt taktisch auf ein 4-4-2 umzustellen. „Was in dieser Situation angebracht gewesen wäre“, war Götz hinterher schlauer. Der WSC wurde zweimal blitzschnell ausgekontert, nach dem 3:0 war die Messe gelesen. Und Hopps rechte Hand stellte seufzend fest: „Die Niederlage nehme ich auf meine Kappe. Ich hätte viel früher auf ein 4-4-2 umstellen müssen.“

Grinsende Gesichter gab es hingegen im heimischen Heidelandstadion beim Wesendorfer SC II. Denn bei der Reserve feierte kurz vor dem Ende des Derbys gegen den SV Wagenhoff II Kevin Ruschitzka nach gut fünf Jahren und zwei Kreuzbandrissen (!) sein Kurz-Comeback. Der Wiedereinsteiger, der von seinen Teamkollegen in Anlehnung an das berühmte Vorbild Cristiano Ronaldo (CR7) liebevoll KR6 genannt wird, traf sogar zum vermeintlichen 5:0. Doch der Schiedsrichter entschied auf Abseits und verhinderte so den Traum-Einstand. Dafür traf der ebenfalls lange außer Gefecht gesetzte Daniel Auffahrt für die WSC-Reserve. Mit Manuel Schupp mischte ein weiterer Altgedienter nach Monaten Pause zum zweiten Mal wieder mit. Das Duo soll übrigens nicht wieder für das Kreisliga-Team aufgebaut werden, sondern bei der Zweiten entscheidende Rollen einnehmen, verriet Coach Julian Hoppe. „Nächstes Jahr soll Herr Auffahrt bei mir an der Seite mit stehen, Manuel Schupp soll die Geschicke im Spiel leiten.“ Sein bisheriger Co-Trainer Stefan Will hätte sich bei der Ersten unabkömmlich gemacht.

Wie sagten die Römer doch immer so schön: Cäsar, die Todgeweihten grüßen dich! Bei den Galliern vom VfL Vorhop heißt es dann wohl: Totgesagte leben länger! Zum x-ten Mal demonstrierten die Widerstandskämpfer aus dem kleinen Dorf ihre unnachahmlichen Comeback-Qualitäten und drehten gegen den VfL Ummern einen 0:2-Pausenrückstand noch in einen 3:2-Erfolg. Verbunden mit dem Sprung ans rettende Ufer! Schon in den Heimspielen gegen den SV Groß Oesingen (2:2 nach 0:2) und MTV Wasbüttel (4:2 nach 1:2) hatten sich die Unbeugsamen nicht kleinkriegen lassen. Vorhop: ein Phänomen. Seit dem legendären 6:6 in Müden herrsche ein gewisser „Mannschaftsgeist“ in solchen scheinbar aussichtslosen Momenten vor, sagt Trainer Sebastian Sommer und wunderte sich aufs Neue: „Das ist echt kurios. Eigentlich waren wir schon mausetot, aber irgendwie ist das Spiel gekippt.“ Nach dem 2:2 rannte Ummern dann vehement an. Doch Sebastian Linne eroberte den Ball und schlug einen „sensationellen Pass über gefühlt 70 Meter“ in den Lauf von Christopher Schulze. Das 3:2. Die spinnen, die Vorhoper...

In der Hitze des Gefechts war es für den jungen Unparteiischen Normen Meyer (MTV Gifhorn) ganz schön knifflig, alles unter Kontrolle zu halten. Denn in der Phase unmittelbar nach der Pause kochten im Kreisliga-Duell zwischen dem VfL Knesebeck und SV Groß Oesingen ganz schön die Emotionen hoch. Erster Auslöser war eine Chance für die Einhörner, bei der Francesco Natale einen Hauch zu spät kam und dabei den herausstürmenden SV-Keeper Tjark Müller traf. Eine Aktion, die dessen Bruder Finn-Malte Müller so nicht stehen lassen wollte. Inmitten einer Rudelbildung geriet er mit André Haven aneinander und sah die Gelbe Karte. Wenig später die nächste Szene, wieder mit dem Oesinger Verteidiger im Brennpunkt. Sein Coach Torben König gab zu: „Da hat er Glück, dass er nicht Gelb-Rot kriegt. Der junge Mann muss noch an seinen Emotionen arbeiten...“ Es seien „zehn heiße Minuten“ am Ernst-Hiestermann-Platz gewesen, die interessanterweise bei den Gästen einen Hallo-Wach-Effekt auslösten. König: „Wir waren vorher echt nicht gut drauf, waren im Anschluss auf jeden Fall wacher.“ Und letzten Endes mit 2:0 auch siegreich.

Als hätte jemand das Drehbuch des Hinspiels auf einen Kopierer gelegt und bei allen Beteiligten verteilt... Dem FC Ohretal gelang am Sonntag das Kuriosum, den verrückten 4:3-Erfolg aus der ersten Saisonhälfte gegen den TSV Brechtorf zu wiederholen. Auch fast mit einer analogen Dramaturgie. Im ersten Duell hatten die Rot-Grünen eine 3:1-Führung zwischenzeitlich hergeschenkt, beim Wiedersehen fing sich der FCO nach 2:0-Führung zunächst den Ausgleich, um am Ende doch zu triumphieren. Was Trainer Matthias Bock besonders wurmte: „Wir fangen nach dem 4:2 wieder an, schlampig zu spielen.“ Überhaupt sei es in der ersten Hälfte kein Match „für Feinschmecker“ gewesen. „Es sah nicht aus wie Fünfter gegen Sechster, sondern eher wie 14. gegen 15.“, meinte Bock. Zum Matchwinner bei den Ohretalern schwang sich übrigens keiner von den üblichen Verdächtigen aus der Offensive auf, sondern der eigentliche „Kaputtmacher“ Marvin Gumprecht. Bock schmunzelte: „Vor dem Spiel habe ich noch hin- und herüberlegt, ob ich ihn reinschmeiße. Es hat im Oberschenkel bei ihm gezwickt und gezwackt. Aber er ist dann als Kapitän volle Kanne vorangegangen und erzielt auch noch einen Doppelpack – das macht er alle fünf Jahre einmal, wenn überhaupt...“

Von Ingo Barrenscheen

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