Handball – Landesliga LG Herren: Gades’ Uhr bei SG VfL läuft ab

Der Paukenschlag!

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Seine Zeit bei der SG VfL Wittingen/Stöcken läuft ab: Christian Gades (r.) muss zur neuen Saison seinen Platz an der Seitenlinie räumen. Eine Entscheidung des Vereins, die er selbst nicht nachvollziehen kann.

Wittingen – Erst am Donnerstag löste die Demission von Christian Prokop als deutscher Nationaltrainer riesiges Erstaunen und Diskussionen in Handball-Deutschland aus.

Nun gibt es auch auf lokaler Ebene einen kräftigen Paukenschlag: Die SG VfL Wittingen/Stöcken gibt seinem langjährigen Herren-Trainer Christian Gades am Ende der aktuellen Landesliga-Saison unverhofft den Laufpass! Als neuer Coach wird stattdessen im Sommer B-Lizenz-Inhaber Dirk Divjak von der HSG Müden/Seershausen installiert.

Dank für schwierige Zeit

Diese perspektivische Trennung teilte der Verein Gades wie auch der Mannschaft bereits jetzt in persönlichen Gesprächen mit – damit alle Seiten Planungssicherheit hätten und ein reibungsloser Übergang geschafft werden könne. „Dies ist keine Entscheidung gegen Christian, sondern eine Entscheidung für etwas Neues“, erklärte Wittingens Spartenleiter Kai Schüttenberg. Die SG VfL sei dem Noch-Trainer für die geleistete Arbeit im Herrenbereich in den vergangenen fast vier Jahren sehr dankbar. Gades hatte das Team noch in der Oberliga übernommen, musste im Laufe der Zeit aber immer wieder zahlreiche namhafte Abgänge verschmerzen. Trotz „großen Engagements und Motivation“ (Schüttenberg) konnte auch der Übungsleiter den (teils freiwilligen) Sturz bis in die Landesliga nicht verhindern. Parallel war Gades in der Vorsaison auch noch als Interims-Damencoach eingesprungen, als der Club in Not war. „Das zeigt seinen großen Einsatz für den Verein“, unterstreicht Schüttenberg.

„Zeit für etwas Neues“

Trotz dieser enormen Verdienste zieht die SG VfL am Ende der Saison einen Schlussstrich. „Wir möchten dadurch auch gegebenenfalls auftretenden Reibungsverlusten nach so langer Zeit als Trainer vorbeugen“, begründet Schüttenberg. Zudem erhofft sich der Vorstand neue Blickwinkel von außen. „Wir sind der Meinung, dass ein neuer externer Trainer neuen Schwung und neue Ideen in die SG einbringen kann.“ Immerhin hätte Wittingen/Stöcken, Gades-Vorgänger Axel Bühlow inkludiert, sieben Jahre lang mit Trainern aus dem inneren Zirkel gearbeitet. Schüttenberg: „Das waren sieben schöne Jahre, aber nun ist es an der Zeit, dass wir etwas Neues probieren.“

Gades versteht es nicht

Ein Cut, der bei Gades Kopfschütteln hervorruft. „Ich muss die Entscheidung des Vereins akzeptieren – verstehen werde ich sie aber nicht!“ In seinen Augen fehlen die stichhaltigen und plausiblen Argumente, die gegen seinen Verbleib sprechen würden. Abnutzungserscheinungen könne er nicht erkennen. Erst Recht angesichts der pausenlosen Umbrüche, die das Team in den vergangenen Jahren erlebt hat.

Trotz dieser widrigen Umstände „machen wir das Bestmögliche aus der Situation“, betont Gades im Wissen, dass im Schnitt nur zu neunt trainiert wird. Weder die Selbst-Reflexion noch die Gespräche mit den Spielern („Die Jungs verstehen es auch nicht“) hätten ihm Gründe für die bevorstehende Scheidung aufgezeigt. Nach insgesamt neun Jahren in unterschiedlichen Trainer-Funktionen hätte Gades eine andere Wertschätzung erwartet. Dennoch zieht er das Projekt bis zum Ende durch: „Mein Ziel ist es, die letzten elf Spiele zu gewinnen.“

Divjak überzeugt Verein

Dann folgt ihm Dirk Divjak. Derzeit noch verantwortlich für den Herren-Regionsligisten HSG Müden/Seershausen (siehe links). „Wir freuen uns, mit Dirk einen motivierten und qualifizierten Trainer verpflichtet zu haben. Seine Idee vom Handball hat uns im Vorstand überzeugt. Wir denken, mit ihm neue, erfolgreiche Wege beschreiten zu können“, sagt Schüttenberg.

VON INGO BARRENSCHEEN

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