Judo-Ass aus Lessien hätte sich frühere Gewissheit gewünscht

Olympia-Nominierung erst Mitte Juni! Für Giovanna Scoccimarro „zu knapp“ bemessen

Giovanna Scoccimarro (r.) beim Judo Grand Slam am 22.02.2020 im ISS Dome in Düsseldorf gegen Chizuru Arai ( JPN ). Die Lessienerin wartet weiterhin auf ihre endgültige Olympia-Nominierung.
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Sie trainiert seit gestern nicht nur Kondition auf La Palma, sie braucht auch Ausdauer in Sachen Olympia-Nominierung: Giovanna Scoccimarro (r.).
  • Ingo Barrenscheen
    VonIngo Barrenscheen
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Raus aus der freiwilligen Quarantäne, rein in den Flieger. Nach den nervenaufreibenden Tagen zuletzt ist ein kleiner Tapetenwechsel vielleicht gar nicht so verkehrt für Giovanna Scoccimarro. Am Dienstag ist das Judo-Ass aus Lessien mit dem Frauen-Olympia-Team in ein zweiwöchiges Konditions-Trainingslager auf der Kanaren-Insel La Palma aufgebrochen.

Lessien/La Palma – Mit im Gepäck waren die weiterhin nagenden Restzweifel, ob sich in diesem Sommer tatsächlich ihr großer Traum vom Start bei den Olympischen Spielen erfüllt. Eigentlich hatte der Deutsche Judo-Bund ursprungs den 7. April für die Bestätigung der Vornominierungen ins Auge gefasst. Diese Deadline ist verstrichen. Weil die deutschen Top-Athleten nicht wie angedacht bei den Grand Slams in Tiflis und Antalya antreten konnten. Das Turnier in Georgiens Hauptstadt hatte sich zum Corona-Hotspot entwickelt, der DJB brach daraufhin ohne Wettkampf schnell die Zelte ab (das IK berichtete).

Noch hat Scoccimarros Vornominierung Bestand

Also hieß und heißt es weiter warten für Scoccimarro. Warten, ob ihr eigentlich schon 2020 verbrieftes Ticket nach Tokio weiterhin Bestand hat. Olympia wurde verschoben – und dadurch auch die vermeintlich sichere Qualifikation für die 23-Jährige. Bis jetzt, das hat ihr Bundestrainer Claudiu Pusa zuletzt bestätigt, hat die Kämpferin vom MTV Vorsfelde weiterhin die Nase vorn im Duell mit ihrer nationalen Nebenbuhlerin Miriam Butkereit (TSV Glinde). Scoccimarro ist Weltrangliste-Achte, in der bereinigten Olympia-Liste (jedes Land darf pro Gewichtsklasse nur eine Teilnehmerin nach Japan schicken) sogar Fünfte. Butkereit lauert noch in Schlagdistanz (Platz zwölf respektive neun).

„Das wäre zu knapp vor den Spielen.“ 

So hatte sich Giovanna Scoccimarro wenige Stunden vor der Bekanntgabe des DJB geäußert, dass die WM in Budapest Mitte Juni zum entscheidenden Olympia-Prüfstein wird

Grand Slam in Kasan und WM in Budapest als Zünglein an der Waage

Aufgrund der jüngst gestrichenen Wettbewerbe werden nun der als Ersatz in den Fahrplan mit aufgenommene Grand Slam in Kasan (5. bis 7. Mai) und die Weltmeisterschaft in Budapest (6. bis 13. Juni) zum Zünglein an der Waage. Das teilte DJB-Kommunikationsreferent Lino Hermanns gestern auf IK-Anfrage mit: „Der endgültige Kader wird aufgrund der Pandemie und der daraus resultierenden Einflüsse erst nach der WM am 15. Juni bekanntgegeben.“ In Scoccimarros Augen zu spät: Denn so bleibt nur noch rund ein Monat bis zum Olympia-Start. „Das wäre zu knapp vor den Spielen“, hatte sie am Vormittag noch gesagt. Doch ihr Ansinnen („Ich würde es mir früher wünschen“) wurde durch die Mitteilung des Verbands aufgehoben. Sie muss also noch einmal zwei Tests auf Herz und Nieren bewältigen und ihr Leistungsniveau halten, um sicher dabei zu sein beim Weltereignis im Zeichen der fünf Ringe.

Sie hat sich in Lessien schon warmgelaufen...

Bis dahin kann sie sich beim Kraft- und Konditionsblock in La Palmas Hauptstadt Santa Cruz ablenken. Dort bezieht der deutsche Kader ein eigenes Hotel, Touristen sollen nicht zugegen sein. Was zur Minimierung des Corona-Risikos von erheblichem Vorteil sein würde. Schon während ihrer Quarantäne nach der Rückkehr aus Tiflis im heimischen Elternhaus in Lessien (dort hatte sie einen eigenen abgegrenzten Bereich) hätte sie die ein oder andere Laufrunde absolviert, wurde lecker von ihrer Mama bekocht – und begrüßt die Fortsetzung am Atlantischen Ozean. „Den Großteil der Einheiten finde ich schon cool. Wir werden lange Strecken laufen, da freue ich mich schon drauf. Ich bin froh, ein bisschen Abwechslung drin zu haben.“

Nach der Rückkehr bleiben dann noch einmal gut zwei Wochen, um sich mit Blick auf Kasan wieder judospezifisch einzugewöhnen. Dann gilt es, ihren Status quo zu bestätigen.

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