SV-Mitglieder machen Weg frei für Zentrum an Zahrenholzer Straße / 330 000 Euro für Anbau / „Solidarisieren, auch wenn es wehtut“

Oesingen stimmt für Vereinsheim-Aufgabe

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Sein Appell zeigte Wirkung: Detlef Falke, Vorsitzender des SV Groß Oesingen, erhielt von der Versammlung die Zustimmung...

Groß Oesingen. Der erste Schritt zu einem schweren Schritt haben die Mitglieder des SV Groß Oesingen am Sonntagabend bei der Jahreshauptversammlung vollzogen.

Nachdem die 109 Stimmberechtigten den bisherigen Vorstand ohne Gegenstimmen bei vier Enthaltungen im Amt bestätigt hatten, gaben sie auch einstimmig grünes Licht für die Pläne, das alte Vereinsheim an der Molkereistraße an die Gemeinde zu verkaufen.

...für den endgültigen Auszug der Fußballer aus dem alten Sportheim an der Molkereistraße. Das Traditions-Areal soll komplett aufgegeben werden, an der Zahrenholzer Straße entsteht dann ein erweitertes SV-Zentrum.

Im Zuge dessen soll auch der A-Platz aufgegeben werden. Künftig soll dann das zweite Vereinsheim an der Zahrenholzer Straße, das 1989 gebaut wurde und an dem der B-, C- und D-Platz liegen, das neue Vereins-Domizil werden. Das geplante Sport-Zentrum soll allerdings durch einen Anbau erweitert werden, erklärte der Vorsitzende Detlev Falke. Denn die derzeitigen Umkleiden sind zu klein, vor allem aber fehlt ein Lagerraum für die Gerätschaften, die für die Platzpflege nötig sind.

Insgesamt ist auch eine Menge Geld im Spiel, und das gestaltet sich nicht so einfach, wie zuvor gedacht, wie Falke konzedierte. Vorstandsmitglieder hatten ein Seminar besuchen müssen, denn ohne Landessportbund-Zuschuss werden die Vorhaben nicht gelingen. Auf 330 000 Euro bezifferte Falke die Kosten für Anbau und eine LED-Flutlichtanlage für den B-Platz. Für beide Projekte könnten bis zu 35 und 30 Prozent Zuschüsse vom LSB fließen, allerdings sei dafür eine feststehende Finanzierung die Voraussetzung. Die soll mit Eigenmitteln und dem Erlös aus dem Verkauf des alten Vereinsheims und des Grundstücks darunter an die Gemeinde und vor allem mit einem Zuschuss der Gemeinde aufgestellt werden. Dafür hat die Gemeinde bereits im vorletzten Jahr 250 000 Euro in den Haushalt eingestellt, wie auch Bürgermeister Jürgen Schulze erklärte. „Bis September haben wir für die Anträge der Zuschüsse Zeit, die dann im Laufe des Winters entschieden werden“, erklärte Falke den Fahrplan.

Baubeginn der Erweiterung am dann einzigen Vereinsheim könnte im Frühjahr 2019 sein. Für die Maßnahme ließ sich der Vorstand auch die Aufnahme eines Darlehens zur Finanzierung sowie die Möglichkeit einer Kreditaufnahme für eine gegebenenfalls erforderliche Zwischenfinanzierung von der Versammlung genehmigen. Eine Finanzierung über eine Beitragserhöhung oder über andere Sparten erteilte Falke eine klare Absage. „Die Tennisspieler oder die Gymnastikdamen sollen nicht die Fußballsparte finanzieren.“

Die Notwendigkeit der gesamten Umzugsmaßnahme wurde während der Versammlung ebenfalls deutlich. Immer weniger Fußballmannschaften, ein altes Vereinsheim am A-Platz aus dem Jahre 1953, das nur noch mit einem Zeitwert von 18 000 Euro taxiert wird, zudem schlecht isoliert ist, seien rationale Gründe für einen Umzug. Die Tradition und die Atmosphäre dort sprächen allerdings klar dagegen.

Gerade mit der Tradition des Vereins argumentierte vor dem Votum über den Vorstand der Ehrenvorsitzende Rolf Malzahn. Er warnte vor einem Scheitern der Pläne, die danach abgestimmt werden sollten. „Der SV Groß Oesingen hatte bisher sehr wenige Vorsitzende,, er hat 550 Mitglieder und eine 108-jährige Tradition“, zählte er auf. „In all den Jahren hat sich jemand gefunden, der alles organisiert hat. Das ist keine Selbstverständlichkeit.“ Er selber entwickele als Anwohner des A-Platzes Wehmut, wenn das Areal, auf dem er früher schon „gebolzt“ habe, aufgegeben werden müsse. „Es ist schwer zu sehen, wenn solch ein Standort, so ein Stadion, diese tolle Atmosphäre nicht mehr gehalten werden können. Aber wir müssen die gesellschaftspolitische Entwicklung akzeptieren“, sagte Malzahn. Bei einem negativem Mitgliederentscheid drohe die Gefahr, dass innerhalb von zwei Jahren die 108-jährige Vereinstradition zusammenbreche. „Wir müssen Vertrauen in die Entscheidung des Vorstands legen, der diese nicht fahrlässig oder leichtfertig trifft“, sagte der Ehrenvorsitzende und rief dazu auf, „sich zu solidarisieren, auch wenn es weh wehtut für diese „starken Worte“ gab es von Falke, der ebenfalls appellierte. „Es liegt an uns, ob wir die Atmosphäre auf unser neues Vereinsgelände übertragen.“

Mehr zur Versammlung des SV Groß Oesingen lesen Sie in der Mittwoch-Ausgabe im IK.

Von Burkhard Ohse

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