Fußball – Kreisliga: Knesebecks Francesco Natale über den ellenlangen und kuriosen Weg zum VfL

„Nie im Leben werde ich hier spielen!“

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Er hat das Auge: Mit seiner spielerischen Cleverness weiß Francesco Natale zu überzeugen.

Knesebeck. Manchmal entscheiden die kleinsten Dinge darüber, wie es im Leben weitergeht. So auch in der Geschichte um Francesco Natale und den VfL Knesebeck. Im IK-Liga-Talk beschreibt er den kuriosen Werdegang seiner Fußballerlaufbahn.

Der in Sachsen-Anhalt aufgewachsene Sizilianer erinnert sich zurück: „Ich habe, wie jeder kleine Junge, einen Ball gesehen und ein bisschen mit dem Bruder gekickt.“ Daraufhin entschloss der Vater, seine Söhne beim Haldensleber SC anzumelden. Natale war damals 12 Jahre jung. „Für den SC war es allerdings schnell klar, dass es für uns nicht reichen würde.“

Knesebecks Kreativposten, hier im Zweikampf, weiß um seine Schwächen in der Defensivarbeit.

In Neuenhofe nun angelangt, bemerkte der HSC doch, dass die beiden Brüder kicken können. Natale: „Der Vereinspräsident kam mit Tasche, Trainingsanzug und so weiter ins Restaurant meines Vaters und wollte uns zurück haben.“ Natale blockte ab. In Oschersleben kam er später noch zu Einsätzen in der Verbandsliga. Und sogar Drittligist VfL Osnabrück klopfte beim Italiener an, bot ihm als damals A-Jugendlicher eine Probewoche an. „Der Trainer sagte nach einem Testspiel gegen Arminia Bielefeld, dass, wenn ich dem jüngeren Jahrgang der A-Jugend angehört hätte, ich eine Chance bekommen hätte.“

Wegen der Ausbildung musste der heutige Kundenbetreuer der Allianz-Versicherungen seine Segel gen Wolfsburg streichen, weswegen er das Fußballspielen beendet hatte. Als er dort ein paar Italiener kennenlernte, wurde der 26-Jährige eingeladen, beim VfR Eintracht Nord mitzutrainieren, „doch das war nicht das Wahre“, berichtet er.

Einige Zeit später folgte bei einem Freizeitturnier die Einladung zum Training nach Hillerse. Doch seine Frau sagte ihm: „Wenn du wieder anfängst, dann in Knesebeck!“ Hintergrund: Natales Schwiegervater ist im Förderverein und der Bruder selbst spielt für den VfL. Als sich Natale dann ein Auswärtsspiel ansah, den dortigen „Bolzplatz“ (Natale) gesehen hatte, entschloss er: „Nie im Leben werde ich hier spielen!“

Es glich einem Kulturschock, denn bei seinen vorgerigen Stationen sei alles top gewesen. „Darum“, so Natale, „ist es überraschend, dass ich in Knesebeck gelandet bin.“ Bereuen tut er dies nicht. „Ich bin extrem glücklich in Knesebeck, die Gemeinde und die Leute im Verein sind top!“

Beim VfL sieht sich der Zehner als Leitwolf. Gemeinsam mit Kapitän Andre Haven ziehe er die Fäden. In der laufenden Spielzeit erzielte der Mittelfeldmann vier Saisontore. Persönlich sehe er sich allerdings eher als Vorlagengeber. „Meine Stärken sind die Übersicht, Technik und die Pässe in die Schnittstelle“, bekräftigt er. Seine Schwäche sei hingegen die Rückwärtsbewegung, sowie sein schwacher, rechter Fuß.

Mit Knesebeck hat er noch einiges vor, so wolle man dieses Jahr eine Platzierung unter den ersten fünf oder drei Teams erreichen. Ob der VfL in den kommenden Jahren gar nach höheren Sternen greifen und den Aufstieg anvisieren kann? „Auf jeden Fall, die Qualität ist allemal bei uns vorhanden.“

Niederlagen wie gegen Groß Oesingen vergangene Woche (0:3) sind jedoch kein Argument dafür. „Klar haut uns das um“, offenbart Natale und fügt an: „Solche Spiele darf man nicht verlieren.“ Allerdings betont er zugleich, dass einige wichtige Akteure, darunter Natale und Haven, gefehlt hatten.

Am kommenden Sonntag gastiert der SV Westerbeck in Knesebeck. Dass die Gäste im Tabellenkeller stecken überrasche den Spielmacher. „Wir brauchen uns nicht zu verstecken und wollen spielerisch Lösungen suchen“, betont der 26-Jährige. Ob er das Ziel verfolgt, nicht irgendwann doch nochmal höherklassiger anzugreifen? „Ich habe schon Bock, höher zu spielen“, sagt er. Der zweifache Vater fügt allerdings hinzu: „Ich möchte genug Zeit mit meiner Familie verbringen und auch beruflich vorankommen. Das geht vor.“

Von Rouven Peter

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