Handball – Landesliga Damen: Trainer Zugier tritt zurück, Gades übernimmt

Ein neuer Impuls „als letzter Strohhalm“

Flasche leer... Weil er das Team nicht mehr erreicht hätte, trat Wolfgang Zugier (r.) bei den SG-Damen zurück.
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Flasche leer... Weil er das Team nicht mehr erreicht hätte, trat Wolfgang Zugier (r.) bei den SG-Damen zurück.

Wittingen – Im Handballsport ist gerne von Auslöse-Handlungen die Rede. Bei Wolfgang Zugier erfolgte diese am vergangenen Samstag bei der bitteren Heimpleite der SG VfL Wittingen/Stöcken gegen die HSG Liebenburg-Salzgitter.

Rücktritt: Wolfgang Zugier macht Platz für einen neuen Impuls. Diesen soll Herrencoach Christian Gades (r.) setzen.

Als fünf Minuten vor Ultimo die Routiniers allesamt kniffen und stattdessen Youngster Greta Vahldieck an den Punkt treten musste (und vergab). „Das war für mich ein Zeichen“, sagt Zugier. Ein Zeichen dafür, dass die Köpfe vollends blockiert sind und etwas passieren muss. Also zog der hiesige Damen-Coach die Reißleine und bot tags darauf seinen Rücktritt an. „Um noch einmal einen Impuls zu setzen. “

Dem Gesuch entsprach der SG-Vorstand angesichts der sportlichen Schieflage, am Dienstagabend verabschiedete sich Zugier schweren Herzens vom Landesliga-Letzten. Als Interimslösung soll nun Herren-Trainer Christian Gades in Doppelfunktion die Kohlen aus dem Feuer reißen.

Ein ärgerlicher Cut, betonen beide Seiten. Aber letzten Endes ein zwangsläufiger. Logisch: Allen Beteiligten war klar gewesen, dass es durch den Umbruch eine schwierige Saison werden könnte. Aber so heikel hatte es sich dann doch niemand ausgemalt. „Wir verlieren ja nicht, weil wir schlechter sind. Sondern weil wir mehr Fehler machen“, sagt Zugier. Sprich: Wittingen/Stöcken hat ein Kopfproblem. „Ich hänge an den Mädels und bin da hochambitioniert rangegangen.

Aber ich habe das Gefühl, mein Pulver verschossen zu haben. Sie müssen irgendwie aus dem Tal rausgekommen, das habe ich nicht geschafft“, nennt der zurückgetretene Übungsleiter seine Beweggründe. „Ich muss mich fragen: Warum kriege ich sie nicht gekitzelt!?“ Am Samstag war der Punkt erreicht, an dem Zugier keinen anderen Ausweg mehr sah. Für ihn „sehr ernüchternd“.

Es ist eine Trennung ohne Groll. Doch auch die Verantwortlichen der SG VfL sahen, bei allem Trainer-Verschleiß der jüngeren Jahre, die Notwendigkeit zum Handeln. „Wir sind gefordert, einen neuen Akzent oder Reiz zu schaffen. Als letzter Strohhalm“, erklärte Tatjana Sablottny, zuständig für den Damenbereich. Und dieser Strohhalm heißt Christian Gades. In ihren Augen „derzeit die beste Lösung. Weil er einen großen Teil der Mannschaft kennt. Vielleicht schafft er es, die Mannschaft noch einmal in die Spur zu bringen“, so Sablottny.

Neun Spiele verbleiben dem Schlusslicht noch, um das kleine Wunder zu vollbringen. „Die Ausgangslage ist schwierig. Solange aber rechnerisch noch alles möglich ist, sollten wir auch dran glauben“, betont Gades. Ihm blüht jetzt ein intensives Vierteljahr. „Das musste ich mir auch erst einmal gut überlegen. Das ist eine enorme zeitliche Belastung, die auf mich zukommt. Ich hätte das nicht für jede Mannschaft gemacht.“ Besonders der geistige Spagat wird „spannend“, meint Gades. Aufstiegskampf mit den Herren, Abstiegskampf mit den Damen. „Und das teils mit dem Unterschied von einer halben Stunde...“

Einige Male wird es auch zu Termin-Überschneidungen kommen. „Da versuchen wir, noch Lösungen zu finden.“ Andernfalls sei aber für Alternativen vorgesorgt.

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