Fußball: TV Emmen feiert nach elf Jahren die phönixhafte Rückkehr in die 1. Kreisklasse

Die Namen sind gleich – die Gesichter neu

Spontan-Update: Am Sonntag wurden als Meister-Shirts auf den Titel 2020 getrimmt.
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Spontan-Update: Am Sonntag wurden als Meister-Shirts auf den Titel 2020 getrimmt.

Emmen – Ein loser Blick auf die Nachnamen erweckt den Anschein, die Mannschaft hätte sich seit mehr als einer Dekade nicht gravierend verändert. Ein Trugschluss. Denn beim letztmaligen Gastspiel in diesen Fußball-Sphären waren es Kristoph, Klaas oder Kai Hildebrandt.

Heute ist es Klemens Hildebrandt. Christoph und Hannes statt Henning Buhr.

Oder Tyark und Lukas statt Björn und Andy Bölsche. Nomen ist ganz offensichtlich Omen beim TV Emmen, wenn es um die 1. Kreisklasse geht. Dort, wo einstmals schon „die Väter, Onkel, Großeltern oder bärtigen Cousinen dritten Grades“ kickten (amüsanter O-Ton eines Social Media-Posts vom Wochenende), steigen die Rot-Blauen durch den nunmehr beschlossenen Saison-Abbruch in NFV erstmals nach geschlagenen elf Jahren wieder auf!.

Nur ein einziger Mohikaner der früheren Glanzzeiten ist noch verblieben. Wobei Routinier Mark Jeske in der jäh unterbrochenen Spielzeit lediglich als Aushilfs-Notnagel zu zwei Kurzeinsätzen kam. Er hatte schon 2009 den Niedergang unter Trainer Bernd Borchers miterlebt. Ansonsten ist es ganz frische Geschichte, die die TVE-Heroen von heute noch ihren Enkeln erzählen können...

Keine Aufstiegssause, aber „Gefühls-Euphorie“

Der Beschluss des außerordentlichen Verbandstags am Sonnabend beendete die entbehrungsreiche Periode für den Überraschungs-Spitzenreiter der 2. Kreisklasse 1. Sieben Monate nach dem letzten Punktspiel der ersehnte Moment. „Es stimmt, wir haben auf das Ergebnis gewartet“, gibt Erfolgs-Coach Andreas Tack offenkundig zu. Dennoch entbrannte nach der Vollzugs-Meldung keine Liverpool-like Sofa-Meister-Party. „Eine Aufstiegssause war es nicht. Auf dem Sportplatz war ein bisschen was los, aber alles Corona-mäßig, mit Abstandsregeln“, schlägt Tack den Ton der Zeit an. Dennoch sei eine gewisse „Gefühls-Euphorie“ zu erkennen gewesen. Die Mannschaft wünscht sich, dass es irgendwann noch eine richtige Feier geben kann. „Das gehört einfach dazu. Es ist ja für das ganze Dorf ein Ereignis, an dem wir so viele Leute wie möglich teilhaben lassen möchten. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben.“

Tack packt das Team offenbar richtig an

Insgeheim hatten sich die Emmener nach dem direkten Wiederaufstieg von der 3. in die 2. Kreisklasse ausgemalt, eine gute Rolle spielen zu können. „Wenn man mal drei Jahre zurückdenkt...“, verweist Tack auf seine vorherige Amtszeit. Damals scheiterte der TVE erst in der Aufstiegs-Relegation an der Rückkehr in die 1. Kreisklasse. Tack hörte auf. Es ging abwärts. Und nun direkt wieder zwei Stufen der Erfolgs-Leiter hoch! Wie der Phönix aus der Asche. Der Schluss liegt nah, dass es irgendwie an seiner Person liegen könnte. „Die Befürchtung habe ich tatsächlich“, grinst der Übungsleiter. Offenbar wählt er die richtige Mischung aus Zuckerbrot und Peitsche. „Man muss auch mal ein Auge zudrücken.“

Für TVE wird es „riesige Herausforderung“

Dennoch hatte auch Tack nicht wirklich gedacht, „dass es so schnell kommt. Ein tolles Ergebnis. Und eine riesige Herausforderung.“ Die Kluft zwischen der alten und neuen Liga ist, das hat die Vergangenheit vieler Vorgänger gezeigt, sehr groß. Tack bekräftigt: „Die Qualität gibt es her, die Klasse zu halten. Aber wir müssen eine andere Fitness auf den Platz bringen.“ Euphorisiert vom Aufstieg hat das TVE-Team beschlossen, „keine großartige Sommerpause machen zu wollen. Wir werden trainingsmäßig durchziehen.“

Nach 15 Jahren wieder gegen großen HSV

Um gewappnet zu sein. Etwa für die Prestige-Duelle mit Erzrivale SV Hankensbüttel. Ab sofort geht es nicht mehr gegen die HSV-Reserve, sondern gegen den großen Nachbarn. „Das ist wahrscheinlich eine gefühlte Ewigkeit her“, mutmaßt Tack. Richtig! Letztmals standen sich beide Klubs am 22. Mai 2005 in einem Punktspiel gegenüber. Enno Harms schoss den bereits als Meister feststehenden HSV zum 1:0-Sieg. Nun also die Wiedervereinigung. Tack frohlockt: „Das werden mit Sicherheit Derby-Highlights.“

VON INGO BARRENSCHEEN

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