Frauenfußball – VfL-Königinnen feiern „fantastischen Erfolg“ nur kurz – Essen wartet

Nächstes Ziel: Berlin 2015!

Will den Henkelpott am liebsten auch 2015 in Berlin nach oben recken: Wolfsburgs Erfolgs-Coach Ralf Kellermann. Foto: dpa

Wolfsburg. Allzu ausschweifend fiel die Sause nicht aus.

Zwar feierten die Fußball-Frauen des VfL Wolfsburg die erneute Besteigung des Uefa-Olymps in der Nacht zu Freitag bis in die frühen Morgenstunden im noblen Pousada de Cascais - Cidadela Historic Hotel vor den Toren Lissabons. Doch nach der erstmaligen Titelverteidigung einer deutschen Mannschaft in der Champions League durch das atemberaubende 4:3 gegen Tyresö FF wartet gleich wieder der Bundesliga-Alltag auf die Königinnen Europas.

Eine Riesen-Willkommensparty wird es in Wolfsburg am Wochenende nicht geben – diese wurde auf den Pfingstsonntag, 8. Juni, verschoben. Stattdessen setzte Erfolgs-Coach Ralf Kellermann für den heutigen Sonnabend Training an. „Die Saison ist für uns noch nicht beendet“, verwies Kellermann vor dem Heimspiel gegen den Pokalfinalisten SGS Essen (Sonntag, 14 Uhr) auf die Chance, auch die Deutsche Meisterschaft ein zweites Mal in Folge gewinnen zu können. Die Wölfinnen liegen drei Spieltage vor Schluss nur einen Zähler hinter Frankfurt und Potsdam.

Für den magischen Moment zählte aber nur der historische Abend von Lissabon. Nach dem Henkelpott-Coup prasselten nur so die Lobeshymnen auf den VfL ein. „Die Spitze zu verteidigen, ist bekanntlich schwerer, als sie zu erklimmen. Dass die Frauen des VfL Wolfsburg dies geschafft haben und wieder die Nummer eins in Europa sind, ist ein fantastischer Erfolg“, zog VW-Chef Martin Winterkorn den Hut vor Martina Müller und Co. Auch DFB-Präsident Wolfgang Niersbach, der das Endspiel live im Stadion verfolgte, war verzückt: „Das war Super-Werbung für den Frauenfußball im Allgemeinen und für den deutschen Frauenfußball im Speziellen!“

Zu den Gratulanten zählte auch Bundestrainerin Silvia Neid: „Der VfL hat sich damit als europäisches Spitzenteam etabliert.“ Angesichts des 0:2-Rückstandes zur Pause war dieses Happy End nie und nimmer abzusehen gewesen. „Nach dem Triple 2013 war das eine kaum glaubliche Fortsetzung. Man hat wieder gesehen, dass diese Mannschaft nie aufgibt“, frohlockte VfL-Geschäftsführer Thomas Röttgermann. Auch Kellermann sprach von einer „sensationellen Energieleistung“. Wolfsburgs Profi Marcel Schäfer hatte es ebenfalls kaum auf dem Sofa gehalten. „Was für ein Wahnsinns-Finale! Ich bin stolz auf unsere Frauen!“

Die Heldinnen selbst vermochten das Geschehene kaum zu realisieren. „So ein Spiel habe ich noch nicht erlebt. Das hat uns schon ziemliche Nerven und Energie gekostet“, sagte Kapitänin Nadine Keßler, die zur besten Spielerin des Abends gekürt wurde. „Der absolute Wahnsinn! Schöner als heute Abend kann es nicht sein“, strahlte Müller, wie schon 2013 in London Siegtorschützin für Wolfsburg.

Inmitten der Jubelarie verkündete Kellermann aber gleich den nächsten großen Traum. „Unser Ziel ist jetzt schon das Champions-Finale 2015 in Berlin!“ Das Endspiel praktisch vor der Haustür müsse einfach die Vorgabe aller deutschen Teams sein. Als Nahziel aber wartet nun der Titel-Endspurt in der Bundesliga. Essen soll die Euphorie morgen zu spüren bekommen.

Von Ingo Barrenscheen

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