IK-Nachspielzeit: Fast-Abbruch in Westerbeck hat Folgen / Wilsche wildert in Wagenhoff: Niklas Ptassek kommt im Winter

Nach Provokationen: Schiri schmeißt hin!

Niklas Ptassek wechselt von Wagenhoff nach Wilsche.
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Niklas Ptassek wechselt von Wagenhoff nach Wilsche.

Von Saubermännern zu Bad Boys? Diesem Eindruck trat Torben König entschieden entgegen. Binnen zwei Spielen handelte sich der SV Groß Oesingen in der Kreisliga viermal glatt Rot ein! „Das gibt ein absolut falsches Bild ab.

In den vergangenen drei Jahren waren wir immer mit die fairste Mannschaft im Ranking“, bekräftigte der Coach nach dem wilden 3:3 gegen den VfL Vorhop. In seinen Augen waren die beiden Platzverweise gegen sein Team überzogen gewesen. Deshalb nahm König auch, anders als sonst, den Schiedsrichter Dirk Meyer (SV Hagen-Mahnburg) aufs Korn. Allerdings: Im Fußball scheiden sich bekanntlich häufig die Geister. Das war auch bei den zwei Hinausstellungen so. Die Rote Karte gegen Groß Oesingens Arne Heers nach einem Schubser gegen Florian Schneider empfand König als „nicht gerecht“. Sein Vorhoper Pendant Walter Dürkop sah das genau andersherum („Eine klare Tätlichkeit“) und hatte auch seine eigene Meinung zum zweiten Rotsünder Emanuel Münker: Der SV-Keeper war weit aus seinem Hoheitsgebiet zu einer einer kleinen Rudelbildung gerannt. „Da muss der Torwart gar nicht hin“, so Dürkop. König wiederum hätte sich in dieser Szene Gleichberechtigung gewünscht: „Oder er gibt einfach gar nichts, weil alle schubsen. “ Vorhops Übungsleiter prangerte übrigens noch etwas anderes an: „Ich weiß nicht, wie oft unser Torwart Christian Graf behandelt werden musste. Er wurde massiv angegangen, das war schon grenzwertig. “ So oder so ein äußerst diskussionswürdiges Match.

Und noch ein Unparteiischer stand am Sonntag in der Kreisliga im Fokus. Sven Pohlmann (TV Emmen) war drauf und dran, das Spiel zwischen dem SV Westerbeck und VfL Germania Ummern in der Halbzeitpause abzubrechen! Sehr zur Verwunderung beider Mannschaften. Die saßen schon in den Kabinen, als Pohlmann reinkam und verkündete, er werde nicht weiterpfeifen, weil er von Zuschauern verbal attackiert worden sei. „Er meinte, dass er sich das nicht mehr gefallen lässt“, schilderte SVW-Coach Hartmut Müller. Für ihn dennoch unverständlich. „So etwas habe ich in 53 Jahren Fußball noch nicht erlebt. Ich habe ihm gesagt: Das kannst du nicht machen. Wenn die Zuschauer was reinrufen, liegt das nicht am Verein oder den Mannschaften. Da muss er über den Dingen stehen.“ Doch offenbar gab es eine Vorgeschichte, wie Pohlmann auf IK-Nachfrage erklärte. Eine Woche zuvor hatte er ein schwieriges Spiel von Westerbecks Zweiter in Osloß mit drei Gelb-Roten und neun Gelben Karten leiten müssen. Und die Reserve-Kicker hätten ihn schon vor dem Anpfiff des Kreisliga-Duells mit unschönen Kommentaren empfangen. Die Provokationen hätten sich durch die komplette erste Hälfte gezogen. Im Nachhinein betrachtet hätte er dann – „emotional aufgeladen“ – einen Fehler begangen, räumte der Referee ein. Er stellte die pöbelnden Zuschauer zur Rede, bot ihnen an, doch selbst zu pfeifen. Und hätte weiteren Spott („Du kannst dich jetzt auch umziehen“) geerntet. Das sei der Tropfen gewesen, der das Fass zum Überlaufen brachte. „Für Außenstehende mag es hochgefriffen sein. Aber es war einfach ein Punkt erreicht: Bis hierher und nicht weiter. Es geht um Respekt, und der war einfach nicht vorhanden.“ Es bedurfte erst intensiver Fürsprache unterschiedlicher Beteiligter, ehe der Schiri die Begegnung nach knapp einer halben Stunde Unterbrechung doch noch fortsetzte. „Wir hatten zwischendurch schon den Spielausschuss-Vorsitzenden Timo Teichert angerufen und gefragt, was in so einem Fall zu tun ist“, rätselte Ummerns Trainer Jörg Drangmeister. Bei einem Spielabbruch wäre die Frage gewesen: Neuansetzung oder Spielwertung? „Das wäre ein Ungewissheit gewesen“, war Drangmeister froh, dass die Partie dann doch auf dem grünen Rasen entschieden wurde. Mit 4:0 zugunsten seiner Germanen. „Ich hatte den Jungs ja schon gesagt, sie sollen sich auslaufen und musste sie erst einmal wieder auf Spannung kriegen.“ Und doch hat die ganze Geschichte einen dicken Wermutstropfen: Pohlmann erklärte Gifhorns Schiedsrichter-Ansetzer Thorsten Swit am Abend nach einem langen Gespräch, dass er längste Zeit zur Pfeife gegriffen hat! „Die Mannschaften von Westerbeck I und Ummern haben sich top verhalten, es war ein faires Spiel. Aber ich bin nicht der Prellbock für Leute, die sich an mir austoben wollen. Das tue ich mir nicht mehr an.“

Der Navi würde jetzt wohl sagen: Sie haben ihr (Saison-) Ziel erreicht... Der Aufsteiger SV BW Rühen hatte sich vor dem Start in die Kreisliga ausnahmslos den Klassenerhalt als Wunschmarke vorgenommen. Nach zwölf Begegnungen führen die Blau-Weißen allerdings die Tabelle mit 25 Punkten an! Zum Vergleich: Diese Ausbeute reichte dem VfL Vorhop in der Vorsaison knapp zum Klassenerhalt, der VfL Wittingen/S. musste mit 24 Zählern runter. „Vielleicht haben wir unser Saisonziel schon erreicht“, schmunzelte Kapitän Fynn Jennerich nach dem 2:1-Arbeitssieg beim SV Triangel. Dennoch bleiben die Rühener auf dem Boden der Tatsachen. Jennerich: „Na klar ist es für uns eine schöne Momentaufnahme. Aber vom Aufstieg wollen wir nichts wissen. Wir gucken auf das gesicherte Mittelfeld.“ Ein Glücksbringer in führender Funktion scheint übrigens René Boße zu sein: Viermal ist der Co-Trainer in der Vergangenheit als Ersatz für seine abwesenden Chefs Sören Henke und André Thiele eingesprungen, dabei sprangen drei Siege und ein Remis heraus. Dafür gab’s Lob vom Capitano: „Er hat einen guten Job gemacht.“

Apropos Sören Henke. Der Feuerwehrmann feierte in seinem zweiten Spiel an der Seitenlinie des FC Germania Parsau den erlösenden ersten Sieg gegen den SV Jembke (4:0). Die Erleichterung bei den Blau-Gelben kannte keine Grenzen. „Man hat der Mannschaft angemerkt, dass einige Brocken Last abgefallen sind. Gerade bei den gestandenen Spielern, die emotional sehr eng mit dem Verein verbunden sind.“ Der als selbst ernannter Aufstiegsaspirant in die Serie gegangene Club verließ damit fürs Erste wieder die Abstiegsplätze. Nach Spielende hätten seine Jungs „gefeiert, als hätten sie sonstwas gewonnen. Das mag für Außenstehende übertrieben gewesen sein“, grinste Henke. „Sie konnten sonntagsabends endlich mal mit einem guten Gefühl ins Bett gehen.“ Dabei hatte Parsau nur zwölf fitte Spieler zur Verfügung. Der FC-Coach: „Aber die haben sich aufgeopfert.“

Dass zwei Lokalrivalen nach dem Derby schiedlich-friedlich zusammensitzen und feiern, ist durchaus außergewöhnlich. Zwischen den Teams des SV Steinhorst und SV Groß Oesingen II entwickelt sich dieses Wir-Gefühl aber offenbar zum Standard-Prozedere. Wie schon in der Spielzeit zuvor verlegten die Clubs das Prestige-Duell auf einen Freitagabend, um dann in großer Runde zusammenzusitzen. Damals mussten sich im Anschluss die Steinhorster „einige dumme Sprüche anhören“, meinte SVS-Coach Frank Kalinowski. Dieses Mal war es genau andersherum, denn die Grün-Weißen triumphierten klar mit 4:0 und hüpften völlig losgelöst im Kreis mit „Derby-Sieger“-Schlachtgesängen auf den Kippen. Salz in den Wunden einiger Gäste-Zuschauer. „Die Oesinger Spieler mussten sich von einigen Altgedienten anhören, wie sie sich so zerlegen lassen konnten“, schmunzelte Kalinowski. Freundschaftliche Frotzeleien, es sei ein nettes Sit-in bis weit nach Mitternacht gewesen. Dass der SVS die Hinserie als Vizemeister beenden würde, „hätte ich vorher auch nicht gedacht“, räumte der Übungsleiter ein. Doch er beschwichtigte: „Ob es der Aufstieg sein muss, lassen wir mal dahingestellt...“

Noch einmal Frank Kalinowski. Der Tausendsassa des SV Steinhorst wurde zum DFB-Ehrenamtspreisträger 2018 im NFV-Kreis Gifhorn auserkoren und kommt damit in den Genuss eines Dankeschön-Wochenendes vom 8. bis 10. März 2019 im Sporthotel Fuchsbachtal in Barsinghausen. Der DFB-Ehrenamtspreis wird in diesem Jahr zum bereits 22. Mal vergeben. Dabei werden in den einzelnen Fußball-Kreisen je eine Frau oder ein Mann gewürdigt, die sich in besonderem Maße ehrenamtlich engagieren. Kalinowski ist beim SVS seit einer Ewigkeit Mädchen für alles.

So erfreut der SV Wagenhoff am Wochenende von der starken Leistung von Niklas Ptassek (drei Tore und eine Vorlage beim 6:0 über den TSV Flettmar) war, so sehr wurmt ihn auch dessen Entscheidung, sich in der Winterpause eine neue sportliche Herausforderung zu suchen. Ptassek wechselt nach der Hinrunde zum Bezirksligisten VfR Wilsche-Neubokel. Dieser hatte im Sommer schon Stürmer Timon Steep vom SVW losgeeist. „Mir war schon länger bekannt, dass Wilsche baggert. Ich kann seine Gründe auch nachvollziehen: Er möchte sich in der Klasse ausprobieren. Nur dass es im Winter passiert, ist schade“, sagte Wagenhoffs Coach Karsten Scholten und ergänzte: „Die Frage ist, wie er die Freigabe erhält...“ Derweil frohlockt VfR-Trainer Bernd Huneke: „Mit Niklas Ptassek holen wir weitere Qualität in unsere Mannschaft und sind uns sicher, dass er dazu beitragen wird, unsere sportlichen Ziele in der laufenden Spielzeit wie auch in Zukunft zu erreichen.“

Von Ingo Barrenscheen und Jannis Klimburg

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