Fußball: Ausfall von Mannschaftsfahrten nur ein Problem / Trainer befürchten mögliche Wettbewerbs-Verzerrung im Auf- und Abstiegskampf

„Mittlere Katastrophe!“ Bezirksligisten hadern mit Saison-Expansion

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Alle Bezirks-Mannschaften, wie hier der VfL Wahrenholz und TuS Neudorf-Platendorf, werden sich ganz schön strecken müssen, um die Spiele durchzuboxen.

ib/jk Gifhorn. Ralf Ende ist sich sicher: „Das gibt einen Aufschrei!“ Nicht nur der Coach des Bezirksligisten MTV Gamsen fiel aus allen Wolken, als er mit der Saisonverlängerung im Fußball-Bezirk Braunschweig (das IK berichtete) konfrontiert wurde. Mit der Entscheidung, hat der Verband jede Menge Diskussions- und Zündstoff losgetreten. Das IK hörte sich am Donnerstag bei den Clubs, aber auch beim Bezirks-Spielausschuss-Vorsitzenden Jörg Zellmer um.

Ende empfindet das Spielplan-Anhängsel als „mittlere Katastrophe und heikles Thema. Das wird ein Riesen-Problem. Ich bin gespannt, wie das gehen soll.“ Fast alle Clubs hätten bereits ihre Mannschaftsfahrten gebucht. Nun drohen mit den am 10. und 17. Juni neu angesetzten Spieltagen massive Kollisions-Probleme. „Da sind mehrere tausend Euro im Umlauf. Wenn ich bedenke, wiewiele Storno-Gebühren da zusammenkommen würden...“, schüttelt Gamsens Coach mit dem Kopf. Die Whatsapp-Gruppe seines Teams hätte gestern förmlich geglüht. Ende ist klar, dass der Spielansetzer nichts dafür könne, wenn die Partien wetterbedingt den Bach runtergehen würden. Doch er hätte sich vorab noch einmal eine Rund-Mail an die Vereine gewünscht, um die Bereitschaft für englische Wochen als Alternative abzuklopfen. Viele Teams könnten am Saisonende vor der Frage stehen: Pluspunkte oder dickes Minus in der Kasse!?

Rouven Lütke nennt noch einen anderen, ganz entscheidenden Faktor außer der Frage, „Geld in den Wind zu schreiben oder die Kröte zu schlucken“. Die Auf- und Abstiegsfrage könnte auf der Zielgeraden noch „mega-verzerrt“ werden. „Man stelle sich mal vor, ein gerettetes Team tritt wegen einer Mannschaftsfahrt nicht an, das Spiel wird mit 5:0 gewertet und der Gegner steigt nicht ab, weil er das bessere Torverhältnis hat...“ Alles denkbar. Lütke befürchtet einen „sehr unhomogenen letzten Spieltag“.

Der Bezirk hatte erklärt, dass Spielverlegungen vor den 17. Juni – der Anstoß erfolgt dann übrigens schon um 11 Uhr, da nachmittags Deutschland bei der WM auf Mexiko trifft! – nur dann möglich sind, wenn die Auf- und Abstiegsfrage in den Staffeln schon geklärt sei.

Spielplan-Oberst Jörg Zellmer kann die Einwände der Vereine nachvollziehen, verweist aber auch auf den Staffeltag vor der Saison: „Im Rahmenspielplan steht, dass die Saison unter besonderen Umständen verlängert werden kann – und wir haben extreme Umstände.“ Ihm seien auch schlichtweg die Hände gebunden. „Ich habe das Wetter nicht bestellt und kann auch den Kalender nicht erweitern... Irgendwie müssen wir die Saison über die Bühne kriegen.“ Manche Vereine hätten erst elf Spiele absolviert. Englische Wochen in der Dauerschleife von April bis Juni seien auch keine Lösung, meinte Zellmer. Dass etwa hätten die Platendorfer, schon in der vergangenen Spielzeit Nachhol-König, gehabt und sich im Nachgang beklagt. Die zwei Wochen Luft zwischen Pfingsten und dem 10. Juni seien bewusst eingeplant für Paarungen, die bisher mittwochs angesetzt waren. Und für den Fall, dass die Nachholspiele an Ostern erneut ausfallen. Für das lange Wochenende seien die Prognosen schon wieder schlecht.

Vor allem der TuS Neudorf-Platendorf wird es schwierig haben, alle seine Spiele unter einen Hut zu bekommen. 19 Begegnungen muss der Tabellenzwölfte bis zum 17. Juni noch absolvieren. Drei Mal die Woche müssen die Grün-Weißen dann teilweise antreten. „Training ist dann nicht mehr möglich. Wir sind ja schließlich keine Profimannschaft“, seufzt Trainer Ralf Schmidt. Der Übungsleiter echauffierte sich über die späte Entscheidung des Verbandes. „Das fällt denen aber früh ein, dass keiner von den Bezirksliga-Kickern mit zu der Weltmeisterschaft nach Russland fährt...“ Schmidt ruderte aber dann noch etwas zurück: „Die Entscheidung musste jetzt natürlich sein, weil man sonst alle Spiele nicht über die Bühne bringen kann. Aber das hätte der Verband auch früher so regeln können.“

Ebenfalls für die SV Gifhorn keine leichte Situation, die am 17. Juni erst von der Abschlussfahrt aus Mallorca wiederkommen würde. „Es ist doch jedes Jahr das Gleiche. Es ist jetzt sehr ungünstig geregelt worden. Aber dem Verband waren wohl die Hände gebunden und mussten so entscheiden. Auch wenn es manche Vereine hart trifft“, hat SVG-Trainer Tino Gewinner durchaus Verständnis.

Dieses zeigt auch Marvin Homann von der FSV Adenbüttel Rethen, betont aber auch: „Da wird es viel Redebedarf geben. Wir sind auch auf Mannschaftsfahrt und werden bestimmt nicht umbuchen. Wir müssen unsere Hausaufgaben vorher machen.“

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