SVGO freut sich auf „positiv-aggressiven“ Führungsspieler

Neue (Fußball-)Heimat: Ur-Einhorn Kühne wechselt vom VfL Knesebeck zum SV Groß Oesingen

Trikottausch: Michel Kühne spielt künftig nicht mehr für den VfL Knesebeck (wie hier beim Finalsieg im Wittinger Kreispokal 2019), sondern für den Kreisliga-Konkurrenten SV Groß Oesingen.
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Vergangenheit und Zukunft: 2019 im Endspiel des Wittinger Kreispokals bezwang Michel Kühne (r.) noch den SV Groß Oesingen, künftig läuft er für ihn auf.
  • Ingo Barrenscheen
    vonIngo Barrenscheen
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Sage und schreibe 24 Jahre lang hat Michel Kühne (von einem Wittinger Intermezzo einmal abgesehen) seine Fußballstiefel für den VfL Knesebeck geschnürt. Eine Ära, die nun einem neuen Kapitel weicht: Das Ur-Einhorn schließt sich zur neuen Saison dem Kreisliga-Rivalen SV Groß Oesingen an! Dorthin hat das Mentalitätsmonster schon seit zwei Jahren seinen Lebensmittelpunkt verlegt, nun folgt der Fußball-Fokus gewissermaßen der Liebe. Für seinen neuen Klub ohne Frage ein Königs-Transfer.

Private Aspekte führen zum Tapetenwechsel

Der im Grunde 2019 bei der Groß Oesinger Straßenmeisterschaft seinen Anfang nahm. Als frisch Zugezogener nahm Kühne erstmals an dem Spaß-Kick teil. Und kam an der Theke mit SVGO-Coach Torben König ins Plaudern. Der damals noch spaßig gemeinte Lockruf wird jetzt Realität. Der 28-Jährige machte sich zuletzt mit seiner Freundin Gedanken, „wo wir uns niederlassen wollen“. Nach reiflicher Überlegung fiel die Wahl auf Groß Oesingen. Mit allem, was dazugehört. Also auch der schönsten Nebensache der Welt. Privatleben, Beruf und Hobby würden sich so viel besser vereinbaren lassen, unterstreicht Kühne. „Ich arbeite in Hannover, da kommt die Fahrbelastung hinzu. In Oesingen wohne ich zwischen beiden Sportplätzen, die Wege sind kurz. So kann ich dann hier auch besser soziale Kontakte knüpfen.“

Vorstoß des Spielers macht SVGO happy

Also steuerte er aktiv auf die SVGO-Verantwortlichen zu. Für diese freilich ein Glücksfall, freut sich Torben König. Gerade in schwierigen Corona-Zeiten gäbe es ein Gentlemen-Aggreement, „anderen Vereine nicht die Leute vom Hof zu zwacken“. Doch „glücklicherweise ist Michel auf uns zugekommen“, unterstreicht Spartenleiter Daniel Evers unisono.

König hat nie gerne gegen Kühne gespielt

Evers selbst hat zu seinen aktiven Zeiten noch gegen Kühne gespielt. Dieser hinterließ schon damals Eindruck. „Er ist sehr präsent, hat eine Leader-Funktion, ein gut ausgebildeter Fußballer – er ist einer, der aufgefallen ist“, sagt Evers. Auch König reibt sich voller Vorfreude die Hände. „Bei so einem Kaliber sagst du nicht nein. Er bringt unheimlich viel Qualität mit, ist flexibel einsetzbar, positiv-aggressiv, fordert viel von der Mannschaft. Ein Spielertyp, den wir so noch nicht im Kader haben. Ich denke, er wird uns auf eine neue Stufe heben.“ Oesingens Trainer gibt offen und ehrlich zu, dass er nie gerne gegen seinen künftigen Schützling gespielt habe. Deshalb ist er froh, ihn fortan in seinen Reihen zu wissen. „Er hat uns oft wehgetan. So ist er mir unheimlich in Erinnerung geblieben.“

Er bringt unheimlich viel Qualität mit, ist flexibel einsetzbar, positiv-aggressiv, fordert viel von der Mannschaft. Ein Spielertyp, den wir so noch nicht im Kader haben. Ich denke, er wird uns auf eine neue Stufe heben.“

Groß Oesingens Trainer Torben König über Neuzugang Michel Kühne

Ein Ausspruch, bei dem auch Kühne selbst schmunzeln muss. „Beide Vereine sind zusammen in die Kreisliga aufgestiegen, die Wege haben sich irgendwie schon immer geschnitten. Meine größten Erfolge mit Knesebeck sind tatsächlich immer über Groß Oesingen gegangen – schon merkwürdig...“ Allen voran selbstverständlich der Endspiel-Triumph im Wittinger Kreispokal 2019 (3:0) mit den Einhörnern über seine baldigen Teamkollegen.

Seit anderthalb Jahren kein Pflichtspiel mehr

Bestenfalls ab Sommer kann Kühne nunmehr mit dem SVGO an Heldentaten arbeiten. Mit einem Seufzer sagt er: „Ich bin im besten Fußballer-Alter – und was ist: Ich darf nicht spielen...“ Wie alle zurzeit. Für ihn aber besonders bitter, da er sein letztes Pflichtspiel am 10. November 2019 gegen den SV Rühen bestritt. Dann kam der Saisonabbruch. Im letzten Testspiel vor der Spielzeit 20/21 riss er sich die Kapsel im Finger, musste wochenlang Gips tragen. Nach zwei Einheiten mit Knesebeck stand das Comeback bevor, dann wieder die Corona-Zwangspause. Und schließlich die Saison-Annullierung. Daher brennt Kühne vor Tatendrang.

Der Bolzplatz-Buddy bedauert den Verlust

Sie kickten, zum Ärger des Opas, schon als kleine Knirpse gemeinsam gegen das Garagentor. Insofern fällt es André Haven besonders schwer, seinen steten Fußball-Gefährten Michel Kühne zum SV Groß Oesingen ziehen zu lassen. Der spielende Co-Trainer des VfL Knesebeck bedauert den Weggang des Ur-Einhorns, kann ihn aber nachvollziehen: „Für uns ist es natürlich schade, Michel war ein gestandener Führungsspieler. Aber wir verstehen das aufgrund seiner Wohnort- und Arbeitssituation. Ich habe noch einmal alles versucht, ihn vom Bleiben zu überzeugen, aber seine Entscheidung stand fest.“ Die Mannschaft müsse den schmerzvollen Verlust ihres Kapitäns, der nur ein Jahr im Amt war und ohne Pflichtspiel in dieser Rolle blieb, verkraften und kompensieren. Logisch: Auch Kühne geht mit einem „weinenden Auge. Ohne direkten Abschied nimmt meine Knesebecker Zeit leider kein würdiges Ende...“

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