Tennis: Der Hankensbütteler Friedrich Klasen coacht Talente bei Australian Open

„Mega-Eindrücke“ zwischen Weltstars

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Die Australian Open sind erstmals auch Anlaufstelle für den Hankensbütteler Friedrich Klasen (hier vor der Rod Laver Arena).

Melbourne/Hannover/Hankensbüttel – Er selbst stand früher kurz einmal um Platz 900 herum in der Tennis-Weltrangliste, hegte aber nie wirklich Profi-Ambitionen wie seine Schwester Anna.

Und doch tummelt sich Friedrich Klasen dieser Tage inmitten der versammelten Weltelite bei den Australian Open in Melbourne und sammelt einmalige Erfahrungen.

Grand Slam-Premiere

Der A-Lizenz-Trainer der Tennis-Base Hannover (r.) coacht vor Ort die deutschen Talente Angelina Wirges (v. l.), Max Wiskandt und Benito Sanchez Martinez.

Als lizenzierter Trainer des DTB-Stützpunktes in Hannover begleitet der Hankensbütteler Down Under mit Max Wiskandt und Benito Sanchez Martinez zwei hoffnungsvolle deutsche Talente. Nicht nur die Junioren-Juwelen selbst, sondern auch der 28-Jährige feiert am anderen Ende der Erdkugel seine Grand Slam-Premiere. Seit exakt einer Woche saugen Klasen und seine Schützlinge nun schon die (eingangs durch die verheerenden Buschfeuer noch völlig verrauchte) Profi-Luft in Melbourne auf. Am morgigen Freitag geht’s dann zurück in den Flieger gen Deutschland. Wenngleich der parallele Nachwuchs-Wettbewerb für Qualifikant Martinez und Wiskandt seit der Nacht zu Dienstag vorbei ist, so werden sie genauso wie ihr Trainer wertvolle Erfahrungen im Gepäck haben.

Austausch mit Struff

Klasen hätte sich nie zu träumen gewagt, selbst einmal Bestandteil der Australian Open zu sein – und wenn es nur die Junior-Variante ist. „Das sind Mega-Eindrücke, die wir hier bekommen! Eine coole Erfahrung. Und man lernt unheimlich viel dazu.“ Immerhin stößt das Trio im riesigen Trainings-Center auch immer wieder auf die Granden der Zunft. Einen Roger Federer samt Stab sah Klasen zwar nur im Vorbeigehen, aber der Hankensbütteler tauschte sich vor Ort etwa kurz mit Davis-Cup-Spieler Jan-Lennard Struff aus. Auch die Spionage bei den Übungs-Einheiten der Stars lohnt sich. „Das ist schon ganz interessant, was sie so im Training machen – da kann man sich etwas abschauen.“ Wenn möglich, verfolgt die kleine Delegation vor Ort natürlich auch die Matches der Idole. So war Klasen selbst Augenzeuge beim Viertelfinal-Einzug von Alexander Zverev gegen den Russen Andre Rublev.

Schnelle Entwicklung

Letzten Endes seien solche Mega-Höhepunkte genau das, „wofür man das ganze Drumherum macht. Das kann man dann auch genießen“, betont Klasen. Es ist immerhin ein Stück weit auch sein Verdienst, dass Martinez und Wiskandt erstmals bei einem der großen vier Grand Slam-Turniere aufschlagen durften. Erst seit etwas mehr als zwei Jahren besitzt der Nebenbei-Fußballer von Bezirksligist TuS Neudorf-Platendorf die A-Lizenz, die weitere Entwicklung sei dann „echt schnell“ gegangen. Durch Erfolge im vergangenen halben Jahr bei Wettbewerben in Südafrika, Spanien oder Mexiko/USA schafften seine Racketjünger die Quali für Melbourne. „Wir haben uns dann erst Ende November entschlossen, diese Reise zu machen.“

Vor der ARD-Kamera

Verbunden mit ganz anderen Dimensionen. Allein zwei Tage lang waren Klasen und Co. unterwegs, bis sie im Hotel angekommen waren. Anfangs hätte sich auch bei ihm noch ein wenig Nervosität breit gemacht, gibt der Stützpunkt-Trainer zu. „Weil man doch einiges organisieren muss.“ Doch vielleicht stellt sich bald Routine ein. Ziel sei es, mit dem dynamischen Duo auch die anderen Grand Slams zu buchen. Gemeinsam mit Martinez feierte er sogar seine Feuertaufe vor der TV-Kamera, gab einem ARD-Filmteam ein Interview.

Vom Hobby zum Beruf

Klasen hat im Grunde sein Hobby zum Beruf gemacht, sein Tun ist wie eine Erfüllung. „Es macht riesig Spaß.“ Andersherum ist sein Weltenbummler-Job natürlich auch kräftezehrend. „Man lebt viel aus dem Koffer. Manchmal kann ich die Hotels nicht mehr sehen...“ Die Australian Open bilden da eine Ausnahme. „Das ist schon sehr viel Luxus hier, das hat man nicht so oft.“ Vielleicht ja bald doch...

VON INGO BARRENSCHEEN

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