3. Double Ultra Triathlon in Emsdetten: Emmener überwindet 452 Kilometer und seinen streikenden Körper

Matthias Bölsche: „Das war die Hölle“

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... doch nach über 33 Stunden war es dann endlich geschafft! Die Ziellinie beim 3. Emsdettener Double Ultra Triathlon war an diesem Tag die Erfüllung aller Sehnsüchte für den Emmener.

Emsdetten/Emmen. Was ist schon der Ironman?! Pillepalle für die richtig harten Männer wie den Emmener Matthias Bölsche. Der 42-Jährige vom Triathlon-Treff Sassenburg war einer von 59 Startern beim 3. Double Ultra Triathlon in Emsdetten.

Zweimal Hawaii ist einmal Emsdetten, so hieß das Motto. Denn in dem westfälischen Städtchen mussten die Sportler die doppelte Ironman-Distanz absolvieren. Das bedeutete 7,6 Kilometer Schwimmen, 360 km Radfahren und 84,4 km Laufen. In 19 Stunden 44 Minuten und 42 Sekunden pulverisierte dabei Sieger Robert Karas aus Polen den bisherigen Weltrekord.

„Kopfüber in die Hölle und zurück“ – der Titel eines alten Ärzte-Songs war in Emsdetten gewissermaßen Programm für Bölsche. Bei der ersten Disziplin, dem Schwimmen, lief noch alles glatt. Nach knapp drei Stunden stieg der Emmener aus dem Wasser. Dann hieß es raus aus dem Neoprenanzug und rauf auf´s Fahrrad. „Je länger das Rennen dauerte, umso schwieriger wurden die Runden. Der Wind gab sein übriges dazu. So wurde aus leicht wellig L’Alpe d’Huez“, erklärte Bölsche. Nach 245 von 360 km auf dem Rad wurde er von Rückenschmerzen geplagt und musste sich von seinen Betreuern behandeln lassen.

Die 360 Kilometer lange Radstrecke brachte Matthias Bölsche an den Rand der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit...

Und dann kam der Mann mit dem Hammer. Bölsche: „Bei Kilometer 287 ging plötzlich gar nichts mehr. Mein Körper und mein Kopf streikten. Das war die Hölle.“ Unter Tränen wollte der Double-Ironman aufgeben, die Schmerzen waren zu groß. Doch der Betreuerstab redete auf seinen Sportler ein: „Das ist jetzt nur noch Kopfsache!“ Bölsche wusch sich mit kalten Wasser ab und schlief in warme Decken eingepackt für 20 Minuten. Nach dieser Pause zog er sich trockene Sachen an. Jetzt wurde das Zeitfenster eng. Ab 2.30 Uhr wäre das Zeitlimit überschritten und die noch mit der Radstrecke Kämpfenden würden aus dem Rennen genommen. „Wie von den Toten auferstanden setzten die Betreuer mich auf mein Bike und die Post ging ab“, sagte Bölsche, der sich mit Selbstgesprächen („Du schaffst das!“) über Wasser hielt. „Und ich schaffte es und stieg um 2.25 Uhr nachts, fünf Minuten vor dem Cut-off, vom Rad.“

Nun stand das Laufen an. 84,4 km lagen vor den Teilnehmern. „Ich musste jetzt nur noch irgendwie einen Fuß vor den anderen bekommen“, so Bölsche. Gegen Mittag lag plötzlich hawaiianische Hitze über dem beschaulichen Münsterland. Das Publikum peitschte die Läufer nach vorn und Bölsche ging über seine Grenzen. Nach 33:38:30 Stunden war es dann endlich so weit: die Ziellinie. „Ich bekam voller Stolz und unter Trännen vom Veranstalter die Deutschland-Fahne in die Hand gedrückt“, schilderte Bölsche die letzten Meter.

Bereits knapp 14 Stunden zuvor, mitten in der Nacht, hatte der neue Weltrekordhalter Robert Karas das Ziel erreicht. „Erstaunlich viele Zuschauer“, seien zu diesem Zeitpunkt (2.45 Uhr) da gewesen, erklärte Organisator Paul Venker. Der Weltrekord des Polen ist vom Weltverband IUTA inzwischen auch offiziell bestätigt worden. Nicht nur deshalb war für Venker auch die dritte Auflage des einzigen deutschen Double Ultra Triathlon ein voller Erfolg. Und für Bölsche sowieso. Jeder der 53 Finisher durfte sich als Sieger fühlen.

Von Andreas Arens

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