Die Top-Knipser des Nordkreises: Traumeinstand für Jannes Drangmeister beim SSV Kästorf

Der Lewandowski der Landesliga

Hier noch gegen den SSV Kästorf (II): Jannes Drangmeister im Dress des VfL Germania Ummern. 
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Hier noch gegen den SSV Kästorf (II): Jannes Drangmeister im Dress des VfL Germania Ummern.

Ummern/Kästorf – Sie spielen beide in Rot-Weiß. Sie tragen beide die prägnante Rückennummmer 9. Und sie treffen beide nahezu nach Belieben.

Robert Lewandowski erzielt alle 41 Minuten ein Tor für den FC Bayern München und führt mit dieser Traumbilanz, welch Wunder, die Torjägerliste in der Fußball-Bundesliga an.

Der Schnitt bei Jannes Drangmeister fünf Spielklassen tiefer liest sich nicht weniger imposant: Alle 55 Minuten ließ der Mittelstürmer im bisherigen Saisonverlauf das Leder für den Landesligisten SSV Kästorf im Netz zappeln. Was für ein Traum-Einstand für den Neuzugang vom VfL Ummern und der perfekte Einstieg in unsere neue IK-Serie „Die Top-Knipser des Nordkreises“.

Neun Pflichtspiele, 14 Buden: eine sagenhafte Knipser-Rate. „Das kann ich nicht verneinen“, lacht Drangmeister und bekräftigt selbst. „Das ist schon eine übertriebene Quote, mehr als im Soll. Man kann nicht erwarten, dass es einfach so weitergeht.“ Solch einen Bilderbuch-Start nach seinem von langer Hand angekündigten Wechsel aus der Kreis- in die Landesliga hatte er sich in seinen kühnsten Träumen nicht ausgemalt. Er sei schlichtweg mit dem Ziel angetreten, „Stammspieler zu werden“. Nach nur kurzer Zeit ist der 22-Jährige weitaus mehr als das. Im Profi-Fußball würde man wohl von einem Königstransfer sprechen. Bei der Ursachenforschung nach diesem rasanten Aufstieg bringt der Vollblutstürmer mehrere (günstige) Faktoren ins Spiel. Da wären...

...seine Einzigartigkeit

„Mir kam entgegen, dass wir keinen weiteren Mittelstürmer im Kader haben. Trotzdem hätte ich niemals daran gedacht, dass es so gut läuft.“ Bereits in den Testspielen wies der Novize seinen Torinstinkt nach, spürte zunehmend das Vertrauen des neuen Trainers Sajmir Zaimi. „Je mehr Unterstützung man von der Seite bekommt, umso einfacher wird es“, unterstreicht Drangmeister.

...seine (Ex-)Mitspieler

Die Eingewöhnung in Kästorf wurde dem Blondschopf durch Spuren der Vergangenheit erleichtert. Denn mit Noah Mamalitsidis, Albert Hajdaraj und Manuel Gerlof kickte er schon in der A-Jugend des MTV Gifhorn zusammen. „Das hat vieles sehr vereinfacht. Ich bin nicht einfach in eine unbekannte Mannschaft gestoßen.“ Er sei einfach in die Kabine gekommen und fühlte sich direkt gut aufgehoben. „Auch die anderen Charaktere sind top. Das Zusammenspiel läuft sehr prickelnd.“

...seine Fitness

Während der ersten Corona-Lockdown-Phase ab März ließ der Noch-Germane nicht etwa Fünfe grade sein. Sondern schob „sechs Einheiten die Woche. Ich habe nie eine Pause gemacht.“ Weil er wusste, dass noch einmal ganz andere Herausforderungen auf ihn warten würden. Intervall-Läufe, Kraftübungen mit Eigengewicht, Schnellkraft oder der Fitness-Hotspot am Ummeraner Sportplatz brachten ihn schon vor dem Vorbereitungs-Start in eine körperliche Top-Verfassung.

...seine definierte Rolle

Ohne Frage hätte er in seiner Entwicklung noch einmal „einen Schritt nach vorne“ gemacht, sagt Drangmeister. Doch seine Top-Quote hänge auch mit seinem Profil auf dem Platz zusammen. „In Ummern war das Spiel ganz anders.“ Dort sei, speziell mit Blickrichtung Offensive, sehr viel auf ihn oder andere Kaliber wie Vitali Sterz zugeschnitten gewesen. Mal agierte Drangmeister als hängende Spitze, mal als Sechser. In Kästorf ist schlicht und ergreifend die Box sein Kerngebiet. „Die Aufgaben sind klar verteilt.“ Was nicht heißt, dass er nicht auch mit nach hinten arbeitet. „Ich bin schon ein Spielertyp, der sehr viel arbeitet und läuft. Mir ist kein Weg zu schade.“

Läuft, würde man ergo im Neudeutschen sagen. Doch nach jeweils sieben Treffern in der Bezirkspokal-Gruppenphase und in der Liga wurde auch Drangmeister unsanft durch den erneuten Corona-Cut ausgebremst. „Bitter, weil wir sehr gut eingespielt waren und ich einen Lauf hatte – für mich persönlich ist das nicht schön.“ Nur in zwei Matches war er leer ausgegangen. Bemerkenswerterweise jedes Mal gegen den MTV Gamsen. Das Lokalderby als Drangmeisters Kryptonit für den SSV-Superman... „Das waren für uns generell komische Spiele, irgendwie lagen sie uns nicht so.“

2020 wird der Sohn von Ummern-Coach Jörg Drangmeister („Er sagt ab und an am Telefon, dass er einen Stürmer gebrauchen könnte...“) wohl eher nicht mehr auf Lewandowskis Spuren wandeln können. „Wir sind darauf eingestellt, in diesem Jahr nicht mehr zu spielen. Eventuell noch Training, falls es im Dezember wieder erlaubt ist.“ Doch für Kästorf sei es kein Problem, falls die Saison um zwei, drei Wochen verlängert werden sollte. Wenn der Vollstrecker weiter so an sich arbeitet, dürfte sich auch seine persönliche Erfolgsstory verlängern.

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