Fußball: Admira-Profi Bjarne Thoelke überbrückt Krisen-Zeit in Betzhorn

Auf letzten Drücker in die Heimat

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Individuelles Training am Wahrenholzer Taterbusch: So hält sich Profi Bjarne Thoelke vom österreichischen Erstligisten FC Admira Wacker Mödling aktuell fit.

Betzhorn/Wien – An Zwangspausen hat er sich mittlerweile gewöhnt. Erst hielt ein Schien- und Wadenbeinbruch Fußball-Profi Bjarne Thoelke in Diensten des österreichischen Erstligisten FC Admira Wacker Mödling lange außer Gefecht, nun ist es die Corona-Krise.

Doppelt bitter also für den 27-Jährigen, aus Betzhorn stammend, der sich sportlich gerade zurückgekämpft hatte.

Dienstagvormittag, 11 Uhr: Strahlender Sonnenschein über dem Sportgelände am Taterbusch in Wahrenholz. Das Wetter lädt regelrecht dazu ein, sich an der frischen Luft aufzuhalten. Genau das tut auch Bjarne Thoelke. Er trainiert: Lange Läufe, kurze Antritte mit Richtungswechseln, dazu die eine oder andere Stabilitätsübung. „Unser Fitnesstrainer hat uns einen Plan mitgegeben, den wir umsetzen müssen“, verrät Thoelke, der ein Präsentationsshirt seines Vereins trägt.

Gerade noch rechtzeitig vor der Schließung der Grenze zu Österreich am Montag kehrte der Abwehrspieler des Wiener Vorortvereins am Sonntagabend in seine Heimat zurück. Vor wenigen Wochen war das Thema noch so fern, nun treibt es fast weltweit sein Unwesen. Auch Thoelke betrachtete die Situation lange recht nüchtern: „Man hat von den Anfängen in China gehört, dann gab es erste Fälle in Europa und auch erste infizierte Fußballer.“ In seiner Wahlheimat Österreich herrscht Ausnahmezustand. „In den Supermärkten war es natürlich extrem. Es gab kein Obst und Gemüse, kein Reis und auch keine Nudeln mehr“, berichtet der gebürtige Nordkreisler. Doch direkt betroffen waren er und sein Team nicht.

„So krass hat man das alles nicht mitbekommen“, berichtet er. Doch nachdem in der vergangenen Woche beschlossen wurde, dass auch im Nachbarland die nächsten beiden Spieltage ausfallen (gestern verlängerte die österreichische Bundesliga die Pause sogar bis Anfang Mai!), wurde auch bei der Admira reagiert. Thoelke gibt zu: „Ich hatte schon eine Vorahnung. Es wurde ja von Tag zu Tag krasser, es gab immer neue Meldungen. Und wenn sogar die NBA-Saison in den USA abgebrochen wird, hat das schon etwas zu heißen.“

Am Sonntagvormittag meldete sich Präsident Philip Thonhauser zu Wort und teilte den Spielern mit, dass alle sportlichen Aktivitäten des Vereins umgehend unterbunden werden. Kurzerhand entschloss sich Bjarne Thoelke dazu, in seine Heimat zu reisen: „Man hat uns gesagt, dass bis auf Weiteres hier nichts passieren wird. Daraufhin habe ich gefragt, ob ich nach Deutschland zu meiner Familie fahren darf.“ In Wien hatte es zuvor erst ein bis zwei nachgewiesene Fälle gegeben, bei der Admira war noch keiner bekannt. „Allerdings fängt das ja alles gefühlt erst an“, sieht auch der 27-Jährige noch lange kein Ende der Krise. Ausgestattet mit Plänen und Materialen machte sich Thoelke also auf den Weg in Richtung Heimat. „Auf der Autobahn war absolut tote Hose, so wenig Verkehr hatte ich ja noch nie“, kann er sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Der Wahl-Österreicher selbst hält sich an die Empfehlungen, vermeidet Händeschütteln zur Begrüßung und wäscht sich regelmäßig die Hände. „Mehr kann man eh nicht tun. Ich bin da eigentlich noch recht entspannt, da ich persönlich nicht zur Risikogruppe zähle, aber wir sollten alle Rücksicht speziell auf die älteren Menschen nehmen“, erklärt der Profi.

Der Defensivakteur trainierte nach schwerer Verletzung bereits seit Oktober wieder, konnte allerdings aufgrund von Problemen in der Kniekehle nicht spielen. Die Ursache dafür lag bei einem Fehler im Nervensystem. „Ich konnte zwar trainieren, aber nur mit 70 bis 80 Prozent. Man hat gemerkt, dass man nicht wirklich im Rhythmus ist“, verrät Thoelke. Allerdings wollte er, seit Anfang März wieder voll im Mannschaftstraining, in diesem Jahr wieder angreifen und sich in den geplanten Testspielen beweisen. „Ich hatte ein gutes Gefühl, dachte, es geht bergauf“, ist der 27-Jährige in sportlicher Hinsicht natürlich enttäuscht über den Cut. Er geht sogar davon aus, dass die Spielzeit nicht mehr fortgeführt wird: „Das kann man ja gar nicht so lange aufschieben.“ Die Liga erklärte derweil gestern trotz der Auszeit bis Mai: „Alle Klubs hoffen aus sportlichen sowie aus wirtschaftlichen Gründen, dass die Saison fertig gespielt werden kann.“

Thoelke, der sich häufig mit seinen Teamkollegen über Nachrichten austauscht, trainiert täglich in der Heimat, arbeitet viel im Ausdauer- und Kraftbereich. „Dazu hat man ja auch mehr Zeit für Familie und Freunde. Es ist alles stressfrei, man muss einfach das Beste draus machen“, so der 27-Jährige, der den Fernseher oder das Radio („Man hört ja ständig etwas Neues“) aktuell gern auslässt. Irgendwann wird dem Profi das Thema Corona schlichtweg zu viel. Es wird ihn aber noch eine Weile begleiten...

VON FLORIAN SCHULZ

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