Der Fußball im Corona-Klammergriff: Hiesige Fanclubs bewerten Geisterspiel-Maßnahmen unterschiedlich

Leinwand statt Stadion: Anhänger reagieren zwiegespalten

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Leere Plätze in der Volkswagen Arena: Das heutige Europa League-Duell gegen Schachtar Donezk wird wie viele andere Partien auch zum Geisterspiel.

Isenhagener Land – Fußballspiele vor leeren Rängen? Eigentlich unvorstellbar! Angefangen hatte es mit diesen Vorsichtsmaßnahmen in Italien, mittlerweile sind auch die deutschen Stadien massiv betroffen.

Etwa das gestrige Bundesliga-Nachholduell zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln oder die heutige Europa-League-Partie VfL Wolfsburg im Achtelfinale kontra Schachtar Donezk. Auch das ruhmreiche Revierderby Borussia Dortmund gegen FC Schalke 04 oder die Partie 1. FC Union Berlin gegen FC Bayern München bleiben nicht unberührt. Und es wird aller Voraussicht nach noch mehr Partien mit leeren Rängen geben. Wie reagieren die Anhänger aus dem Nordkreis auf die sogenannten Geisterspiele? Das IK hat bei mehreren Fanclubs nachgefragt.

Unverständnis

Normalerweise sind sie – egal ob daheim oder auswärts – immer im Stadion. Doch heute Abend schauen die Aller-Ohre-Wölfe in die Röhre, wenn ihr geliebter VfL Wolfsburg international gegen Donezk antritt. „Wir sind natürlich enttäuscht, hatten ja auch alle schon Karten“, verrät Vorsitzender Lothar Hilmer, um anzufügen: „Das Spiel hätte unter freiem Himmel stattgefunden. Wenn es sich um Sportarten wie Handball, wo die Zuschauer dicht an dicht gedrängt in der Halle sitzen, handelt, hätte ich das ja verstanden, aber so finde ich das überzogen.“ Der mitgliederstärkste Fanclub des VfL hat sich aber bereits einen Ersatz-Plan erarbeitet, wird die Partie heute geschlossen an der Leinwand verfolgen.

Wenn Zuschauer in der VW-Arena zugelassen worden wären, wären die Aller-Ohre-Wölfe allerdings im Stadion gewesen – ohne große Bedenken. „Darüber hätten wir uns keine großen Gedanken gemacht. Es ist ein Spiel wie jedes andere“, so Hilmer. „Irgendwann müssen aber Entscheidungen getroffen werden, wir können es jetzt eh nicht mehr ändern“, fügt der Fanclub-Chef an, der mit seinem Gefolge ursprünglich sogar vorhatte, zum Rückspiel nach Donezk zu reisen. Diese Idee hat sich mittlerweile allerdings durch die Entwicklung zerschlagen.

Verständnis

Apropos Idee: Benjamin Wrede, Chef der Green-White Hurricanes aus Schönewörde, hatte ursprünglich vor, am 21. März zum Auswärtsspiel seines SV Werder Bremen nach Freiburg zu fahren. „Tickets und Hotel sind längst gebucht. Mal sehen, ob es überhaupt klappt“, so Wrede. Ganz sicher nicht klappen wird es mit einem Stadionbesuch am kommenden Montag, wenn Werder daheim Bayer Leverkusen empfängt. Auch diese Partie wird unter Ausschluss der Öffentlichkeit über die Bühne gehen. „Das ist ärgerlich, zumal ich extra Urlaub genommen habe“, verrät der Nordkreisler, der aber anfügt: „Generell ist es verständlich, denn die Gesundheit geht vor.“

Er glaubt, dass dennoch rund 20 000 Anhänger das Spiel vor dem Stadion („Ich denke, da wird trotzdem die Hölle los sein“) verfolgen werden. Wrede selbst wird zwar nicht zum Osterdeich reisen, dann aber – ganz ungewohnt – von zu Hause aus die Daumen drücken.

Zwiegespaltenheit

Mit Respekt, allerdings ohne Angst tritt der Fanclub Ummern 03 des Hamburger SV der Thematik entgegen. Vorsitzender Mathias Heilmann ist zwiegespalten: „Für mich ist es ja generell nachvollziehbar, dass solche Großveranstaltungen entweder gänzlich abgesagt oder unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden, aber ob die Panik auch wirklich begründet ist, kann ich ehrlich gesagt nicht einschätzen.“ Die 52-köpfige Anhängerschaft des Zweitligisten aus dem Nordkreis reist nur noch selten geschlossen in die Stadien. Kurz nach der Gründung im Jahre 2003 sah dies noch etwas anders aus. „Generell planen wir pro Saison mittlerweile nur noch ein oder zwei gemeinsame Fahrten, von daher hätte dies für uns keine allzu großen Auswirkungen“, verrät Heilmann, der mit einem Schmunzeln ergänzt: „Die Spiele laden ja momentan ohnehin nicht wirklich ein.“ Er selbst war im Oktober des letzten Jahres zum letzten Mal im Stadion, damals beim Pokal-Duell des HSV gegen den VfB Stuttgart (1:2). „Danach waren nur noch vereinzelt Mitglieder von uns da“, klärt der Fanclub-Chef auf.

Momentan sei es auffällig einfach, auch noch an den Tageskassen Karten für die Heimspiele der Elf von Trainer Dieter Hecking zu bekommen, hat Heilmann festgestellt. Dazu wurden seitens des HSV auch die Termine für den Kartenvorverkauf für die kommenden Begegnungen nach hinten geschoben.

Die Meinungen variieren zwar stark, doch die Entscheidungen treffen eben nun mal nicht die Fans.

VON FLORIAN SCHULZ

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