Fußball – 1. Kreisklasse 1: ...mit dem Aufstieg des Phönix SV Tülau-Voitze

Leader-Lenker Lehmann liebäugelt...

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Im Zentrum fühlt er sich wohl: Tülau-Voitzes Kapitän Mark Lehmann hat gerne das Feld vor sich. Oder eben das Spitzenduo, das er gerne noch abfangen will.

Tülau/Voitze – Erst einmal: Happy Birthday! Wie es der Zufall so will, feiert Mark Lehmann just am heutigen Freitag seinen 25. Geburtstag. Und es ist kein Wunder, dass der Mittelfeldspieler des SV Tülau-Voitze das Fußball-Gen praktisch in die Wiege gelegt bekommen hat.

Denn er ist Tür an Tor mit dem (heute verwaisten) Platz in Voitze aufgewachsen.

Da lag sie also jeden Tag vor ihm, die große grüne Spielwiese. Genauso wie heute noch, wenn der Dirigent Sonntag für Sonntag aus dem Zentrum heraus das Feld vor sich hat und die Angriffe von der Überraschungsmannschaft der Saison in der 1. Fußball-Kreisklasse 1 ankurbelt.

So hat es Lehmann am liebsten. In den ersten Nachwuchsjahren noch Rechtsaußen, fand er ab der B-Jugend seine kickende Berufung in der goldenen Mitte. „Das macht Spaß. Ich habe ordentlich Wiese vor mir, kann das Spiel aufbauen und unsere schnellen Leute schicken.“ Etwa seinen Spezi Steffen Vodde. Gewissermaßen ein unzertrennliches Tandem in Tülau-Voitze. „Wir sind seit dem zweiten Lebensjahr befreundet, haben zusammen in der Pampers-Liga angefangen. Wir sind also quasi Urgesteine“, lacht Lehmann. Sandkasten-Freunde also, die seither auch eine Achse auf dem Fußball-Platz bilden und so manche Kreismeisterschaft mit den Jugenden der JSG Bergfeld/Parsau/Tülau feierten.

Von diesem goldenen Jahrgang profitiert aktuell seine grün-weiße Heimatliebe. Lehmann hat mit seinem Club einige Täler durchschritten. Und ist doch immer geblieben, wenngleich es sicherlich Lockrufe von außen gegeben hat. „Man hängt doch mit dem Herzen dran.“ Einfach die Flinte ins Korn werfen geziemt sich nicht. Erst Recht nicht als mit der Binde um den Oberarm. „Ich bin durchgehend seit vier Jahren Kapitän und kann das sinkende Schiff nicht verlassen“, betont Lehmann. Die Funktion als verlängerter Arm von Trainer Werner Vodde scheint er gut auszufüllen. „Die Jungs sind anscheinend ganz zufrieden, weil seit zwei Jahren nichts mehr kam...“, grinst unser Liga-Talker.

Apropos sportliche Tiefen. Gerade erst die vergangenen zwei Spielzeiten stellten Grün-Weiß auf eine harte Probe: Der SVTV rettete sich jeweils erst am letzten Spieltag mit Hängen und Würgen noch vor dem Abstieg. Am letzten Spieltag der Vorsaison durch ein fulminantes 7:1 über den SV Jembke. Lehmann musste zuschauen. Fünfte Gelbe Karte: Mittlerweile bedeutet das auch im unteren Amateurlevel eine Zwangspause. Für ihn – als Fan des Hamburger SV ohnehin leidgeprüft – die Hölle. „Das war ätzend. Ich wäre am liebsten mit aufs Spielfeld gesprungen. Draußen ist es in so einer Situation viel schlim- mer als auf dem Platz – das kann ich unterschreiben.“

Doch es ging ja auch ohne ihn gut für Tülau-Voitze. Dennoch möchte der heutige Jubilar solch schwere Zeiten nicht noch einmal durchmachen. In denen selbst Kumpels schnell mal kratzbürstig werden. „Man fragt sich dann schon, warum man jeden Sonntag losfährt!? Der Unmut steigt, die Leute blaffen sich an – nicht schön. Auch nicht als Amateursportler. Da ist sonntags und montags schlechte Laune vorprogrammiert.“

Mittlerweile hat das Stimmungs-Barometer in Tülau-Voitze aber das Strahlemann-Maximum erreicht. Vom Fast-Absteiger zum Topteam: Ein fast unwirklicher Wandel, der an den anderen grün-weißen Profi-Verein aus der Nachbarschaft erinnert. Die Wölfe klopfen an die Tür zu Europa, der Phönix SVTV tatsächlich an die (Hinter-)Tür zur Kreisliga! Fünf Spieltage vor Ultimo liegt Lehmanns Liebe gleichauf mit dem SV Hankensbüttel fünf Zähler hinter Spitzenreiter VfL Wittingen.

Wohl gemerkt: Es zeichnet sich sehr klar ein Relegationsspiel der Vizemeister ab. Warum es mit einem Mal so blendend läuft? Der Spielführer zuckt mit den Schultern. „Das haben wir uns ab und an auch schon gefragt. Damit hatte keiner gerechnet. Es funktioniert einfach gut, wir hatten eine astreine Vorbereitung, alle sind bei der Sache. Und durch die zwei Startsiege gegen die Aufstiegsfavoriten Parsau und Wittingen haben wir uns in einen Rausch gespielt. Dann flutscht es halt.“

Und sie haben Blut geleckt in Tülau-Voitze, so viel ist klar. „Es ist noch alles offen. Ich persönlich hätte nichts dagegen aufzusteigen. Wenn wir schon in dieser Position sind, sollte man die Situation auch nutzen“, bekräftigt Lehmann. Gemeinsam mit einigen Teamkollegen verfolgte er in den vergangenen Jahren live die Aufstiegsspiele in Tappenbeck und Wesendorf mit. Und träumt davon, selbst mittendrin statt nur dabei zu sein. „Da springt einem das Sportler-Herz doch vor Freude in die Kehle.“

Doch bis zu solch einem Szenario warten noch intensive Wochen auf Tülau-Voitze und seinen Anführer. Das Heimspiel am kommenden Sonntag (13 Uhr) gegen den Tabellenvorletzten FC Brome II („Das wird mit das schwerste Spiel der Saison, da sind sowieso alle angfixt“) läutet die Derby-Hochkonjunktur mit weiteren Brisanz-Begegnungen gegen Bergfeld und Ohretal ein. Und direkt danach kommt es zum womöglichen Schicksalsspiel gegen Nebenbuhler Hankensbüttel.

Lehmann hofft, seine eingeschworene Gemeinschaft zielsicher durch diese heiße Phase zu leiten. Das sollte doch für den ehemaligen Luftgewehr-Schützen, der mehrfach bei Niedersachsenmeisterschaften startete, kein Problem darstellen.

Zumal sich Lehmann auch von Berufswegen mit dem Export auskennt: Nach seiner frisch abgeschlossenen Techniker-Prüfung kümmert er sich bei Volkswagen um Steuern, Zölle und mögliche Embargos vom technischen Gesichtspunkt her. Wer weiß: Vielleicht wird ja auch sein SV Tülau-Voitze zum Kreisliga-Exportschlager...

VON INGO BARRENSCHEEN

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