Handball – Verbandsliga: Spitzenreiter macht sich gegen Schlusslicht selbst Leben schwer

Kletten stellen VfL-Welt fast auf Kopf

Mit dem Kopf durch die Wand... Diese Methode wählten Wittingens Handballer (am Ball Arne Gades) allzu oft gegen Schlusslicht Wietzendorf und hatten so mehr Probleme als erwartet. Foto: Barrenscheen

ib Wittingen. Auch wenn am Ende keine Schande über ihre Häupter kam: Die Welt der Wittinger Handballer hatte am Sonnabend bisweilen auf dem Kopf gestanden. Weder hatte sich der VfL wie ein Tabellenführer noch der TSV Wietzendorf wie ein Tabellenletzter präsentiert.

Sie trafen sich in der Mitte. Der Verbandsliga-Häuptling zog seinen Kopf zwar aus der Schlinge, aber der 35:31-Sieg brachte dennoch eine neue Sportart hervor: Synchron-Kopfschütteln.

„Die wird bald olympisch“, scherzte Axel Bühlow. Ob der VfL-Coach, Kai Lemke als Wurf-Pechvogel des Abends oder die Zuschauer: Sie alle könnten gestern gut und gerne mit einem steifen Nacken aufgewacht sein. Beim Trainer setzte sich die Links-Rechts-Drehung vom Hals aufwärts auch bei der Analyse fort: „Wir haben uns das Leben so was von selbst schwer gemacht.“

Dabei hatte es im Gegensatz zu den zwei vorangegangenen Spielen dieses Mal gut begonnen. Die Pille lief, es klingelte über außen – bautz! 10:5 für den VfL nach einer Viertelstunde. Bis dahin alles normal im Duell Erster gegen Letzter. Doch offenbar stieg dem einen oder anderen der Anfangs-Erfolg zu Kopf. „Der Rückraum hat sich gedacht: Wir haben ja noch gar kein Tor gemacht, da können wir ja mal werfen“, übte sich Bühlow in leichtem Sarkasmus.

Wietzendorf hatte den Torwart gewechselt – und den ballerten die ungeduldigen Brauereistädter nun munter warm. Die Hals über Kopf-Methode ging buchstäblich nach hinten los, weil der VfL sich plötzlich auch dort als äußerst anfällig erwies. „Bei uns hat gar nichts mehr geklappt, bei Wietzendorf alles“, schlug Bühlow die Hände vor seinem Kopf zusammen. Eine 2:9-Torserie und schwups führte das von Kahlkopf Lars Worthmann angetriebene Schlusslicht!

Das einzige Positive zu diesem Zeitpunkt für Bühlow: „Normal zerfleischt man sich.“ Doch der Liga-Primus bewahrte kühlen Kopf. Nichtsdestotrotz verfielen die Hausherren nach dem Ausgleich zu Beginn der zweiten Hälfte abermals in ihr Kopf-durch-die-Wand-Muster, wollten die Wende zu sehr erzwingen. Der VfL-Coach betrieb Kopfwäsche bei seinen Schützlingen. „Das ging links rein und rechts wieder raus.“

Und so blieb es ein Vabanquespiel. Wie heißt es so schön: Was man nicht im Kopf hat, muss man in den Beinen haben... Bezeichnend für das unverhofft spannende Spiel ein Lattentreffer von Lemke, der zur Vorlage für einen Tempogegenstoß wurde. Bühlow meinte kopfschüttelnd: „Normalerweise passiert so etwas einem Tabellenletzten.“ Doch am Sonnabend war alles irgendwie anders. Wietzendorf steckte zu keiner Sekunde auf, selbst nicht nach dem 30:27 für Wittingen. „Bis zur 58. Minute war das Spiel nicht gegessen“, unterstrich Bühlow. Jens Schmidt hätte im Gespräch mit dem Trainer den Nagel auf den Kopf getroffen: „Er meinte, die kleben wie eine Klette an uns.“ Nun ja: Hauptsache zwei Punkte. Schon morgen heißt es für den VfL: Aus dem Kopf, aus dem Sinn.

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