Frauenfußball – Bundesliga: Wackere Wölfinnen nach Last-Minute-Sieg gegen Potsdam Titelfavorit Nr. 1

Keßler als fleischgewordene Fortuna!

Der geht vorbei, später aber zielte sie besser: Nadine Keßler (4. v. l.) avancierte im Liga-Hit zu Wolfsburgs Matchwinnerin gegen Potsdam.

Wolfsburg. „Es gibt einen Fußballgott. “ Sagte Nadine Keßler direkt nach Schlusspfiff zutiefst erleichtert und malte damit praktisch ein Selbstportrait. Denn die Göttin in Grün trug am gestrigen Freitagabend im VfL-Stadion am Elsterweg den Namen Nadine Keßler.

Mit ihrem Doppelpack zum 2:1 (0:1) auf den wirklich aller-letzten Drücker bescherte die Spielführerin den Fußball-Frauen des VfL Wolfsburg im Giganten-Duell der Bundesliga gegen ihren Ex-Club Turbine Potsdam das hochverdiente Happy End. Die Wachablösung im deutschen Oberhaus ist damit vollzogen.

Danach hatte es eine gefühlte Ewigkeit nicht ausgesehen für den Spitzenreiter. Bis zur 82. Minute klebte den wirbelnden Wölfinnen das Pech an den Stiefeln wie die vom Regen angepatschten Haare in den Gesichtern.

Der VfL hatte vor 3069 Zuschauern, darunter Bundestrainerin Silvia Neid, einen Sturmlauf hingelegt. Topchance über Topchance. Nur im Abschluss haperte es. Ob bei Conny Pohlers mit einem umstrittenen Abseitstor, Alexandra Popp mit nett anzusehender, aber ertragloser Hacken-Verlängerung, Martina Müller mit einem überhasteten Abstauber, nachdem Turbine-Torwart Alyssa Naeher nur nach vorne abklatschen ließ (18.), oder oder oder... So kam es, wie es kommen musste: Meister Potsdam kam einmal vors Tor und schwupp stand es 0:1 durch Lisa Evans (44.). Verkehrte Welt in Wolfsburg.

Die Seiten wurden gewechselt, das Bild blieb das Gleiche. Es stürmte nur ein Team, und das war der VfL. Doch auch die Ladehemmung blieb. So scheiterte Lena Goeßling sogar per Foulelfmeter an der glänzend reagierenden Naeher (76.). Jeannette Grace Ngock hatte wegen des Foulspiels an Zsanett Jakabfi die Gelb-Rote Karte gesehen.

Wolfsburg von allen guten Geistern verlassen? Nein! Denn in der 82. Minute hatte der VfL dann doch die ersehnte Erscheinung. In Person von Keßler, die einfach draufhielt und den längst überfälligen und für Potsdam immer noch mega-schmeichelhaften Ausgleich erzielte.

Davon beflügelt drängten die Gastgeberinnen weiter auf den Sieg gegen die ersatzgeschwächten Torbienen. Scheinbar ohne Fortune. Doch es gab ja noch Glücksgöttin Keßler: Mit der letzten Aktion köpfte sie doch noch den frenetisch gefeierten Siegtreffer!

VfL-Coach Ralf Kellermann machte seinem Team zwar einerseits den Vorwurf des Chancenwuchers, sprach aber auch ein „großes Kompliment“ aus. „Selbst nach dem verschossenen Elfmeter hat die Mannschaft nicht die Köpfe hängen lassen.“ Das sah Matchwinnerin Keßler genauso: „Ich hatte bis zum Schluss die Hoffnung, dass wir es schaffen.“ Ganz klar: Wolfsburg ist nun Titelfavorit Nr. 1. Doch die Doppeltorschützin wiegelte ab: „Es ist noch ein langer Weg.“

Von Ingo Barrenscheen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare