IK-Nachspielzeit: Drama um Hillerse-Spieler / Guter Jahrgang beim FC Brome

Kein Jubel, kein Tor!? Rühen-Kuriosum

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Schiri, der war drin! Rühens verkappter Torschütze Christopher Ramolla intervenierte erfolgreich.

Isenhagener Land – Kaum rollt das Leder wieder im Fußball-Nordkreis Gifhorn, feiert auch die IK-Nachspielzeit ihr Comeback. Der erste Spieltag brachte direkt einige kuriose Geschichten.

Taktikfuchs Thorsten Thielemann hat beim VfL Wahrenholz augenscheinlich den Schlüssel zum Erfolg entdeckt.

Nachdem die Bezirksliga-Saison mäßig in Gang gekommen ist, heimste das Taterbusch-Team nun jahresübergreifend dank des 3:1-Erfolgs im Nachholspiel gegen den SV GW Calberlah 13 Punkte aus den vergangenen fünf Partien ein. Und das Erfolgsgeheimnis liegt in einer System-Umstellung begründet.

Seit Thielemann die Schwarz-Gelben in einem 4-5-1 mit offensiven Außen agieren lässt, läuft es. „Ich habe das Mittelfeld breiter gemacht, da ist doch zu viel durchgegangen vorher“, erklärt der VfL-Coach. Wobei die Flügelflitzer, am Sonntag von Jan-Patrick Schön und Jannik Vespermann verkörpert, „viel mitarbeiten“ müssten, so Thielemann.

All die Nickligkeiten, all die Provokationen rückten von einer Sekunde auf die nächste völlig in den Hintergrund. Denn das rassige bis hitzige Kreisliga-Duell zwischen dem TSV Hillerse II und FC Brome (3:1) gipfelte in einem „Schockmoment“, schilderte TSV-Trainer Florian Hildebrandt. Bei einem fairen Kopfballduell rasselte Bromes Kapitän Riaan-Philipp Schmidt mit Andre Baudisch zusammen. Sein Spieler sei dann „wie ein Stein runtergefallen“ und lag plötzlich regungslos am Boden. Helle Aufregung allenthalben.

„Alle meinten: Oh mein Gott, oh mein Gott! Er bewegt sich nicht mehr.“ Der bewusstlose Baudisch hatte seine Zunge verschluckt und sei so verkrampft gewesen, dass die herbeigeeilten Helfer erst Probleme hatten, diese herauszuziehen. Doch Bromes Co-Trainer Malte Buhr gab den Tipp, den Kopf in den Nacken zu legen, dann funktionierte es und Baudisch kam wieder zu sich. Wobei er noch total benommen war. Hildebrandt: „Er hat sechs mal die gleiche Frage gestellt: Wo bin ich?“

Die Tumulte zwischen beiden Teams in diesem Augenblick nebensächlich. Hildebrandt fuhr mit seinem von Kopf bis Fuß verschlammten Schützling direkt ins Krankenhaus, Hillerses Mittelfeldspieler konnte schließlich schnell entlassen werden. „Wichtig ist, dass es ihm wieder gut geht.“ Baudisch klagte gestern noch über einen Brummschädel – letztlich Glück im Unglück. Und bei Hildebrandt löste die eigene Hilflosigkeit einen Gedankenanstoß aus: „Eigentlich müssten wir alle einen Erste-Hilfe-Kurs machen.“

Berufen zu Höherem!? Waldemar Bier, Torjäger in Diensten des Kreisligisten Wesendorfer SC, wappnet sich augenscheinlich schon für seine Zeit nach der aktiven Karriere. Gemeinsam mit 29 anderen Kandidaten aus ganz Niedersachsen hat Bier jüngst erfolgreich die Prüfung zur Trainer B-Lizenz abgelegt.

Unter der Regie von NFV-Trainer Martin Mohs, unterstützt von seinen Kollegen Thomas Pfannkuch, Caroline Kunschke, Bernhard Augustin, Marek Wanik und Georgi Tutundjiev, bestanden Bier und Co. die Prüfung nach 120 Unterrichtseinheiten in der NFV-Sportschule Barsinghausen.

Er fliegt für sein Leben gern. Ein Fliegenfänger ist Daniel Gruss aber ganz gewiss nicht. Das untermauerte der Keeper des TSV Fortuna Bergfeld am Sonntag im umkämpften Prestige-Duell beim TuS Ehra-Lessien. Eigentlich sei Gruss nur die Nummer drei im Torwart-Ranking, erklärte TSV-Trainer Jürgen Hoffmann. „Er betreibt nebenbei Segelfliegen – die Saison dort geht für ihn im Sommer erst wieder los.

Er hat die ganze Vorbereitung bei uns mitgemacht und hat sich seine Chance verdient.“ Und die nutzte der Mann im Hintergrund wie eine Eins! Gemeinsam mit TuS-Pendant Max Starck hätte Gruss dafür gesorgt, dass am Ende eine Nullnummer stand. Kurios übrigens auch das Wiedersehen von Stefan Mewes mit seinem Ex-Club Ehra-Lessien: Der zur Winterpause zurück nach Bergfeld abgewanderte Akteur hatte Hoffmann am Freitag eigentlich mitgeteilt, dass er in der Autostadt arbeiten müsse. „Doch dann hat ihm sein Chef doch für zwei Stunden frei gegeben.“

Nicht nur beim Wein gibt es gute Jahrgänge. Sondern auch beim Fußball. Ein gutes Beispiel ist die ehemalige B-Jugend des FC Brome, die in der Saison 2003 Kreismeister wurde. Anlässlich des 100-jährigen Vereinsbestehens kamen die früheren Weggefährten des Semesters 1986/87 am Wochenende noch einmal in illustrer Runde zusammen. Um sich alte Berichte und Bilder von früher anzugucken, aber auch um zu schwitzen.

Heute wie damals nahm Trainer Walter Traue seine Schützlinge ordentlich ran. „Richtig mit Warmmachen und Liegestützen“, schmunzelte Spartenleiter René Wedekind, der selbst dem Meisterteam angehörte. Überhaupt „scheint es ein guter Jahrgang gewesen zu sein. Drei Spieler sind heute im Fußball-Spartenvorstand, einer bei der Feuerwehr, einer bei den Schützen und einer beim HSV-Fanclub“, erläuterte Wedekind. „Es fällt schon auf, dass sich aus der Truppe viele engagieren.“

„Sachen gibt’s, die gibt’s gar nicht...“ Nicht nur Andre Thiele, sondern alle Anwesenden schüttelten am Sonntag im Rühener Waldstadion in der 42. Spielminute ungläubig mit dem Kopf. Weil sich das genaue Gegenteil eines Phantom-Tores zugetragen hatte. Blau-Weiß-Angreifer Christopher Ramolla verwertete einen Konter zum vermeintlichen 2:1 gegen den VfL Vorhop.

Doch weil weder der Torschütze noch der geschlagene Keeper auch nur eine Regung zeigten, entschied Schiedsrichter Stefan Wellmann (SV Westerbeck) zunächst auf Abstoß. Was bei Ramolla dann plötzlich doch Emotionen hervorrief. Auf die Proteste hin vergewisserte sich Wellmann, ob das Netz ein Loch hat, durch das das Leder gerutscht sein könnte. Negativ. „Es hat auch von außen erst niemand realisiert, aber der Ball war wirklich drin. Das hat ein Vorhoper hinterher auch noch bestätigt“, so Thiele. Letztlich zählte der Treffer doch. Und doch hätte Ramolla gewissermaßen fast die Pausenführung verjubelt...

.  Apropos Torjubel: Bei diesem hielt sich Timo Gipser dezent zurück. Ausgerechnet der Ex-Taterbusch-Kicker ebnete mit seinem Doppelpack an alter Wirkungsstätte den Weg zum 4:2-Auswärtssieg des FC Germania Parsau beim VfL Wahrenholz II.

In seiner Ansprache vor dem Spiel hatte FCP-Coach Sören Henke die Personalie – natürlich – aufgegriffen: „Ich habe gesagt, dass die Wahrenholzer sich freuen werden, ihrem alten Kumpel eins auszuwischen und wir ihnen zeigen sollen, was ihnen entgeht.“ Gipser sei aber seit seinem Winter-Wechsel „allgemein sehr torgefährlich. Wir sind froh, erst Recht aufgrund unserer Personalmisere, dass wir ihn haben.“

VON INGO BARRENSCHEEN

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