IK-Nachspielzeit: Klasen gibt unverhofft frühes HSV-Comeback

Kühnes herzlich-schmerzliche Rückkehr zum VfL Knesebeck

Herzlicher Empfang: Michel Kühne (M.) konnte bei seiner Rückkehr zum VfL Knesebeck aber nicht mitwirken für seinen neuen Klub SV Groß Oesingen.
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Herzlicher Empfang: Michel Kühne (M.) konnte bei seiner Rückkehr zum VfL Knesebeck aber nicht mitwirken für seinen neuen Klub SV Groß Oesingen.
  • Ingo Barrenscheen
    VonIngo Barrenscheen
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Die IK-Nachspielzeit hat auch dieses Mal wieder ein buntes Sammelsurium an Anekdoten von den Fußball-Plätzen im Isenhagener Land zu bieten.

„Zehn Jahre gealtert...“

„Platt wie eine Flunder“ sei er nach dieser physisch wie psychisch kräftezehrenden Woche gewesen. Keine Aussage von einem Spieler etwa, sondern von Thorsten Thielemann. Dem Trainer des Bezirksligisten VfL Wahrenholz. Erst das Derby-Drama von Brome (3:3), nun am darauffolgenden Sonntag der nicht minder aufregende 1:0-Sieg mit zehn Mann in der zweiten Halbzeit – darunter Turban-Titan Niklas Germer (siehe Extra-Story) – beim MTV Gamsen. Samt aufwühlender Szenen in der Nachspielzeit. Dazwischen lagen für Thielemann wohlgemerkt noch die tagelangen Hochzeits-Feierlichkeiten seiner Tochter. Dementsprechend groggy war der Taterbusch-Team-Taktgeber am Sonntagabend. „Ich gehe jetzt zuhause vor den Spiegel und schaue, wieviele graue Haare dazugekommen sind. Das war von Sonntag bis Sonntag eine ganz harte Woche, ich bin um zehn Jahre gealtert...“ 

Kein Cut nach dem Cut

Besonders die sechs Minuten Überlänge in Gamsen hatten Thorsten Thielemann und Co. mächtig mitgenommen. Nach dem blutigen Zusammenstoß von Niklas Germer mit seinem Gegenspieler drohte der VfL Wahrenholz sogar mit neun Mann das Ergebnis über die Zeit retten zu müssen. Doch Germer zeigte sich als harter Hund, spielte trotz des Cuts über dem linken Auge zu Ende. Der Mittelfeldmotor fuhr im Anschluss direkt ins Krankenhaus. Die Platzwunde musste geklebt werden. Aber es ging ihm soweit ganz gut. „Der Schädel brummt ein wenig, die Augenhöhle schwillt ein wenig zu. Aber für die Vereitelung der Torchance und die drei Punkte war es mir das wert“, lachte Germer am späten Abend bereits wieder. Selbst mit Wickel um den Kopf hätte er „noch zwei Mal die Rübe hinhalten müssen“. Ob er allerdings am morgigen Mittwoch im Wahrenholzer Bezirkspokal-Match gegen den WSV Wendschott zur Verfügung steht, ist noch offen. „Ich hoffe doch. Aber gerne von der Bank aus. Erstmals 90 Minuten waren schon kräftezehrend...“

Tor für die Tochter

Haley-luja! Es sei „schon selten, dass er ein Tor macht“, meinte sein Coach Tim Reinsdorf schmunzelnd. Doch diese Rarität hatte sich Pierre Lauenstein vom FC Germania Parsau II exakt für den richtigen Moment aufgehoben. Am Sonnabend war der 30-Jährige erstmals Vater seiner bezaubernden Tocher Haley geworden, am Sonntag traf er dann tatsächlich zum zwischenzeitlichen 2:0 beim 4:1-Auswärtssieg gegen den Wesendorfer SC II. Dabei hätte er eigentlich gar nicht spielen sollen, meinte Reinsdorf. „Ich habe gesagt: Bleib mal schön weg bei Frau und Kind. Aber er wollte unbedingt.“ Als gab es zwischen den Krankenhaus-Besuchen das Fußball-Intermezzo. „Wir haben vorher noch als Mannschaft gesagt, den Sieg für ihn und seine Tochter zu holen – und es wäre die Krönung, wenn er selbst ein Tor machen würde“, grinste Reinsdorf. Gesagt, getan. Den klassischen Baby-Jubel à la Bundesliga gab es übrigens im Heidelandstadion nicht zu sehen. „Wir wollten eigentlich was machen, aber das ist in der Traube untergegangen...“

Knipser kontern Kritik

Mehrmals hatte Mark-Oliver Schmidt in den Vorwochen Kritik an seiner Abteilung Attacke geübt – weil die klassischen Angreifer in den Reihen des FC Brome nicht so recht zünden wollten. Beim 4:2 gegen die SV Gifhorn aber gab es dann von den Gescholtenen die Explosion. Doppelpack von Marvin Keller, dazu Tore der eingewechselten Christoph Nieswandt und Michael März. „Das war heute echt gut“, bekräftigte auch FCB-Teammanager Hendrik Joswig. Besonders die zwei Joker hatten maßgeblichen Anteil an der Spielwende gegen die SVG. Joswig: „Thielemann und Nieswandt haben richtig Tappete und Wege gemacht.“ So darf es aus Schmidts Sicht bei seinen Offensiven gerne weitergehen.

Klasens HSV-Comeback

Im Sommer hatte er für den Fall der Fälle seinen Pass beim Heimatklub SV Hankensbüttel hinterlegt. Am Sonntag nun kam Friedrich Klasen unverhofft schnell zu seinem Comeback am Jungbluth-Platz. Aufgrund des akuten Personalmangels half der frühere Platendorfer Bezirksliga-Kicker im Match gegen den FC Ohretal aus. Ein Tor erzielte der Comebacker bei der Nullnummer zwar nicht, für sein erstes Spiel nach einer gefühlten Ewigkeit aber hätte er sich wacker geschlagen, meinte HSV-Coach Dirk Asmus. „Er war ein Unruheherd da vorne drin.“ Wer weiß, ob Klasen in diesem Jahr nicht noch häufiger auftaucht. Denn der HSV sei aktuell von einer „kleinen Verletztenmisere heimgesucht“, seufzte Asmus. Womöglich ist das Lazarett gegen Ohretal noch angewachsen, das muss sich noch zeigen.

Wahrenholz tritt nicht an

Die Personalnot war so eklatant, dass die Fußball-Frauen des VfL Wahrenholz tatsächlich das Worst Case-Szenario ausrufen mussten: Der Bezirksligist trat am Sonntag zum Auswärtsspiel bei STV Holzland nicht an, das Spiel geht somit kampflos 0:5 verloren. „Wir hatten nur fünf einsatzfähige Spielerinnen“, beklagte Trainer Stefan Theuerkauf. Demgegenüber standen 13 Absagen infolge von Verletzungen, Arbeit, Konfirmation und Urlaub. Aus der Reserve hätten nur fünf Kräfte aushelfen können, ohne sich festzuspielen. Deshalb wurde schweren Herzens die Entscheidung getroffen.

„Klar hat es wehgetan“

Die Vernunft überlagerte dann doch den extremen Ehrgeiz. Na logo hatte Michel Kühne auf einen Einsatz bei seiner erstmaligen Rückkehr an den Ernst-Hiestermann-Platz nach dem Wechsel vom VfL Knesebeck zum SV Groß Oesingen gebrannt. Doch er musste die Partie zu seinem Leidwesen tatenlos von der Seitenlinie aus mitverfolgen. Sein Zimperlein war nicht rechtzeitig ausgeheilt. „An sich war der Rahmen perfekt. Top-Wetter, ein ganz gut gefüllter Sportplatz. Ich habe viele alte Gesichter wiedergesehen, wurde herzlich begrüßt. Nur der Oberschenkel hatte etwas dagegen. Vielleicht ein Zeichen des lieben Gottes...“, seufzte Kühne. Also Zuschauer statt Protagonist in diesem für ihn so emotional besonderen Duell. „Klar hat das irgendwo wehgetan“, gab der Mittelfeldspieler unumwunden zu. „Vor fünf Jahren hätte ich wahrscheinlich noch eine andere Entscheidung getroffen. Aber im fortgeschrittenen Alter wird man etwas vernünftiger“, merkte das Langzeit-Einhorn nach der Partie gegen seinen Ex-Klub an. Aufgrund der Weitsicht steckte er seinen Ausfall dann doch gut weg. Die 2:3-Niederlage im Topspiel schmerzte ihn dann aber doch. Aber es gäbe ja noch ein Rückspiel. Kühne grinste: „Beim nächsten Mal spiele ich dann halt wieder, dann gewinnen wir auch, dann bin ich noch glücklicher.“

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