American Football: Felix Schulz vom SV Wagenhoff spielt statt Fußball nun Football in Deutschlands höchster Liga

„Ich muss zunehmen!“

Er setzt den Körper gewinnbringend ein: Egal ob mit dem Ball am Fuß wie hier beim Kreisklassisten SV Wagenhoff (r.) oder... Foto: Barrenscheen
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Er setzt den Körper gewinnbringend ein: Egal ob mit dem Ball am Fuß wie hier beim Kreisklassisten SV Wagenhoff (r.) oder...

Wagenhoff/Hildesheim. Was für eine Chance! Felix Schulz vom SV Wagenhoff heuert beim GFL-Team Hildesheimer Invaders an und ist damit ab sofort Mitglied im Kader des Erstligateams.

...mit dem Football im Arm. Felix Schulz (l.) macht immer eine gute Figur. Hier spielt er noch für die Mountain Tigers Wernigerode in der fünften Liga.

Man stelle sich nur mal vor, ein aktiver Sportler würde mit dem Fußballspielen in der fünften Liga beginnen und nach nur einer Saison klopft ein Bundesligist an und bietet ihm einen Kaderplatz an. Was im Fußball nach völliger Utopie klingt, ist im American Football durchaus möglich – zumindest in Deutschland, wo Football noch nicht den größten Stellenwert hat. Felix Schulz, Fußballer beim SV Wagenhoff, wagt nun diesen Sprung von den Mountain Tigers Wernigerode zu den Hildesheim Invaders und steht vor seiner ersten Saison in der GFL, der höchsten deutschen Football-Liga.

Dabei war er schon überrascht, wie schnell das alles ging. Studienbedingt zog Schulz nach Wernigerode und fing dort in der 5. Liga mit dem Footballspielen an. Nach seiner Debütsaison schleppte ihn ein ehemaliger Mitspieler, der mittlerweile für Hildesheim aufläuft, zu einem offenen Probetraining der Invaders, bei dem der Wide Receiver (Passempfänger) zu überzeugen wusste. „Ich fand mich da eigentlich nicht so überragend“, schmunzelt der Student, der zwei Wochen später in einem Telefonat mitgeteilt bekam, dass Hildesheim ihn gerne verpflichten würde.

Lange überlegen musste der Kästorfer da nicht, wenngleich die einstündige Fahrt zum Training schon abschreckend wirkte. „In der Saison haben wir aber auch nur zweimal in der Woche Training, weil alle eben auch berufstätig sind“, erklärte Schulz, der vor allem aufgrund seiner Schnelligkeit auffiel: „Das ist mein großer Pluspunkt.“ Auf der anderen Seite haben ihm die Hildesheimer schon eine kleine Hausaufgabe bis zum Trainingsstart am 15. Januar mit auf den Weg gegeben. „Ich muss zunehmen! Bisher wiege ich so 80 Kilogramm. 90 wären optimal“, sagt Schulz, der hofft, dadurch nicht an Schnelligkeit einzubüßen. An genau diesem Punkt wird aber ohnehin viel gearbeitet, weiß Schulz, der beim Probetraining schon etwas fasziniert von den vielen Coaches war: „Da hat jede Position einen eigenen Trainer, mit dem dann im Detail gearbeitet wird.“

Einen kleinen Eindruck vom Leistungsunterschied zwischen den Ligen bekam er auch, denn zehn Spieler aus dem aktuellen Kader der Invaders hatten mittrainiert. „Da war ein Amerikaner dabei, dem hast du sofort angesehen, dass er schon von klein auf Football spielt. Wie der sich bewegt hat und die Bälle gefangen hat, das war schon geil“, freut sich Schulz auf die neuen Herausforderungen, die auf ihn warten. Besonders an der Geschwindigkeit des Spiels und der Sauberkeit der Hits macht er einen Unterschied zwischen den Ligen fest.

Und auch beim großen Vorbild, der NFL aus Amerika, hat er natürlich seinen Favoriten, wenngleich „seine“ New York Giants die Playoffs in diesem Jahr verpassten. „Ich würde es den New Orleans Saints gönnen, im Super Bowl zu gewinnen, aber ich glaube, die Pittsburg Steelers werden Champion“, sagte der Wide Receiver, der die Playoffs trotz des Zeitunterschieds natürlich haargenau verfolgen wird. Da passt es gerade recht, dass der Sport in Deutschland immer populärer wird und deshalb auch mehr im Fernsehen gezeigt wird. Doch mit dem eigenen Fußballspiel in Wagenhoff lässt sich so eine Möglichkeit zeitlich schwer vereinbaren. Dass Marco Propfe nun auf seinen Sprinter verzichten muss, sieht der SVW-Trainer mit einem lachenden und einem weinenden Auge. „Er hat sich voll für mich gefreut und mir gesagt, ich solle ihm Karten besorgen“, lacht Schulz, der mit Hildesheim nun voraussichtlich gegen den Abstieg spielen wird. In der vergangenen Spielzeit waren die Invaders noch Aufsteiger und schafften den Klassenerhalt mit Mühe und Not. In diesem Jahr wird es ähnlich laufen, vermutet Schulz, der im April kurz vor dem Saisonstart (21./22. April) noch ein Trainingscamp mit den Invaders absolvieren wird.

Dass der Kästorfer bis dahin noch das ein oder andere Spiel für Wagenhoff absolvieren wird, schließt er nicht kategorisch aus, meinte aber, dass es nicht eingeplant sei: „Eventuell lässt es sich spontan einrichten.“ Seinen Pass lässt Schulz auf jeden Fall beim SVW: „Im Football ist die Saison ja schon im Oktober zu Ende, da könnte ich die Hinrunde wieder fast komplett bei Wagenhoff mitspielen.“

In der GFL hofft Schulz zudem auf Kurzeinsätze im letzten Quarter: „Aber alleine dabei zu sein und mittrainieren zu dürfen, ist schon toll.“ Eben eine ganz besondere Chance...

Von Christian Thiemann

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