Sportstudentin Laureen Gull nimmt Wahrenholzer Bezirksliga-Fußballer ran

„Ich bin fix und fertig!“

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Tipps und Rat gab Gull den Wahrenholzern (hier Florian Wendt), falls etwas nicht hundertprozentig lief.

Wahrenholz – Dienstag, 19 Uhr, am Wahrenholzer Taterbusch. Noch grinsen und flachsen sie, die Bezirksliga-Fußballer des VfL Wahrenholz, als ihr Trainer Thorsten Thielemann sie in den obligatorischen Besprechungskreis vor der Einheit lädt.

Doch sie wissen schon: Laureen Gull, die ein Sport-Fernstudium in Düsseldorf absolviert, wird sie gleich nach allen Regeln der Kunst fordern – sowohl im Warm-up als auch im Zirkel-Training.

Bereits zum dritten Mal trainiert die 23-jährige Wolfsburgerin die Fußballer. Es ist ein Mix aus Koordination, Kraft und Ausdauer. Gull weiß, was sie tut, trainiert schon seit 2015 nebenbei beim TV Jahn Wolfsburg und gibt seit einem Jahr Kurse und ist Fitnesstrainerin im Klub. Der Kontakt zum Verein kam über die Tochter des Trainers, die sehr gut mit Gull befreundet ist, zustande. „Man muss auch mal neue Wege gehen“, erklärt Coach Thielemann vor dem Training. 75 Minuten soll Gull die Kicker fordern. Das hat sie bereits zwei Mal zuvor in der Vorbereitung getan. Thielemann scherzt: „Beim letzten Mal hatten die Spieler Schmerzen an Stellen, die sie gar nicht kannten. Aber die Jungs haben Spaß dabei.“ Gull jedenfalls freut sich über die Aufgabe am Taterbusch: „Es war immer ein kleiner Traum, mit Jungs Attacke zu machen. Aus den Kursen kenne ich das nur mit Frauen.“

Gute Laune beim Warm-Up: Laureen Gull fordert die Bezirksliga-Fußballer des VfL Wahrenholz in der Saisonvorbereitung.

Koordinationsleitern und Matten schon aufgebaut, trommelt Gull die 14 anwesenden Jungs zusammen. Eine halbe Stunde Warm-up steht an – mit musikalischer Untermalung. „Das ist das A und O für mich“, betont Gull. Es wird gedehnt und sich aufgewärmt, plötzlich hört die Musik auf. Die Box ist aus. „Wenigstens höre ich euch jetzt“, scherzt Gull. Die mit Schweißperlen übersäten Kicker scherzen, warum keine Musik läuft. Ein Akteur beschließt, sein Auto zu holen, damit Gull ihre Musik weiterspielen kann. Der Kofferraum ist auf, die Seitentüren ebenso. Die Musik ist zurück.

Die Stimmung ist locker, lustig, aber auch sportlich-angestrengt. Der erste Kicker stoppt kurz. „Krampf?“, fragt sie, „Krampf!“, antwortet er. Gelächter. Immer wieder gibt Gull lautstarke Kommandos („Ein bisschen flotter bitte“), die Jungs ziehen bestens mit.

Nach einer bereits anstrengenden halben Stunde Warm-Up steht das Hauptprogramm an. Zuerst die Koordinationsleiter, an der besonders die Bein- sowie Hüftarbeit gefragt ist. Gull pusht die Jungs, ist laut und sagt, was man besser machen kann. Das gefällt Thielemann: „Sie macht es gut. Das ist ihr Ding.“ Mit viel Herzblut ist die Sportstudentin dabei. „Es ist nicht mein Job. Es ist meine Leidenschaft“, hatte sie vorher erklärt.

Viel Zeit zum Verschnaufen blieb den Kickern (hier Marlon Jansen) beim anspruchsvollen Training nicht.

Das Training an der Leiter schaut gut aus, die Wahrenholzer machen ihre Sache ordentlich. Beim Zirkeltraining danach wird dann reichlich was für die Hüfte, den Bauch und die Muskulatur gemacht. Jede Station ist drei Mal zu bewältigen. Ob Ball, Matte, Liegestütze oder Leiter – es ist ein Kraftakt für die bereits arg geforderten Kicker. Doch sie wollen es durchziehen. Sie kämpfen und beißen. „Alter, brennt das“, heißt es hier. „Ich bin fix und fertig“, heißt es dort. Doch sie haben stets das Ziel vor Augen, topfit in die Saison zu gehen. Das war schon im Vorjahr ein enormes Plus des Teams. „Wir haben in der Schlussphase so noch Punkte geholt“, untermauert Coach Thielemann, der sich freut, wie seine Jungs mitziehen.

Nach 75 schweißtreibenden und kräfteraubenden Minuten ist der Kraftakt vorbei. Am Ende steht noch ein lockeres Trainingsspielchen an. Da ist der eine oder andere schon im Gedanken sicherlich im Bett gewesen. Im August wird Gull für eine vierte Einheit nach Wahrenholz kommen. Die Fußballer können sich auf einiges gefasst machen...

VON ROUVEN PETER

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