Fußball – Vier Portugiesen aus Jembke fiebern WM-Spiel entgegen / „Deutschland ist stärker“

Herz pro Portugal, Verstand für DFB

Die Jembker Portugiesen hoffen auf ihren Superstar Cristiano Ronaldo (r.) Für den WM-Titel reicht es aber wohl nicht. Foto: dpa

mj Jembke/Wolfsburg. . In wenigen Stunden ist es soweit: Deutschland startet im brasilianischen Salvador in die Fußball-Weltmeisterschaft. Und die gesamte Republik drückt der DFB-Elf gegen Portugal (18 Uhr) die Daumen. Fast ganz Deutschland.

In Wolfsburg und Jembke werden sicherlich acht Daumen zum Wohl der Iberer in die Handfläche gepresst.

Seit 13 Monaten leben die Portugiesen Gonçalo Alves, José André Azevedo, Joel Cardoso und Crispim Borges da Ponte nun schon in Deutschland, spielen gemeinsam beim SV Jembke II in der 2. Kreisklasse 1 Fußball.

„Ich freue mich, wenn Portugal gewinnt. Und wir haben auch eine gute Mannschaft. Trotzdem glaube ich, dass Deutschland etwas stärker ist“, meint Crispim Borges da Ponte, der zusammen mit seinen drei Landsleuten bei VW in Wolfsburg in der Entwicklungs- und der IT-Abteilung arbeitet.

Im Mai 2013 hatten sich die vier Portugiesen entschlossen, die Heimat zu verlassen und ins gut 2500 Kilometer entfernte Deutschland zu ziehen. Bereut haben sie den Schritt nicht. Deutschland sei schon ein gutes Land, meint Crispim Borges da Ponte. Auch wenn er das Meer und die Freunde daheim vermisst. „Aber wir können hier viel reisen und schöne Dinge ansehen“, sagt der Ingenieur, der zunächst nur für zwei Jahre in Wolfsburg angestellt ist.

„Vielleicht können wir aber auch länger bleiben“, hofft er. Genauso wie seine drei Landsleute. Schließlich sei es schon sehr schwer gewesen, die deutsche Sprache zu erlernen. Und diese Mühe – seit einem Jahr ist das Quartett fleißig dabei – soll sich durch den Beruf in der Wolfsburger Automobilstadt auch weiterhin bezahlt machen.

Den Sprung vom Westzipfel des Kontinents mitten ins Herz Europas hat übrigens keiner der vier alleine gewagt. Gonçalo Alves, José André Azevedo, Joel Cardoso und Crispim Borges da Ponte kannte sich schon aus Portugal. Während Joel Cardoso in Porto studierte, schlossen die Übrigen ihr Studium in Lissabon ab.

Für die höchsten Weihen im Weltfußball wird es für die Portugiesen wohl noch nicht reichen. „Ich glaube nicht, dass wir Weltmeister werden“, ist Crispim Borges da Ponte skeptisch. Am heutigen Montag wird er zusammen mit Landsmann und Mitbewohner Joel Cardoso in Wolfsburg das Spiel ansehen. Ganz landestypisch: Mit einem Bier und Tremoço. Die eingelegten Kerne von Lupinen sind ein beliebter Snack auf der iberischen Halbinsel.

Und sollte es für die Portugiesen – wie Crispim Borges da Ponte erwartet – nicht für den WM-Titel reichen. Für den VW-Ingenieur gibt es noch genügend Gründe, bei der WM die Daumen zu drücken.

Zum einen halten die Portugiesen als ehemalige Kolonialmacht zu Gastgeber Brasilien. „Wir haben die gleiche Sprache, sind uns sehr nahe. Wir mögen die Brasilianer. Ein Sieg von ihnen ist auch gut für uns.“

Zum anderen spielen die vier Iberer ihre eigene Weltmeisterschaft im Internet aus. Und da kommt dem Quartett aus der kleinen portugiesischen Kolonie ganz sicher kein Spielverderber in die Quere.

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