Frauenfußball – Champions League, Viertelfinale: VfL scheidet durch 2:4 aus

Harders Hoffnungsfunke verglüht

Der herbe Rückschlag: VfL-Torfrau Almuth Schult foult Lyons Ada Hederberg vor Elfmeter zum 0:2.
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Der herbe Rückschlag: VfL-Torfrau Almuth Schult foult Lyons Ada Hederberg vor Elfmeter zum 0:2.
  • Ingo Barrenscheen
    VonIngo Barrenscheen
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Wolfsburg – Mit der hereinbrechenden Dämmerung jenseits der Flutlichter schien es auch um die Hoffnung des VfL Wolfsburg in Nullkommanichts stockduster zu werden.

Wenn es die Idealvorstellung eines Matchplans für das Rückspiel im Champions League-Viertelfinale der Frauen am gestrigen Abend gab, dann war er nach acht, spätestens aber nach 25 Minuten über den Haufen geworfen.

Doch die Wölfinnen kamen durch den Doppelpack von Pernille Harder (l.) wieder zurück.

Im Stile einer wahren europäischen Spitzenmannschaft – eben abgebrüht und zielstrebig – nahm Olympique Lyon mit einer schnellen 2:0-Führung im ausverkauften AOK-Stadion im Grunde den Dampf und die Spannung raus. Und auch wenn der VfL zwischenzeitlich am Wunder von Wolfsburg arbeitete, unterlag die Mannschaft von Stephan Lerch letztlich doch mit 2:4. Aus der Traum vom weiteren Weg in der Königsklasse. Grün-Weiß tanzt nur noch auf zwei Titel-Hochzeiten.

Ein simples 1:0 hätte nach der knappen 1:2-Niederlage eine Woche zuvor in Frankreich gelangt, um den Titelverteidiger zur Strecke zu bringen. Stattdessen führte ein fragwürdiger Freistoß, verursacht von Alexandra Popp an der Seitenlinie, zur eiskalten Dusche. VfL-Torfrau Almuth Schult wurde augenscheinlich vom direkt aufs Tor gezogenen Versuch von Dzsenifer Maroszan überrascht.

Auch wenn sie später zugab: „Ich habe noch kurz darüber nachgedacht, ob sie sich das traut.“Sie traute sich. Wobei sich die Gelehrten stritten, ob bereits der Freistoß drin war oder erst der Abstauber von Lucy Bronze zählte. Makulatur.

Allein dieser ungünstige Start wäre noch zu korrigieren gewesen. Doch während Wolfsburg Überraschungsmomente oder Bälle in die Schnittstellen abgingen, führte eben genau so ein tödlicher Pass zum gefühlten Todesstoß: Schult brachte Ada Hederberg im Sechzehner zu Fall – Elfmeter! Wenngleich Schult noch mit den Fingerspitzen dran war, schlug der Strafstoß von Olympique-Galionsfigur Wendie Renard zum 0:2 ein (25.). Zu diesem Zeitpunkt benötigte der VfL vier Tore zum Weiterkommen. „Ein harter Rückschlag“ in den Augen von Lerch, von dem sich das mutlose Heimteam bis zum Pausenpfiff nicht erholte und praktisch keinen gefährlichen Torabschluss verzeichnete.

Doch offenbar hatte Lerch in der Kabine den richtigen Nerven getroffen. Nur elf Minuten nach Wiederbeginn stand es schlagartig 2:2! Plötzlich fand der VfL die Lücken. Und Zielspielerin Pernille Harder, die zweimal als Vollstreckerin glänzte. Die Arena nun in Aufruhr! Lerch: „Das Stadion hat uns Kraft gegeben.“

Doch das Aufbegehren erstickte Lyon genauso postwendend im Keim. Eugénie Le Sommer entpuppte sich mit ihrem Kopfballtreffer als Spaßbremse (60.). Dennoch: Wolfsburg trat nun anders auf. Ewa Pajor vergab die Großchance zum 3:3 (65.). Als Le Sommer jedoch zum zweiten Mal zuschlug nach einem perfekten Konter (80.), war es um den VfL geschehen, wenngleich Harder fast noch den Hattrick geschnürt hätte (90.).

. VfL Wolfsburg: Schult – Maritz, Fischer, Goeßling, Peter – Neto (46. Wolter) – Gunnarsdottir, Harder – Hansen (81. Minde), Popp – Pajor (83. Doorsoun).

. Tore: 0:1 Maroszan (8.), 0:2 Renard (24., FE), 1:2, 2:2 Harder (53., 56.), 2:3, 2:4 Le Sommer (60., 80.).

VON INGO BARRENSCHEEN

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