Fußball – Bezirk: Vorgelagerte Pokal-Gruppenphase stößt auf negatives Echo

Hardcore-Saisonstart! „Bin schockiert“

Die enorme Sofort-Belastung durch den englisch angehauchten Pokal-September bereitet dem MTV Gamsen (l.) und FC Brome durchaus (Verletzungs-)Sorgen.
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Die enorme Sofort-Belastung durch den englisch angehauchten Pokal-September bereitet dem MTV Gamsen (l.) und FC Brome durchaus (Verletzungs-)Sorgen.

Braunschweig/Isenhagener Land – Wie man’s macht, macht man’s falsch. . . In der eigenen Wahrnehmung tut der Fußball-Bezirk Braunschweig seinen Klubs mit dem gestern präsentierten Modell für die neue Saison 2020/21 etwas Gutes. Mehr Spiele, mehr Anreiz.

Doch dass der eigentlichen Meisterschaft (diese beginnt erst im Oktober), als megaknackiges Warm-Up nach Monaten Corona-Stillstand, im September eine Bezirkspokal-Runde im Gruppenformat vorgeschaltet ist, hat bei einigen hiesigen Trainern eine Welle der Empörung losgetreten!.

Ummern not amused

Jörg Drangmeister blieb fast das Mittagessen im Halse stecken, als der Coach des VfL Germania Ummern dem umwälzenden Update des Bezirks gewahr wurde. Der komplette September ist geblockt für den Pokal, zum Saisonstart warten direkt drei englische Wochen auf die Herren-Teams. Weil die Gruppenphase (es gibt 20 Vierer- und zwei Dreier-Staffeln) mit Hin- und Rückspiel ausgetragen wird. Der Bezirks-Spielausschuss verkauft es positiv: „Dadurch haben die Mannschaften sechs beziehungsweise vier Spiele mehr“, heißt es in der Pressemitteilung. Drangmeister hingegen winkt genervt ab: „Ich bin schockiert und irritiert über so einen Quatsch! Den 1. April haben wir nicht... Wer so etwas entscheidet und sagt, er will Gutes tun, hat selbst noch nicht auf dem Platz gestanden oder ein Team betreut.“ Die enorme Belastung durch diese „Knüppelrunde“ direkt zum Wiedereinstieg könnte sich gerade für seinen Mini-Kader als Achillesferse darstellen: „Das erschließt sich mir nicht. Da macht man die Leute mit kaputt.“

Auch der regionale Aspekt, den der Bezirk bei der Einteilung – Ummern spielt gegen den VfL Wahrenholz, FC Brome und VfR Wilsche-Neubokel – zur Gewinnung höherer Zuschauerzahlen hervorhebt, findet Drangmeister hanebüchen. Zum einen würden die Germanen durch den nachträglichen Staffel-Wechsel (siehe unten) nun zweimal gegen den gleichen Gegner wie in den Punktspielen antreten. „Wo ist da der Sinn!?“ Zudem ist überhaupt nicht klar, wieviele Zuschauer im September erlaubt sein werden. Bislang sind es maximal 50. Die Hygiene-Vorschriften könnten die Vereine parallel vor eine weitere Herkulesaufgabe stellen.

„Halte für überzogen“

Die großen Sorgen seines Kollegen kann Ralf Ende nachempfinden. Einerseits sei die Gruppe-Variante eine „interessante Geschichte“, findet der Coach des MTV Gamsen. Doch alles in einem Auftakt-Monat zu ballen, ist in seinen Augen „zu krass“. Gerade für die Aufsteiger heißt das gleich „volles Mett. Ich halte das für etwas überzogen – keine Ahnung, ob das gut geht“, skepselt Ende mit Blick auf mögliche Verletzungsprobleme zur Eröffnung der Punktspiele. Schlussendlich zuckt er mit den Achseln: „Wir wollten alle wieder Fußball spielen – jetzt kriegen wir es richtig...“

Durchaus ein Befürworter ist Jan Schöbel, Spartenleiter und Co-Trainer des VfL Wahrenholz. „Es ist schon stramm, aber auch ein interessanter Modus. Ich finde es als Vorbereitung gar nicht so schlecht. Ansonsten wären wir Ende Oktober durch gewesen und hätten fünf Monate gar nichts gemacht. So ist es nicht ganz so entzerrt.“

Der Widerspruch

Bromes Übungsleiter Mark-Oliver Schmidt nimmt grundsätzlich eine pragmatische Haltung ein („Neue Sachen sind immer verrückt. Es ist so entschieden worden, dann ist es so“), nennt aber auch einen Juckepunkt: „Was widersprüchlich ist: Auf der einen Seite wird durch geteilte Ligen gespart, aber dann knallen sie die Spiele baff auf der anderen Seite wieder rein.“ Was ist da für eine Logik dahinter!?“ VON INGO BARRENSCHEEN

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