Hygiene-Konzept der SG VfL Wittingen/Stöcken für Spielbetrieb schränkt vor allem Zuschauer ein

„Handball ist nicht mehr so, wie er einmal war“

Solche Bilder wird es vorerst in der Gelben Halle in Wittingen nicht mehr geben: Handballspiele vor dicht gefüllten Tribünen. Mit den bevorstehenden Jugend-Relegationen greift das neue, tiefschürfende Hygiene-Konzept der SG VfL.
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Solche Bilder wird es vorerst in der Gelben Halle in Wittingen nicht mehr geben: Handballspiele vor dicht gefüllten Tribünen. Mit den bevorstehenden Jugend-Relegationen greift das neue, tiefschürfende Hygiene-Konzept der SG VfL.

Wittingen – Monatelang sahen sie ihr Sport-Domizil nur von außen. Ab dem kommenden Montag dürfen die Handballer der SG VfL Wittingen/Stöcken nun endlich wieder ihre heilige (Gelbe) Halle betreten. Ein weiterer Schritt in Richtung Normalität nach dem Corona-Lockdown.

Allerdings: Beim unmittelbar bevorstehenden Spielbetrieb wird zunächst nichts mehr so sein wie früher.

In Akribie-Arbeit hat der Vorstand um Kai Schüttenberg – basierend auf den Vorgaben des Handball-Verbandes Niedersachsen – ein minutiöses Hygiene-Konzept ausgefeilt, das gerade für die Zuschauer erhebliche Einschnitte mit sich bringt. Einfach mal so rumkommen als Tribünengast – das gibt es vorerst nicht mehr!.

Vorrang hat Spielbetrieb

Doch das gebietet schlichtweg die Zeit, unterstreicht der Handball-Abteilungsleiter. „Primäres Ziel ist es, den Mannschaften wieder die Möglichkeit zu geben, am Spielbetrieb teilzunehmen. Das sind wir unseren Spielern, gerade der Jugend, schuldig. Alles andere muss hinten anstehen. Die Zuschauer sind ein Bonus. Wir freuen uns, dass welche da sein können.“

Mannschaften bestimmen Zuschauer

Das Tribünen-Kontingent ist, neben neun im Auftrag des Vereins tätigen Personen, auf 40 Schaulustige, darunter zehn Gästefans, beschränkt! Mehr noch: Es wird keinen freien Karten-Verkauf geben. Stattdessen benennen die Heim- und Auswärtsmannschaft vorweg die Zuschauer. „Das wurde von uns bewusst so gewählt. Weil wir Wert darauf legen, dass wir Zuschauer in der Halle haben, die einen Bezug zur Mannschaft haben“, pointiert Schüttenberg. Diese Deckelung und gezielte Auslese müsse schlichtweg jeder akzeptieren zurzeit. „Niemand muss sich dem charmanten Gedanken hingeben, dass der Handball so ist, wie er einmal war.“

Konflikte vermeiden

Andere Einlass-Lösungen wären in den Augen des Klub-Vorstandes Keimboden für Unfrieden gewesen. „Besser so, als wenn sich Schlangen vor der Halle bilden und wir enttäuschte Zuschauer abweisen müssen, weil das Kontingent erschöpft ist. Solche Konfliktsituationen wären für beide Seiten belastend und wollen wir verhindern“, erklärt der Wittingen/Stöckener Handball-Chef. Weitere Besonderheit: Bis auf Weiteres ist bei Tests kein Publikum zugelassen.

Mega-Aufwand für SG

Der komplette Hallen-Knigge in Corona-Zeiten (siehe Info-Kasten) ist von der SG VfL auf vier DINA4-Seiten detailliert beschrieben und wird mit allen Beteiligten vorab explizit durchgekaut. Wie in einer Simulation haben die Verantwortlichen haarklein versucht, sich in die jeweiligen Rollen und Bewegungsabläufe der Spieler, Trainer, Schiedsrichter und Zuschauer hineinzuversetzen und daraufhin einen Ablauf-Plan zu erstellen. Ein Mega-Aufwand. Auch an den Spieltagen selbst wird „ein riesiger Berg an Arbeit“ auf die Offiziellen zukommen. Sowohl während der Halbzeitpause als auch nach dem Schlusspfiff wird desinfiziert, was das Zeug hält. Positives Signal: Das Hygiene-Konzept wurde von der Stadt Wittingen anstandslos abgesegnet. „Die Zusammenarbeit war sehr fruchtbar“, betont Schüttenberg.

Änderungen möglich

Wohl gemerkt: Die neuen Spielregeln sind nicht dauerhaft in Stein gemeißelt. Die SG VfL will die ersten Jugend-Relegationsspiele und die Matches der zweiten Herren in der Regionsoberliga im September als Test-Lauf nutzen. „Es kommt darauf an, ob die graue Theorie mit dem entsprechenden Leben erfüllt werden kann. Die Praxis zeigt, ob noch Nuancen angepasst werden müssen. Das Konzept ist lebendig“, unterstreicht Schüttenberg. Heißt auch: Lockerungen mit Blick auf die Senioren-Spiele der Landesliga-Teams ab Ende Oktober für die Zuschauer sind nicht ausgeschlossen.

Eines ist Schüttenberg im Vorfeld ganz wichtig: „Wir legen sehr großen Wert auf die Einhaltung sämtlicher Regeln. Ein ‘Ach, das geht heute auch so’ wird es bei uns nicht geben. Wir werden alles dafür tun, um die Infektionsrisiken einzudämmen.“ Dabei sind die Wittingen/Stöckener Handballer ohne Frage „auf die Mitwirkung aller angewiesen“. VON INGO BARRENSCHEEN

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