Judo: Giovanna Scoccimarro holt in Montreal ihr erstes Grand-Prix-Gold

„Halt sie, halt sie, halt sie“

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Sichtlich stolz präsentiert die Lessienerin Giovanna Scoccimarro (2. v. l.) bei der Siegerehrung in Montreal ihre erste Goldmedaille bei einem Grand Prix. Ein Ausrufezeichen mit Blick auf Olympia 2020.

Montreal – Eine Nordkreislerin ließ ein ganzes Land jubeln! Mit leisen und durchaus auch berechtigten Medaillenhoffnungen war Giovanna Scoccimarro nach Montreal (Kanada) zum Judo-Grand-Prix gereist. Unter die ersten Drei wollte sie es möglichst schaffen.

Es lief für die 21-jährige Lessienerin vom MTV Vorsfelde am vergangenen Wochenende sogar so gut, dass sie sich erstmals bei einem Grand Prix eine Goldmedaille sicherte. Im spannungsgeladenen Finale bezwang Scoccimarro in der 70-Kilogramm-Klasse die Kanadierin Kelita Zupanic, zugleich vierfache Panamerika-Meisterin.

„Am Anfang war ich nervös. Aber mein Trainer und ich haben gesagt, dass wir die Energie und den Flow von jedem hier einfangen müssen. Dadurch habe ich mich gut gefühlt und einfach gedacht, ich muss sie halten. Es waren nur Sekunden und ich dachte mir: Halt sie, halt sie, halt sie, lass sie nicht los“, äußerte sich die U21-Vize-Europameisterin von 2017 nach dem Finale gegen Lokalmatadorin Zupanic sichtlich erschöpft, aber dennoch überglücklich über ihr erstes Gold bei einem Grand Prix. Im Halbfinale schaltete die Nordkreislerin die belgische Meisterin Roxane Taeymans aus.

Durch den Gesamterfolg holte sich Scoccimarro zugleich auch wertvolle Punkte für die Weltrangliste, in der sie es – um an den Olympischen Spielen 2020 in Tokio teilnehmen zu dürfen – unter die ersten 18 schaffen und zudem auch noch beste Deutsche sein muss. Genau das ist das erklärte Ziel.

Nachdem durch ihre Prüfungsphase eher schwierige Zeiten hinter der Lessienerin liegen und diese bereits im Mai mit der Bronzemedaille beim Grand Prix im chinesischen Hohhot in die Erfolgsspur zurückgekehrt war, legte sie nun noch einen drauf. Dementsprechend gerührt war Scoccimarro während der Siegerehrung, nachdem sie ihren Preis aus den Händen von Anne Merklinger, der Geschäftsführerin der kanadischen Sportförderorganisation „Own the Podium“, überreicht bekam.

Ende Juli steht für die 21-Jährige der nächste bedeutende Wettkampf an. Dann nämlich steigt der Grand Prix im kroatischen Zagreb. „Ich denke, dort werden dann schon die die Starterinnen für die WM dabei sein“, hatte Scoccimarro kürzlich verraten. Die Weltmeisterschaft im August in Tokio ist ihr nächstes großes Ziel. Dafür braucht sie die Nominierung vom Bundestrainer. Doch mit ihrer Goldmedaille in Kanada hat sich Giovanna Scoccimarro natürlich eine Menge Kredit erspielt. Für Japan holte sie sich mit ihrem ersten Platz wertvolle Punkte. „Ich hoffe, mir damit eventuell schon die Qualifikation für die WM gesichert zu haben“, äußerte sich Scoccimarro. Es wird nicht lange dauern, bis Gewissheit herrscht.

VON FLORIAN SCHULZ

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