Fußball: Freud’ und Leid bei den Nordkreis-Klubs nach der neuen Corona-Verordnung

Nur gucken, nicht anstoßen...

Der Sport sollte da wichtiger sein als der Alkohol. Überall muss man Masken tragen, da werden die Menschen es auch akzeptieren, auf ein, zwei Bier beim Fußball zu verzichten.

Isenhagener Land – Du kommst hier net rein! Die Türsteher-Floskel wäre womöglich am morgigen Sonntag auch an den Kassen einiger Plätze im (Nord-) Kreis Gifhorn gefallen, wenn der Niedersächsische Fußball-Verband (NFV) nicht durch Nachfragen aufgescheucht worden wäre.

Denn die seit gestern gültige Corona-Verordnung für den Sport in Niedersachsen ließ in zwei prägnanten Punkten jede Menge Interpretations-Spielraum. Zumindest eine böse Vorahnung verflüchtigte sich: Bei Sportveranstaltungen mit mehr als 50 Zuschauern sind auch weiterhin Gästefans im Amateurbereich erlaubt. Die Kehrseite der neuen Gesetzes-Medaille: Pilgern mehr als 50 Fans auf die Anlage, ist ab sofort der Alkohol-Ausschank untersagt! Die etwas andere 50+1-Regel im Fußball.

Erstmal Verwirrung, dann Erleichterung

Den Stein ins Rollen gebracht hatte am gestrigen Freitagvormittag Sören Henke. Berufsbedingt war der Trainer des FC Germania Parsau über die aktualisierte Sport-Fassung in der Corona-Verordnung gestolpert. Nicht als einziger. Henke stellte sich adhoc die Frage: „Müssen wir jetzt unseren Gast FC Ohretal anrufen und sagen, dass sie keine Fans mitbringen dürfen!?“ Zumindest diese Sorge wurde den hiesigen Vereinen am Nachmittag genommen. Der Passus mit den auswärtigen Supportern bezieht sich in erster Linie auf Vorverkaufs-Kontingente, wie sie Gastvereinen im Profibereich angeboten werden. Nicht aber auf den Amateursport. Der NFV ließ, nach Rücksprache mit dem niedersächsischen Ministerium, verlautbaren: „Nicht untersagt ist der Verkauf von Tickets am Tag der Sportveranstaltung durch den Heimverein an einzelne Personen, die Fans des Gastvereins sind.“ NFV-Direktor Steffen Heyerhorst erklärte dazu: „Diese Unterscheidung ist für den Amateurfußball ganz wichtig. Wenn zum Beispiel in der Kreisklasse am Spieltag den Zuschauern Einlass gewährt wird, dann brauche ich als Heimverein nicht zu prüfen, ist das jetzt ein Fan meiner oder der gegnerischen Mannschaft. Diese Lesart wurde uns vom Niedersächsischen Ministerium für Inneres und Sport bestätigt.“

Zum Glück, findet Henke. „Das wäre schon ein Riesending gewesen! Dann hätte man den Laden dicht machen können. Wie will man das organisatorisch umsetzen!?“ Durch unterschiedlichste Wohnorte zwischen Heim- und Gästefans zu unterscheiden – faktisch unmöglich. Zumal sich gerade bei Jugend-spielen die Frage gestellt hätte: Was ist dann mit den Eltern? „Wie soll man das handhaben?“, zuckt auch René Wedekind, Spartenleiter des FC Brome, vor dem Heimspiel am Sonntag im Bezirkspokal gegen den VfL Ummern, mit den Schultern.

„Langfristig wird das Zuschauer kosten“

Zu diesem letztlich lachenden gesellt sich aber eben auch ein weinendes Auge für die Vereine. Zunächst einmal bis zum 8. Oktober darf bei den Matches, ab 50+-Zaungästen, Alkohol weder angeboten noch konsumiert werden. Was im Grunde dann auch für die dritte Halbzeit der Teams selbst gilt! „Das betrifft bei uns erst einmal nur zwei Heimspiele. Aber langfristig: oh oh... Das wäre nicht gut und wird wieder ein paar Zuschauer kosten“, ist sich Wedekind sicher. Nicht zu vergessen: Die wegbrechenden Einnahmen durch den Verkauf. Dennoch wird der FCB deshalb nicht bei 50 Leuten die Schotten dicht machen, sondern stattdessen die Bierkisten fürs Erste einmotten.

FSV-Sorge um Turnier

So verfahren morgen auch der VfL Knesebeck und der FSV Vorhop-Schönewörde in ihren Kreisliga-Duellen gegen den SV Groß Oesingen respektive Wesendorfer SC. Klares Statement von Einhorn-Abteilungsleiter Tobias Krebiel: „Wir spielen lieber mit mehr Zuschauern, als darauf zu verzichten. Was sollen wir machen, wir können es uns nicht aussuchen.“ Wobei es ihm im speziellen Knesebecker Fall für den Vereinswirt leid tut, den die Corona-Prohibition am Ernst-Hiestermann-Platz am härtesten trifft. Auch Nicky Urbanitsch, Pendant vom benachbarten FSV, bekräftigt: „Der Sport sollte da wichtiger sein als der Alkohol. Überall muss man Masken tragen, da werden es die Menschen auch akzeptieren, dass sie die ein, zwei Bier auf dem Fußballplatz nicht trinken dürfen.“

Viel mehr Kopfzerbrechen als die Punktspiele bereitet Vorhop-Schönewörde der Blick voraus auf seinen neu geschaffenen Schmidt Trockenbau/Audi-BKK-Cup im November. „Da sehe ich schwarz“, seufzt Urbanitsch.

FC Oerrel beschränkt Karten-Kontingent

Den umgekehrten Weg geht an diesem Spieltag übrigens der FC Oerrel im Derby der 2. Kreisklasse gegen den SV Sprakensehl. Vereinschef Ulrich Stenzig und Spartenleiter Armin Schulze meinten unisono: „Dann werden wir es wieder auf 50 Zuschauer reduzieren. Wir denken nicht, dass unser Kneiper sagt: Ich setze ‘nen Pott Kaffee auf und haue wieder ab...“ VON INGO BARRENSCHEEN

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